Kleiner Schädling großer Schaden

Borkenkäfer hat tausende Bäume im Landkreis befallen: Interview mit Förster

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Er ist nur wenige Millimeter klein, aber eine riesige Gefahr für den Wald: Der Borkenkäfer hat wieder tausende Bäume im Landkreis befallen.

Landkreis  Die Waldbesitzer sind deshalb aufgefordert, ihre Bäume zu kontrollieren und wenn nötig umzuschneiden. Warum das so wichtig ist, erklärt Förster Franz Knierer im Interview.

-Herr Knierer, Sie fordern die Waldbesitzer auf, die Bäume nach Borkenkäfern zu kontrollieren. Heißt das, dass der Befall dieses Jahr besonders stark ist?

Richtig, heuer ist der Borkenkäferbefall bei den Fichten besonders stark, weil der Sommer sehr heiße Phasen hatte. Dadurch konnten sich die jungen Käfer sehr stark vermehren. Auch der Orkan Niklas vor zwei Jahren führte dazu, dass es stärkere Vermehrungen gab.

Förster Franz Knierer

-Wie sieht es denn im Landkreis Dachau im Vergleich zu anderen Gegenden aus?

Im Landkreis Dachau sind wir zwar noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Trotzdem sind rund 10 000 Bäume befallen, die gefällt werden mussten. Besonders schlimm ist es zum Beispiel in den Wäldern rund um Altomünster, Randelsried oder auch Lauterbach.

-Wie sollen Waldbesitzer jetzt reagieren?

Es ist sehr wichtig, dass sie ihre Fichten auf Borkenkäferbefall kontrollieren. Sie müssen schnell sein, um einer Massenvermehrung vorzubeugen. Befallene Bäume müssen gefällt und aus dem Wald gebracht werden.

-Haben die Waldbesitzer dafür Verständnis?

Ja, 95 Prozent sind gut dahinter und haben Verständnis. Die anderen schreiben wir immer wieder an und erinnern sie. Im Landkreis Dachau gibt es auch eine gute Überwachung und Solidarität durch die Waldbesitzervereinigung. Wer zum Beispiel in den Urlaub fährt, kann sich Unterstützung von der Selbsthilfeeinrichtung der Waldbesitzer holen.

-Warum ist schnelles Handeln gerade jetzt so wichtig?

Jetzt fliegt dann die dritte Generation der Borkenkäfer aus. Da kann es sein, dass sich die Käfer in die Rinde einnisten und überwintern. Der Frost kann ihnen den Käfern nichts anhaben, sie können in den Bäumen und dem Boden überwintern. Dann würden wir nächstes Frühjahr gleich mit einem größeren Befall ins Rennen gehen. Die Borkenkäferphase geht noch bis Ende August/Mitte September.

-Wie erkennt man befallene Bäume?

Im ersten Stadium ist das sicherste Kennzeichen frisches braunes Bohrmehl in den Rindenschuppen. Das schaut aus, wie wenn jemand Kaffeepulver verstreut hätte. Dann hat man noch zwei bis drei Wochen Zeit, um den Baum zu entfernen. Der Baum ist da meistens noch grün.

-Trotzdem kann man ihn nicht mehr retten?

Nein, sobald das Bohrmehl dran ist, ist der Baum verloren. Er hat keine Chance mehr. Der Borkenkäfer bohrt sich in die Rinde ein. Es ist, wie wenn man einem Menschen die Haut abziehen würde.

-Wie geht es weiter mit dem Baum, nachdem das Bohrmehl abfällt?

Irgendwann fällt oben am Baum die Rinde ab, dann ist es wirklich höchste Zeit zu handeln. Die Krone des Baums bekommt kein Wasser mehr und verfärbt sich. Schließlich wird der Baum kahl. Wenn ein Baum vollständig mit Duftstoffen besetzt ist, befällt der Käfer die nächsten Bäume in der Umgebung.

-Wenn Waldbesitzer die Bäume fällen, können sie das Holz noch verkaufen?

Ja, das Holz kann ganz normal verwertet werden. Am Holzmarkt sinkt aber natürlich der Preis.

-Was kann man langfristig gegen den Borkenkäfer tun?

Durch die Klimaerwärmung hat der Borkenkäfer einen großen Vorteil. Wenn die meisten Leute sich über Badewetter freuen, freue ich mich als Förster im Sommer über kühl-feuchtes Wetter. Das ist optimal für die Fichte, die der Borkenkäfer befällt. Langfristig ist es aber unser Ziel, durch einen Waldumbau mehr Mischwälder zu schaffen. Die Umforstung läuft schon seit Jahrzehnten.

-Warum?

Jeder Baum wird von anderen Schädlingen angegriffen. Da ist es ein Vorteil, wenn es weniger Monokulturen gibt.

-Wie sollen unsere Wälder in Zukunft aussehen?

Bei den Nadelbäumen sind auf nassen Böden zum Beispiel Tannen gut geeignet und auf trockenen Böden Douglasien. Bei den Laubböden sind zum Beispiel die Eiche oder die Buche empfehlenswert. Viele Waldbesitzer probieren auch exotische Bäume aus wie zum Beispiel die Schwarznuss. Natürlich hat auch jeder Waldbesitzer seine eigenen Vorlieben und gestaltet seinen Wald danach.

Interview: Claudia Schuri

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