fdp erlebt einen aufschwung im landkreis dachau

Die Liberalen sind wieder auferstanden

Nach Jahren der politischen Bedeutungslosigkeit erlebt die FDP gerade einen Aufschwung – auch im Landkreis Dachau. Die Mitgliederzahl steigt stetig, in Karlsfeld und Petershausen entstehen neue Ortsverbände. Kreisvorsitzender Christian Ludwig Stangl findet: „Es macht wieder Spaß!“

Landkreis – Als Christian Ludwig Stangl vor knapp vier Jahren sein Amt als Kreisvorsitzender der FDP antrat, war er nicht zu beneiden. Den Zustand seiner Partei als desaströs zu beschreiben, würde die Lage nämlich fast noch beschönigen: Die FDP war gerade aus dem Bundestag sowie dem Landtag geflogen; Stangls Vorgänger als Kreisvorsitzender musste zurücktreten, nachdem die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts ein Ermittlungsverfahren gegen ihn aufgenommen hatte. Zahlreiche altgediente Mitglieder kehrten ihrer Partei den Rücken. Mit dem Abstand von vier Jahren sagt Stangl über diese Zeit: „Wir waren am Boden. Wir waren noch toter als tot.“

Doch die FDP ist von den Toten auferstanden, sowohl was die Bundes-, als auch die Lokalpolitik betrifft. Bei der Bundestagswahl schaffte die FDP im Landkreis Dachau durchweg gute Ergebnisse, in Haimhausen beispielsweise landeten die Liberalen bei 14 Prozent. In Karlsfeld und Petershausen gründen sich zudem gerade zwei neue Ortsverbände. Und überhaupt, sagt Stangl, verzeichne er beinahe wöchentlich neue Eintritte. „Es geht bergauf, es macht wieder Spaß“, findet der 52-Jährige.

Tatsächlich sieht er die zurückliegende Krise seiner FDP gerade im Landkreis als Vorteil: „Wir haben keine Angst mehr. Wovor denn? Wir haben doch schon alles hinter uns!“ Nach dem Rücktritt von Hans-Peter Posch als Kreisvorsitzender habe er versucht, „ein bisschen vernünftiger, seriöser, nicht mit ganz so großer Klappe“ zu agieren. Die Wähler hätten registriert, dass in der Kreis-FDP wieder Ruhe eingekehrt sei. Darüber hinaus, das gibt Stangl unumwunden zu, habe die Kreis-FDP natürlich auch von der Schwäche der CSU profitiert. „Es sind vielleicht nicht alle gleich Mitglied bei uns geworden. Aber viele haben uns statt der CSU gewählt.“

Den neuen Schwung möchten Stangl und seine Parteifreunde nun in die kommenden Wahlen mitnehmen. „Mit voller Mannschaftsstärke“ gehe man in den Wahlkampf für die anstehenden Landtags- und Bezirkstagswahlen im September. Die Konkurrenz dürfe sich „warm anziehen“, verspricht Stangl, auch wenn er die Namen der Kandidaten noch nicht verraten will. Nur so viel lässt er wissen: „Wir haben ein junges, motiviertes Team. Da ist wieder Zug drin!“ Gerade zu den Dachauer Problem-Themen wie Wohnen, Verkehr und Klinikum werde die FDP Kandidaten mit ausgewiesener Expertise aufbieten. Und vor allem wolle man den Wählern vor Ort das Gefühl geben, sie ernstzunehmen und ganz ehrlich zu sagen: „Manche Themen sind so komplex, darauf kann es keine einfache Antwort geben.“

Stangl selbst, der als habilitierter Jurist an der Hochschule Heilbronn unterrichtet, hat keine Ambitionen, in den Landtag einzuziehen. Der 52-Jährige hat einen zweijährigen Sohn und genießt sein Familienleben in Haimhausen zu sehr, als dass er sich den Stress eines Berufsabgeordneten antun wollen würde. Er sieht seine Aufgabe nach der „Aufarbeitung der Altlasten“ nun darin, weiterhin neue Mitglieder zu gewinnen und Ortsverbände aufzubauen.

Das Ende der Jamaika-Verhandlungen in Berlin, das viele Deutsche Umfragen zufolge der FDP anlasten, hat dem Aufschwung der Dachauer Liberalen übrigens nicht geschadet, glaubt Stangl. Eines aber gibt er zu: „Die Gründe für das Jamaika-Aus hätten wir besser vermarkten müssen.“

Stefanie Zipfer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Riesiger Ansturm aufs kleine Volksfest
Der Frautag hat geradezu magische Anziehungskraft in Jetzendorf. Es herrscht beinahe Volksfeststimmung. Auch am gestrigen Mittwoch waren Tausende da.
Riesiger Ansturm aufs kleine Volksfest
Ein neues Jugendzentrum entsteht
Es war ein Beschluss, der vor allem die jungen Zuhörer bei der Gemeinderatssitzung freute. Sie bekommen ein Jugendzentrum. 
Ein neues Jugendzentrum entsteht
Die letzten Jahre der Guatlkanone
Seit 40 Jahren schießt Kanonier Robbin Schacht beim Kindertag auf dem Dachauer Volksfest kleine Geschenke, Fahrchips und früher auch Süßigkeiten in die Lüfte. Das macht …
Die letzten Jahre der Guatlkanone
Auf dem Heimweg vom Volksfest Brücke um zwei Meter verfehlt
Alkohol vermindert das räumliche Sehen: Diese Feststellung musste ein 83-jähriger Dachauer am Montagabend machen. Er verfehlte auf dem Heimweg vom Volksfest eine Brücke …
Auf dem Heimweg vom Volksfest Brücke um zwei Meter verfehlt

Kommentare