Mann mit weißem Haar
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Witterte gleich einen Betrug: Karl Leitsbach, Leiter der Sparkasse in Augustenfeld, hat im Alltag schon einige Betrugsversuche erlebt.

Dachauerin hob 60.000 Euro ab

Filialleiter vereitelt Betrug nach Schockanruf

  • Nikola Obermeier
    VonNikola Obermeier
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„Ich sitze im Gefängnis!“ Mit diesem Schockanruf der angeblichen Tochter wollten Betrüger bei einer Dachauerin Geld ergaunern. Ums Haar wäre es gelungen.

Dachau – 60 000 Euro hat eine Dachauerin von der Bank abgehoben, nachdem sie einen sogenannten „Schockanruf“ erhalten hatte. Die Betrüger schockieren ihre Opfer mit frei erfundenen Geschichten, bauen großen Druck auf und fordern hohe Geldsummen. Dass es in diesem jüngsten Dachauer Fall nicht zur Geldübergabe an die Betrüger kam, ist dem Sparkassen-Zweigstellenleiter und der Polizei zu verdanken.

„Hallo Mama, ich hatte einen schlimmen Unfall!“ So tönte es bereits vor zwei Wochen, am 19. August, aus dem Telefon, als die 60-jährige Dachauerin den Hörer abnahm. Entsetzt hörte sie, was der Tochter angeblich passiert war. „Ich habe ein Menschenleben auf dem Gewissen und sitze im Gefängnis. Damit ich raus kann, brauche ich 60 000 Euro Kaution!“, so die panische Stimme. Zu diesem Zeitpunkt ahnte Edith K. (Name geändert) nicht, dass die Person am Telefon gar nicht ihre Tochter war. Die Mutter hatte keinen Zweifel an der Richtigkeit der Angaben. Das war die Stimme ihrer Tochter!

Die 24-jährige Tochter Sandra war mit ihrem Auto nach Italien gefahren, um einen sonnigen Urlaub zu verbringen. Kurze Zeit, nachdem die 60-Jährige aufgelegt hatte und völlig aufgelöst ihrem Mann alles erzählte, klingelte das Telefon erneut. Dieses Mal meldete sich angeblich die Staatsanwaltschaft München und bestätigte die Angaben des vorherigen Anrufs. Es wurde auch gleich ein Treffpunkt und eine Zeit für die persönliche Übergabe des Geldes ausgemacht.

Edith K. lief sofort zu ihrer Sparkasse, um den geforderten Betrag abzuheben. Dort wurde ihr Berater Karl Leitsbach aufmerksam. Er riet zum sofortigen Einschalten der Polizei und witterte gleich einen Betrug, wie die Sparkasse Dachau in einer Pressemitteilung erklärte.

Edith K. war völlig konsterniert. Daran hatte sie überhaupt nicht gedacht. „Es war die Stimme meiner Tochter!“, beharrte die Mutter.

In der Zwischenzeit rief tatsächlich der Vater, ein 61-jähriger Dachauer, bei der Polizei an: um sich zu erkundigen, ob der Betrag auch überwiesen werden könnte. Die Polizei Dachau klärte sofort über den den versuchten Betrugsfall auf. Nachdem die Eltern kurz darauf ihre Tochter anriefen und diese völlig überrascht von den Vorgängen war, beruhigten sich die beiden endlich und erstatteten Strafanzeige. Die Kommunikation zu den Betrügern brach schließlich ab – „diese werden sofort skeptisch bei kleinsten Verzögerungen“, wie eine Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern erklärte.

Die Mitarbeiter der Sparkasse erleben immer wieder diese Art der Betrugsmaschen. „Die Betrüger arbeiten mit perfiden Methoden und absolut plausiblen Geschichten, um an große Geldsummen zu kommen“, erklärt Leitsbach. „Sollten große Geldsummen in Bargeld gefordert werden, bitte sofort wachsam werden!“, warnt der Leiter der Sparkassen-Geschäftsstelle Augustenfeld. Außerdem sollte sich immer rückversichert werden und von den bekannten Rufnummern aus die betroffenen Personen angerufen werden. „Vielfach lösen sich diese Vorfälle dann in Kürze von selbst auf“, so der Sparkassenberater. „Und alle Informationen der Kunden sind vertraulich. Wir unterliegen dem Bankgeheimnis. Unsere Kunden können sich voller Vertrauen an uns wenden“, fügt Leitsbach an.

Die Methoden der Betrüger werden immer „ausgefuchster“, weiß die Polizei. Sie setzen ihre Opfer so unter Druck und versetzen diese in eine Stresssituation, „dass die Opfer nicht mehr normal denken können“, erklärte die Polizeisprecherin. Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord rät, auf Geldforderungen am Telefon gar nicht einzugehen. „Am besten gleich auflegen!“

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