Wenn umfangreiche Umbaumaßnahmen auf Straßen in Dachau-Ost erfolgt sind

Freie Bahn für X-Bus und Radler

  • Stefanie Zipfer
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Mit dem Fahrplanwechsel im Jahr Dezember 2021 will der MVV eine Express-Buslinie anbieten, die Fürstenfeldbruck mit dem Dachauer Bahnhof sowie, als Endpunkt, dem Gewerbegebiet Dachau-Ost verbindet. Das Problem: Vor allem die Fraunhofer- und Kopernikusstraße entsprechen (noch) nicht den Anforderungen des MVV.

Das Problem: Vor allem die Fraunhofer- und Kopernikusstraße entsprechen (noch) nicht den Anforderungen des MVV.

Dachau – Schnelle Buslinien zwischen den S-Bahn-Strängen sollen den Fahrgästen nach dem Willen des MVV bald das Leben leichter machen. Konkret sieht der Plan vor, dass sieben sogenannter Express-Buslinien quasi einen Ring um München bilden, die S-Bahnzweige unterstützen, aber dabei nur an wenigen, ausgewählten Punkten halten. Eine dieser Linie, sie soll X700 heißen, fährt dann ab Dezember 2021 von Fürstenfeldbruck über den Dachauer Bahnhof bis ins Gewerbegebiet Dachau-Ost.

Bei einem Ortstermin aber traten jetzt laut Stadtverwaltung Probleme auf. Für die geplante Linienführung braucht es nämlich fünf neue Bushaltestellen. Auch die Dreiecksinsel an der Einmündung Fraunhofer- und Keplerstraße muss zurückgebaut werden. Doch nicht nur der MVV hat teure Wünsche: Der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Stadtrats selbst hatte im vergangenen Sommer ein Radverkehrskonzept beschlossen, dass ein durchgehendes Radwegeangebot im Bereich Kopernikus- und Fraunhoferstraße geschaffen werden soll. Die geschätzten Kosten für alle gewünschten Maßnahmen: zwischen 1,7 und 1,9 Millionen Euro.

Oberbürgermeister Florian Hartmann sagte zuletzt, nach Vorstellung des Sachverhalts im Umwelt- und Verkehrsausschuss in der vergangenen Woche, dass das „am Ende des Tages ein sehr hoher Betrag“ sei und er „glaube nicht so ganz, dass wir das stemmen können“.

Auch CSU-Sprecher Peter Strauch hielt die Kopernikusstraße für die „äußerste, hinterste Straße“, deren Umbau zwar „wünschenswert, aber in der heutigen Zeit einfach nicht leistbar“ ist. Aus „haushaltstechnischen Gründen“ mache es wenig Sinn, diese „relativ neue Straße“ für den Radverkehr einem „Komplettumbau“ zu unterziehen.

Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) erinnerte daran, dass in den 90er-Jahren nur die Devise gegolten habe: „Auto, Auto, Auto!“ Die Stadt sei nun „gezwungen, etwas für Radfahrer zu tun“. Und die fühlten sich im Gewerbegebiet Dachau-Ost eben „sehr unwohl“. Den Bussen eine schnelle Durchfahrt zu ermöglichen, sei ebenfalls angezeigt, denn: „Es soll ja eine Express-Buslinie bleiben und nicht im Dachauer Gewerbegebiet versanden.“

Am Ende folgte das Gremium mit knapper 8:7-Mehrheit der Argumentation Kochs. Für die Radfahrer der Stadt sind dies gute Nachrichten. Die Entscheidung beinhaltet nun nämlich folgende Maßnahmen: Die Kreuzung Alte Römerstraße mit der Sudentenland- und Fraunhoferstraße wird zugunsten der Schaffung von Fahrradstreifen umgebaut, wobei die Einmündungen in die Sudetenland- und Fraunhoferstraße ein durchgehendes Radverkehrsangebot, sprich Schutzstreifen für Radfahrer, erhalten sollen.

Die Schutzstreifen rechts und links der Fraunhoferstraße führen jedoch dazu, dass sich die Fahrbahnbreite massiv verringert wird; um den Verkehrsfluss auf der dann nur noch zirka fünf Meter breiten Straße zu gewährleisten, müssen die vier Mittelinseln mitsamt der sieben darauf stehenden Bäume entfernt werden. Die Polizei Dachau ist dennoch skeptisch: Die „beengte Lösung“ bedeute „grundsätzlich ein höheres Gefährdungsniveau für den Radverkehr“.

Auch in der Kopernikusstraße reicht die Fahrbahnbreite nicht, um beidseitige Schutzstreifen für Radfahrer zu errichten. Deshalb soll das Bauamt nun die westliche Parkbucht – mit 30 Parkplätzen und fünf Bäumen – entfernen. Auch der Hagebaumarkt wird sich auf Veränderungen einstellen müssen: Seine 80 Meter lange Anlieferungszone muss nun nämlich so umgestaltet werden, dass „ein echter Gehweg in fußgängerfreundlicher Bauweise mit Münchner Gehwegplatten“ entsteht. Zudem werden die für die X-Buslinie geforderten Bushaltestellen gebaut beziehungsweise die bestehenden barrierefrei umgestaltet.

Immerhin: Der Um- und Neubau der Bushaltestellen ist förderfähig, das heißt: Dafür bekommt die Stadt einen Zuschuss. Die Planungskosten für die Radwege in Höhe von geschätzten 100 000 Euro können dem laufenden Haushalt – beziehungsweise den darin enthaltenen Mitteln für den Radwegeausbau – entnommen werden. Über die tatsächlichen Baukosten dann werden die Stadträte sich im Zuge der Haushaltsberatungen für den Bauetat 2021 Gedanken machen müssen.

Rubriklistenbild: © Norbert Habschied

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