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Er hilft Menschen, die in Extremsituationen traumatisiert werden: Frederic William hilft als Feuerwehr-Seelsorger den Einsatzkräften, Unfälle zu verarbeiten. Denn nicht nur Zeugen oder Verletzte können durch einen schweren Unfall belastet werden.

Beistand und Hilfe nach psychisch belastenden Einsätzen

Er ist Tag und Nacht für die Feuerwehrler da

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Feuerwehrmänner müssen nicht immer harte Kerle sein, davon ist Frederic William überzeugt. Denn wenn sie in Extremsituationen helfen, belastet sie das auch psychisch. William ist Tag und Nacht für die Einsatzkräfte da, die in Extremsituationen helfen. Manchmal ist das auch für ihn nicht einfach.

Landkreis – Um kurz vor vier morgens wird Frederic William (44) aus dem Schlaf gerissen. Sein Feuerwehr-Piepser scheppert und piepst, das Gerät liegt neben seinem Bett. Zwei Autos sind bei Pasenbach wegen Glätte von der Straße abgekommen: Zehn Menschen sind verletzt worden, drei sogar schwer. William soll von Oberbachern aus zum Unfallort kommen. Aber nicht, um die Verletzten aus den Autos zu bergen oder Straßen abzusperren. Nein, er ist für die Feuerwehrleute da.

„Solche Extremsituationen lassen keinen cool“, sagt William. Er ist einer der Nachfolger von Feuerwehrseelsorger Albert Wenning.

Als er sein Medizinstudium begann, ging er zur Feuerwehr. Heute ist er Kardiologe und kümmert sich seit rund fünf Monaten um die „psychosoziale Notfallversorgung von Einsatzkräften“. Was das genau heißt? Tag und Nacht für Kameraden da sein. „Es ist gut, dass ein Feuerwehrmann heute nicht immer ein harter Kerl sein muss“, sagt er. Denn wenn sie bei schweren Unfällen helfen, belastet sie das meist auch psychisch: Sie sehen Schwerverletzte oder sogar Tote. Zum Beispiel im vergangenen Oktober, als ein dreijähriges Mädchen auf der B 471 aus dem Auto geschleudert wurde und erst eine Stunde später im Gröbenbach gefunden wurde. Jede Hilfe kam zu spät. „Es ist normal, wenn man danach mit dem Unfall zu kämpfen hat“, sagt William.

Nach so einem Einsatz setzen sich die Feuerwehrler bei einer „Einsatzhalben“ zusammen. Bei einem Bier besprechen sie nochmals, was sie erlebt haben und warum der Einsatz so verlaufen ist, so William. Mit der Einsatzhalben schließen die meisten von ihnen den Unfall ab.

Aber manchmal geht das nicht: Dann bleiben Gerüche und Geräusche vom Einsatz, der schwere Unfall beschäftigt den Feuerwehrhelfer auch im Alltag, er nimmt zum Beispiel einen anderen Weg zur Arbeit, um nicht am Unfallort vorbeizukommen. Er kann nicht mehr abschalten, hat schlaflose Nächte. Deshalb erklärt William bei Schulungen, welche Einsätze besonders belastend sein können und wie jemand feststellt, dass man den Einsatz nicht alleine verarbeiten kann.

Wer nicht alleine mit einem traumatisierenden Einsatz fertig wird, dem helfen Frederic William und weitere fünf Krisen-Betreuer im Landkreis. William bietet Gespräche an, um Einsatzkräfte vor einem Trauma zu bewahren. Seine Strategie: den Einsatz nachbesprechen und normalisieren: „Ich mache ihnen klar: Ich bin normal, du bist normal. Nur die Situation, zum Beispiel eine Schwerverletzte aus einem brennenden Haus zu holen, ist nicht normal.“

William tritt in die Fußstapfen von Diakon Albert Wenning, der die Seelsorge für Einsatzkräfte vor rund 22 Jahren ins Leben rief. „Ein riesiges Problem bei der Freiwilligen Feuerwehr ist, dass es oft auch Bekannte, Verwandte oder Freunde sind, die bei einem Unfall verletzt werden oder sterben“, sagt William. Denn die Ortsfeuerwehr rückt immer in der eigenen Gemeinde aus, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass jemand aus dem eigenen Umfeld verletzt ist.

„Besonders schlimm ist es, wenn Kameraden oder Kinder zu Schaden kommen“, sagt er. In diesen Extremfällen kann die Einsatzleitung William zum Unfallort rufen, wie in Pasenbach. Dort redete er mit den Kameraden und bot ihnen an, den Einsatz in der Gruppe oder im Einzelgespräch nachzubesprechen und gab ihnen seine Telefonnummer. Er ermutigte die Feuerwehrler, auch aufeinander zu schauen. Doch die Einsatzkräfte machten es nach dem Unfall in Pasenbach bei einer Einsatzhalben selbst mit sich aus.

Seit rund fünf Monaten ist William bereits Feuerwehrseelsorger – und manchmal nimmt es ihn auch selbst mit, was er von den Einsatzkräften zu hören bekommt. „Es wäre schlimm, wenn ich es einfach so abschütteln würde, wenn etwas Schlimmes passiert“, sagt er. Mitleiden ist eben menschlich – und auch Feuerwehrler sind nur Menschen.

Anna Schwarz

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