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Ehrenamtliche versorgen Kriegsflüchtlinge bis 4 Uhr morgens - Landrat hat Appell an Helfer

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Von: Nikola Obermeier

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Begrüßung der Geflüchteten: Heidi Schaitl, Kreisgeschäftsführerin der Caritas, begleitet die ankommenden Flüchtlinge zur Registrierung.
Begrüßung der Geflüchteten: Heidi Schaitl, Kreisgeschäftsführerin der Caritas, begleitet die ankommenden Flüchtlinge zur Registrierung. ©  Simone Wester

350 Flüchtlinge aus der Ukraine sind im Landkreis Dachau angekommen.  Auch Privatinitiativen haben Menschen an der Grenze abgeholt. Landrat Stefan Löwl hat einen Appell an Organisatoren von Privatinitiativen.

Dachau- Über 200 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine meldet das Landratsamt am Mittwochvormittag, die größtenteils in privaten Unterkünften im Landkreis untergebracht wurden. Nicht miteinberechnet in dieser Zahl sind die 100 Flüchtlinge, die mit Oksana Bonauer-Morel gestern Nachmittag den Landkreis erreichten, sowie 59 Menschen, die in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf Initiative von Privatleuten in zwei Auto-Konvois ankamen.

Flüchtlinge aus der Ukraine: Dachauer Land hat Appell an Helfer

Solche Privatinitiativen stellen das Landratamt allerdings vor große Probleme. „Denn wir können in Dachau mit unseren ehrenamtlichen Helfern kein Ankunftszentrum 24 Stunden, sieben Tage pro Woche betreiben“, sagt Landrat Stefan Löwl.

Die Ankunft von Flüchtlingen müsse mit dem Landratsamt abgestimmt sein, „wir brauchen mindestens 48 Stunden Vorlauf“, so Löwl. So wie das die Dachauerin Oksana Bonauer-Morel macht, eine gebürtige Ukrainerin, die neben der Spendensammlung im AEZ auch Busse organisiert, die Flüchtlinge hierher bringen. Sie arbeitet eng mit dem Landratsamt zusammen, stimmt die Fahrten mit der Behörde ab. „Die Daten der Personen werden schon im Bus auf der Fahrt nach Dachau erfasst“, so Löwl.

Helfer versorgen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine bis 4 Uhr morgens an

Das war bei einer anderen privaten Initiative am Dienstag nicht der Fall. Löwl erfuhr erst kurzfristig von der baldigen Ankunft von 59 Personen, die „in Kleinbussen und Autos in zwei Konvois hierher unterwegs waren“. Die Ankunft war für die Nacht von Dienstag auf Mittwoch angekündigt – „das ist mit unseren Strukturen eigentlich nicht darstellbar“, so Löwl.

Glücklicherweise war die Aufnahmestation für Flüchtlinge in Schönbrunn für den Bonauer-Bus gerade fertiggestellt worden. Von 23 Uhr bis 4 Uhr morgens seien immer wieder einzelne Autos angekommen, berichtet Löwl. Ehrenamtliche halfen die ganze Nacht lang mit, die Personen zu empfangen, zu versorgen, zu registrieren, sie unterzubringen.

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Menschen wollen Flüchtlingen aus der Ukraine helfen

Dass die Menschen helfen wollen, sei absolut verständlich, so Löwl. Er habe vollstes Verständnis für Menschen, die sagen, sie holen Kriegsflüchtlinge an der Grenze ab. „Aber das muss im Vorfeld mit uns abgestimmt sein“, so Löwl. Zudem bittet er die Helfer zu bedenken, dass viele Privat-Autos Stau an den Grenzen verursachen.

Wenn eine private Hilfsaktion nicht mit dem Landratsamt abgestimmt ist – und zwar mindestens 48 Stunden vorher –, dann müsse man mit den Flüchtlingen in das Ankunftszentrum der Stadt München fahren, das rund um die Uhr geöffnet sei. Ausnahme seien Personen, die selbst Flüchtlinge aufnehmen können – „diese können sich einfach selbst über die Internetseite anmelden, sobald sie hier sind“, ohne vorher in einer Aufnahmestation registriert zu werden.

