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Containerbrand: Auf dem Recyclinghof an der Gröbenrieder Straße war Ende Januar ein Sperrmüllcontainer in Brand geraten.

Einsatzkräfte ziehen Zwischenbilanz

101 Einsätze in zwei Monaten: Dachauer Feuerwehr am Limit

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Normalerweise werden die Einsätzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Dachau zu durchschnittlich 400 Einsätze im Jahr gerufen. Bereits in den ersten beiden Monaten des neuen Jahres wurde ein Viertel davon erreicht.

Dachau – Die Belastung für die ehrenamtlichen Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr Dachau ist enorm. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr 2018 wäre das eine Zahl von 600 Einsätzen – 200 mehr als im Schnitt. Bei den Einsätzen handelt es sich natürlich auch um Fehlalarme oder kleinere Einsätze. Dennoch müssen die Freiwilligen Hilfskräfte ausrücken.

Ende Januar war es etwa ein brennender Sperrmüllcontainer, der den Einsatzkräften alles abverlangte.

120 aktive Einsatzkräfte, darunter fünf Frauen, und 40 jugendliche Anwärter, darunter zehn Mädchen, sind für die Freiwillige Feuerwehr Dachau aktiv. Neben den aktiven Mitgliedern sind noch 53 passive Mitglieder, die mindestens 25 Jahre im Einsatz waren, und 225 fördernde Mitglieder, die einen finanziellen Beitrag leisten, zu zählen.

Reichelt: Zeitvorgabe einzuhalten, ist nahezu unmöglich

Zehn Minuten Hilfsfrist haben die Einsatzkräfte laut Vorgabe dann Zeit, um vor Ort zu sein. Wenn man bedenkt, dass allein die Zeit für Informationsweitergabe, Fahrtweg zum Feuerwehrhaus, Anziehen und Abfahrt knapp acht Minuten beansprucht, ist diese Vorgabe enorm schwer einzuhalten und nur in 53 Prozent der Fälle erfolgreich. „Vor allem am Tag ist es nahezu unmöglich, nah an der Feuerwache zu sein und einen Einsatz in dieser Zeit fahren zu können“, macht Wolfgang Reichelt, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Dachau deutlich. Auch nachts dauere es laut Reichelt eben seine Zeit, von daheim, aus dem Tiefschlaf gerissen, im Feuerwehrauto zu sitzen. Die Zeitvorgabe einzuhalten, ist auch deshalb schwierig, da die Wohnung, die Arbeit oder der Frisörsalon der Beteiligten über das ganze Stadtgebiet verteilt sind.

Damit nicht immer alle 120 Einsatzkräfte alarmiert werden, setzt sich der Bereitschaftsdienst immer aus acht Personen zusammen. Der Dienst gilt immer für eine Woche, mit einem Wechsel am Donnerstag. Hauptberuflich angestellt sind lediglich vier Gerätewarte, die sich eigentlich ausschließlich um alle Fahrzeuge, Gerätschaften und administrative Aufgaben kümmern. In Notsituationen rücken aber auch diese mit aus. In den nächsten zwei Jahren sollen 13 Stellen für hauptberufliche Einsatzkräfte geschaffen werden (wir berichteten), damit die enorm steigende Anzahl an Einsätzen bewältigt werden kann. „Die Aufstockung ist unabdingbar, da man den derzeitigen Weg nicht weitergehen kann“, erklärt Reichelt.

Sieben Einsätze allein am vergangenen Wochenende

Die Anzahl an Einsätzen in diesem Jahr ist auf einem rekordverdächtigem Kurs. Allein am vergangenen Wochenende vom Freitag bis Sonntagfrüh lösten die Funkmeldeempfänger sieben Mal aus: ein Kleinbrand, zwei Brandmeldeanlagen-Alarme, eine verrückter Gullydeckel, der gesäubert und wieder an seinen eigentlichen Platz gehoben werden musste, ein Verkehrsunfall, eine Ölspur und eine Personenrettung – die ganze breite Einsatzpalette der Feuerwehren. Ein Engagement, das nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Vor allem, wenn man bedenkt, dass viele Einsätze in kurzen Zeitabständen oder sogar parallel bewältigt werden müssen.

Reichelt verweist ausdrücklich darauf, dass es sich lediglich um eine Ehrenamt handle und auch Einsatzkräfte ihren ganz normalen Alltag zu bewältigen haben. Ganz nebenbei sind die freiwilligen Helfer dann noch rund um die Uhr für die 47.000 Einwohner der großen Kreisstadt da – unabhängig davon, ob der Haarschnitt fertig ist oder nicht.

Aus einem ganz anderen Grund waren die Einsatzkräfte in Hochbrück kürzlich in die Schagzeilen geraten. Der Strafzettel für einen der Feuerwehrleute ließ den Volkszorn brodeln.

Manfred Sedlbauer

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