Zwei Frauen wegen Falschaussage vor dem Amtsgericht Dachau

Und es bewegte sich doch!

Mit einem Freispruch hat ein Prozess wegen Falschaussage gegen eine Rentnerin und ihre Enkelin geendet, der vergangene Woche am Amtsgericht Dachau verhandelt wurde.

Dachau – Die beiden Damen waren zuvor in einem zivilrechtlichen Verfahren als Klägerinnen aufgetreten, doch hatten sie sich bei ihren damaligen Zeugenaussagen in Ungereimtheiten verstrickt. Diese riefen die Staatsanwaltschaft auf den Plan – und es kam zur Hauptverhandlung vor Richter Daniel Dorner.

Ein bisschen hätte man schon verwundert sein können, wenn man die beiden Damen auf der Anklagebank sitzen sah. Zwischen ihnen lagen zwei Generationen beziehungsweise mehr als 60 Jahre Altersunterschied: Was die 83-jährige Rentnerin und ihre 20-jährige Enkelin aus Haimhausen jedoch vereinte, war die Anklage wegen Falschaussage.

Die Vorgeschichte zu diesem Fall begann im Jahr 2014: Die damals 79-jährige Rentnerin und ihre Enkelin waren mit dem Auto des Ehemanns der Älteren auf dem Nachhauseweg von Unterschleißheim in Richtung Haimhausen, als sie beim Linksabbiegen mit einem entgegenkommenden Pkw zusammenstießen.

Daraufhin kam es zu einem Zivilverfahren, in dem der mittlerweile verstorbene Ehemann der angeklagten Seniorin als Kläger auftrat. Das Verfahren wurde durch die Aussage der beiden Frauen begründet, dass ihr Fahrzeug auf der Abbiegespur gestanden sei und sich nicht bewegt hätte. In weiterer Folge sei der entgegenkommende Wagen – völlig überraschend – mit ihnen zusammengestoßen! Das Problem: Ein beauftragter Gutachter stellte fest, dass sich der Pkw der Rentnerin doch bewegte, und zwar mit 11 km/h nach links.

Durch die, laut Richter Dorner „eklatante Differenz“ zwischen Zeugenaussage und Gutachten kam es zur einer Anklage wegen Falschaussage. Doch die zwei Frauen blieben bei ihrer Version der Geschichte: Ihr Wagen hätte sich zum Zeitpunkt der Kollision nicht bewegt. „Ich bin mir sicher, dass wir gestanden sind. Wir hatten auch keine Möglichkeit abzubiegen, da auf der entgegenkommenden Fahrbahn der Berufsverkehr vorbeischoss. Warum hätten wir bei diesem Gegenverkehr nach links einschlagen sollen“, fragte beispielsweise die jüngere Angeklagte.

Doch Staatsanwaltschaft und Gericht waren nicht überzeugt: Zu schwer wog das Ergebnis des Gutachtens. In einem sogenannten Rechtsgespräch einigte man sich daher auf einen Freispruch – allerdings unter teuren Auflagen: Die Rentnerin muss 1500 Euro an das Franziskuswerk Schönbrunn überweisen, ihre Enkelin 600 Euro an den Hospizverein Dachau.

cl

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