+
Premiere in Pyeongchang: Nadja Flemming fliegt über die 50 Meter hohe Big-Air-Schanze.

Die 22-jährige Snowboarderin aus Röhrmoos will in Pyeongchang antreten

Nadjas Traum von Olympia lebt

  • schließen

Für Freestyle-Snowboarderin Nadja Flemming könnte sich der Traum von den Olympischen Spielen erfüllen. Die 22-jährige Röhrmooserin muss nur noch ein einziges Kriterium erfüllen. Pyeongchang wäre der vorläufige Höhepunkt einer außergewöhnlichen Sportlerkarriere.

Röhrmoos Ein einziger Platz noch. Eine Konkurrentin überholen. Dann erfüllt sich für Freestyle-Snowboarderin Nadja Flemming (22) der Traum von Olympia. Die nationale Qualifikation für die Spiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) hat die Röhrmooserin nach zwei Top-16-Resultaten in ihren Disziplinen Slopestyle (Tricks auf Hindernissen wie Geländern) und Big Air (Sprung über eine 50 Meter hohe Schanze) im diesjährigen Weltcup bereits in der Tasche. Doch das alleine reicht nicht. Um in Südkorea antreten zu dürfen, muss sie nach den beiden letzten Weltcups am 10. Januar im US-amerikanischen Snowmass und eine Woche später im schweizerischen Laax unter den besten 30 Athletinnen der Welt sein. Momentan steht sie in der Rangliste auf Platz 31. „Es wird auf jeden Fall eine knappe Sache“, sagt Nadja Flemming und schiebt hinterher: „Aber machbar.“

Zuzutrauen ist es der 22-Jährigen, die für den WSV Röhrmoos startet, allemal – wirft man einen Blick auf ihren außergewöhnlichen Karriereweg. Nadja Flemming steht erst seit sechs Jahren auf dem Snowboard. Zunächst fährt sie nur auf der Piste. Als sie die Sprünge und Tricks der Freestyler in den Fun Parks, die es heute in vielen Skigebieten gibt, beobachtet, wagt sie sich selbst auf die Schanzen und Hindernisse. Und sie stellt fest: Ich kann das. Als sie 18 ist, brettert sie jedes Wochenende in Fun Parks in Österreich. Immer ausgefallener und waghalsiger werden ihre Tricks. Ihr Talent fällt schnell auf. Und ihr enormer Ehrgeiz.

Nun ist es so, dass die Freestyle-Snowboarder wie Nadja Flemming immer ihr eigenes Ding machten. Einen Weltcup-Zirkus wie den der Skifahrer wollten sie nicht. Eine staatliche Förderung gab es nicht. Doch dann wurde der Sport immer professioneller. Dazu beigetragen haben Firmen wie Red Bull, diedie Werbewirksamkeit der lässigen Freestyler für ihre Energiegebräu erkannten und den Sport bei Mega-Events auf der ganzen Welt grandios in Szene setzten. Plötzlich hatten also auch die Freestyler ihren Zirkus. Dazu kam, dass jüngere Zuschauer manche Disziplinen bei Olympia so spannend fanden wie die oberbayerischen Titelkämpfe im Kirschkernweitspucken. Also hievte das Internationale Olympische Komitee die Snowboarder ins Programm. Slopestyle war bereits 2014 in Sotschi zu sehen, Big Air feiert in Pyeongchang Premiere.

Für Nadja Flemming hatte die Aufmerksamkeit, den ihre Sportart zunehmend genoss, Folgen: Sie wurde gefördert. Der Snowboard Verband Deutschland stufte sie in den D-Kader ein. Seit 2016 darf sie im Weltcup starten. In diesem Jahr wurde sie Deutsche Meisterin im Slopestyle. Bald gab sie ihren Job als Verfahrensmechanikerin auf, weil der Trainingsaufwand zu groß wurde. „Ich hatte das Glück, dass ich zum Spitzensportprogramm der Polizei kam. Ich bekomme ein Gehalt, obwohl ich acht Monate im Jahr freigestellt bin“, ist Nadja Flemming ihren Förderern dankbar.

Wegen ihrer finanziellen Unabhängigkeit hat die 22-Jährige Olympionikin in spe nun jede Menge Zeit fürs Training – nicht nur im nahen Österreich. Danach gefragt, wo sie 2017 in Sachen Slopestyle und Big Air unterwegs war, muss Nadja nachdenken. Dann zählt sie auf: Deutschland, Russland, Italien, Schweiz, Australien, Neuseeland, China, USA, Kanada, Tschechien und Spanien – wobei sie durchaus noch etwas vergessen haben könnte, wie sie meint. Ob sie auch schon an Südkorea denke? „Nein, soweit noch nicht“, sagt Nadja Flemming. Ihr Fokus liegt ganz klar auf den beiden Weltcups in Snowmass und Laax. Dort möchte sie alles geben, um Konkurrentinnen hinter sich zu lassen. Mit Blick auf die Weltrangliste reicht eine einzige.

Stichwort: Olympia

Von 9. bis 25. Februar 2018 kämpfen über 2800 Athleten bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang in Südkorea um die Medaillen. In insgesamt zwölf Wettkampfstätten werden die Entscheidungen in 15 Sportarten ausgetragen. Eröffnungsfeier ist am 9. Februar (20 Uhr Ortszeit) im neu gebauten Olympischen Stadion in Pyeongchang. Dort findet auch die Schlussfeier am 25. Februar (20 Uhr Ortszeit) statt. Die Snowboard-Wettbewerbe der Damen finden am 12. Februar (Slopestyle) sowie am 23. Februar (Big Air) statt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unvergesslicher Tag für Kinder aus sozial schwachen Familien
Die achtjährige Elisabeth und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Alexej konnten es kaum erwarten, bis sie zu den Fahrgeschäften durften. Nach dem Essen im Franziskaner-Zelt …
Unvergesslicher Tag für Kinder aus sozial schwachen Familien
Vollbremsung verhindert Frontalaufprall
Nur durch die schnelle Reaktion einer 49-Jährigen konnte ein Frontalzusammenstoß bei Lotzbach verhindert werden. Die Unfallverursacherin flüchtete
Vollbremsung verhindert Frontalaufprall
Er ist der Herr der Reservierungen - und verrät einen speziellen Wunsch, den viele Promis haben
Er ist auf dem Dachauer Volksfest der Herr über die Reservierungen: Seit 13 Jahren kümmert sich Manfred Schendzielorz um das Festbüro im großen Zelt. Ein Job, bei dem er …
Er ist der Herr der Reservierungen - und verrät einen speziellen Wunsch, den viele Promis haben
Hoftheater geht in Sommerpause
Das Hoftheater Bergkirchen hat sich nach Ende des 4. Musikalischen Theatersommers in die Sommerpause verabschiedet. Mehr als 2 500 Zuschauer haben die 17 Vorstellungen …
Hoftheater geht in Sommerpause

Kommentare