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Die ehrenamtlichen Feuerwehrkräfte, vorne links Feuerwehrreferent Wolfgang Reichelt, leisten ab Januar in der Dachauer Wache gemeinsam Dienst mit hauptamtlichen Kräften.

“Kriegen Anrufe aus ganz Deutschland“

Zu hohe Belastung für Ehrenamtliche: Feuerwehr Dachau geht einzigartigen, neuen Weg

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Ab Januar wird es im Dachauer Feuerwehrhaus eine Wache geben, die weit und breit einzigartig funktioniert. Ob das funktioniert, muss sich zeigen.

  • Die Feuerwehr Dachau muss für die ganze Stadt einsatzbereit sein - und ist immer noch ehrenamtlich organisiert.
  • Nun gibt es eine einzigartige Zwischenlösung, damit die Belastung für Ehrenamtliche erträglich bleibt.
  • Ob sie funktioniert, wird sich zeigen.

Dachau – Feuerwehrmann ist man aus Überzeugung, betont Wolfgang Reichelt. Reichelt ist seit 30 Jahren aktiv bei der Dachauer Wehr und im Stadtrat Feuerwehrreferent. 

Langjähriger Feuermann in Dachau: Überzeugung kostet eine Menge Privatleben

Dennoch, das gibt er zu, kostete ihn diese Überzeugung im Lauf der vergangenen Jahre eine Menge Privatleben. Vor allem die sogenannten Rufbereitschaften, bei denen die Kameraden tagelang an ihre Heimatstadt gekettet waren, um im Notfall schnell ins Feuerwehrhaus eilen zu können, bedeuteten laut Reichelt eine „massive private Einschränkung“.

Dachau wächst - Feuerwehr kann 10-Minuten-Frist nicht mehr halten

Angesichts einer wachsenden Stadt und damit einhergehenden steigenden Einsatzzahlen drohte die Belastung für die gut 120 Dachauer Aktiven zu groß zu werden. Hinzu kam: Die Wehr konnte die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten vor allem nachts in den meisten Fällen nicht mehr einhalten. 

Im Dezember 2017 folgte daher der große Schnitt: Der Stadtrat beschloss einen sogenannten Feuerwehrbedarfsplan, der die Einrichtung einer festen Wache vorsah und den ehrenamtlichen Kameraden Berufsfeuerwehrler zur Seite stellte.

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Den Skeptikern im Stadtrat, die eine ausufernde Stellenmehrung befürchteten, versprachen die Feuerwehrverantwortlichen und Oberbürgermeister Florian Hartmann dabei mantraartig: Die Große Kreisstadt bekomme keine reine Berufsfeuerwehr, die hauptamtlichen Kräfte seien nur als Ergänzung gedacht!

Feuerwehr Dachau: Im Januar soll neue Wache an den Start gehen

Nun ist die Umsetzung des Bedarfsplans auf der Zielgeraden. Im Januar soll die Wache an den Start gehen, ein Großteil der hauptamtlichen Stellen ist bereits besetzt und auch der Umbau des Feuerwehrhauses weitgehend abgeschlossen; damit sich das Wachdienstpersonal in der Nacht hinlegen kann, stehen fortan Einzelschlafräume zur Verfügung.

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Feuerwehr Dachau: Mischung aus Ehrenamtlichen und Berufsfeuerwehr gibt es schon - doch Dachau hat Besonderheit

Auch wenn es Misch-Feuerwehren aus haupt- und ehrenamtlichen Kräften mittlerweile in vielen mittelgroßen Städten Deutschlands gibt, zeichnet sich die Dachauer Wache durch eine Besonderheit aus: Die aus sechs Mann bestehende Wachbereitschaft ist zu gleichen Teilen aus Berufsfeuerwehrlern und Freiwilligen besetzt. Andernorts leisten diesen Dienst ausschließlich hauptamtliche Kräfte. 

Feuerwehr Dachau: „Kriegen Anfragen aus der ganzen Republik“

„Wir kriegen Anfragen aus der ganzen Republik“, erklärt Feuerwehr-Sprecher Reichelt. Ob dieses Dachauer Modell in der Praxis umgesetzt werden kann, „wird sich zeigen“, doch er hoffe, „dass das nun für die nächsten Jahre funktioniert“.

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Um die gewünschte „wichtige Verzahnung von Haupt- und Ehrenamt“ dauerhaft sicherzustellen, wie Stadträtin Christa Keimerl es zuletzt formulierte, wird die Stadt den Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte honorieren: Sie sollen 90 Euro pro Schicht als Aufwandsentschädigung erhalten, zudem wird in der Wachbereitschaft der Grundsatz gelten: „Das Hauptamt unterstützt das Ehrenamt.“

Von den 120 Aktiven hatten sich im Vorfeld bereits 100 bereit erklärt, regelmäßig – beispielsweise einmal im Monat – eine Schicht zu übernehmen. Die Dienstpläne hierfür, so Reichelt, hängen bereits aus. Gezwungen, mitzumachen, werde „niemand“. Dass die Mischform zu Reibereien führt, sei zwar nie ausgeschlossen, halte er aber für unwahrscheinlich.

Die Stadt spart sich mit dem Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte in der Wache zudem viel Geld. Wie Kommandant Thomas Hüller und Feuerwehrvorsitzender Stefan Fichtl in einem Schreiben an OB und Stadtrat vorrechneten, würde eine rein hauptamtlich besetzte Wachbereitschaft einen „Personalkörper von zirka 30 Feuerwehrdienstleistenden notwendig“ machen. Bis zu 1900 Schichten pro Jahr sollen die ehrenamtlichen Kräfte ab Januar leisten, die Stadt wird dafür Aufwandsentschädigungen in Höhe von 171.000 Euro zahlen. Der Finanzausschuss gab die Summe in seiner Sitzung am Mittwoch einstimmig frei.

Drei Funktionen werden dabei im Rahmen der Feuerwache rund um die Uhr zur Verfügung stehen müssen, erklären Hüller und Fichtl: ein Gruppenführer, ein Maschinist sowie Feuerwehrkräfte mit Atemschutzausbildung. Die sechs Wachhabenden werden sich ihren Dienst laut Reichelt dabei so aufteilen: „Wir brauchen einen, der anschafft, einen, der fährt, und der Rest arbeitet.“

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