Ukraine-Hilfe

Das Landratsamt weist darauf hin, dass es keine ständig besetzte Aufnahmeeinrichtung im Landkreis gibt. Diese ist im Ankunftszentrum in München (Maria-Probst-Str. 14). Das Landratsamt hat im Internet die wichtigsten Hinweise zusammengestellt: www.landratsamt-dachau.de/familie-bildung-migration/migration-asyl/kriegsfluechtlinge-aus-der-ukraine-informationen-fragen-und-antworten. Das Bürgertelefon (0 81 31/7 42 50) ist von Montag bis Freitag von 10 bis 11 Uhr besetzt. Fragen per E-Mail an EBI@lra-dah.baydern.de werden zeitnah beantwortet

350 Kriegsflüchtlinge im Landkreis Dachau

Insgesamt dürften – Stand Mittwochabend – rund 350 Kriegsflüchtlinge, meist Frauen und Kinder, aber auch ältere Ehepaare, im Landkreis untergebracht sein, alle in privaten Unterkünften. Nur zwei Familien sind aufgrund von Corona-Infektionen vorübergehend in einer Asylunterkunft in Quarantäne.

Zusätzlich sollen auch in den nächsten Tagen weitere Flüchtlinge aus dem Ankunftszentrum in München auf die Landkreise in Oberbayern verteilt werden, wie Sina Török, Pressesprecherin des Landratsamtes mitteilte. Insgesamt rechnet das Landratsamt aktuell mit 500 bis 1000 Kriegsflüchtlingen, die im Landkreis Dachau aufgenommen, untergebracht und betreut werden müssen. „Dabei bleiben die weitere Entwicklung des Krieges in der Ukraine und die Flüchtlingsströme nicht vorhersehbar“, so Török.

Landrat Stefan Löwl hat – „angelehnt an das erfolgreiche Beispiel aus der Pandemiebekämpfung“ – eine Koordinierungsgruppe Ukraine eingerichtet. Am Dienstag tagte die Gruppe erstmals. Mitglieder der Gruppe sind unter anderem die verantwortlichen Sachgebiete für Asyl und Hilfeleistung, das Ausländeramt, die Koordinierungsstelle bürgerschaftliches Engagement, das Büro des Landrats, aber auch der Katastrophenschutz.

Die Begleitung der Geflüchteten: Die behördlichen Schritte nach der Ankunft:

Eine große behördliche Herausforderung ist die weitere Begleitung der Flüchtlinge: Als ersten Schritt müssen sich die Personen in den Gemeinden im Einwohnermeldeamt anmelden. Mit der Meldebescheinigung können sie dann im Landratsamt im Ausländeramt registriert werden.

Ein guter Überblick über alle Schritte findet sich auf der Internetseite des Landratsamts unter: www.landratsamt-dachau.de/informationen-fluechtlinge

In der Stabsstelle EBI laufen die Hilfsangebote zusammen. Mit wenigen Stunden Vorlauf bringen die Mitarbeiter des Landratsamtes die Unterkunftsmöglichkeiten mit den Flüchtlingen, die meist noch im Bus auf dem Weg in den Landkreis sind, zusammen. Ziel ist es, nach Ankunft alle Personen direkt an die bereitgestellte Unterkunft zu übergeben. Personen, die weiter reisen möchten, haben die Möglichkeit, sich zunächst auszuruhen und zu stärken.

Für die Ankünfte in dieser Woche und am Wochenende haben die Katastrophenschutzeinheiten in Schönbrunn eine Anlaufstelle errichtet. Hier werden die in Gruppen ankommenden Flüchtlinge zunächst auf eine Corona-Infektion getestet und danach registriert, versorgt und dann weitervermittelt. In rund 50 Betten können sich Weiterreisende auch ausruhen.

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