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Blick auf die Zukunft Dachaus: Die Stadträte Peter Strauch, Horst Ullmann, Heidi Lewald, Gertrud Schmidt-Podolsky, Volker C. Koch und Günter Dietz mit Bauamtsleiter Moritz Reinhold (von links) über dem Modell des künftigen MD-Geländes. 

Ausschuss diskutiert über Bebauungsplanvorentwurf

Früheres Papierfabrikgelände: Das neue Stadtviertel nimmt Gestalt an

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Auf der Zielgeraden dieser Legislaturperiode hat das Bauamt den Stadträten einen ersten Bebauungsplanentwurf für das ehemalige MD-Papierfabrikgelände vorgelegt. Die Reaktion war parteiübergreifend positiv. Nur am Thema Parkplätze schieden sich die Geister.

In unzähligen Sitzungen hatten die Stadträte in den vergangenen sechs Jahren über die Neugestaltung des früheren MD-Papierfabrikgeländes beraten, hatten Weichen gestellt und Beschlüsse gefasst. Insofern, fand Bauamtsleiter Moritz Reinhold, „wäre es schade gewesen, wenn ein anderer Stadtrat das Großprojekt nun auch offiziell auf den Weg bringen darf“. Seine Mitarbeiter hätten daher „über Weihnachten richtig geackert“ und den eigentlich erst für den späteren Jahresverlauf angekündigten Vorentwurf eines Bebauungsplans für die ehemalige MD-Papierfabrik nun schon für die Januar-Sitzung des Bauausschusses fertig gemacht.

Die Reaktion darauf war durchweg positiv. Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) sprach von einem „epochalen Nachmittag“, Sören Schneider (SPD) von nichts weniger als einem „Tag der Superlative“. Zwar konnten sich die Ausschussmitglieder am Ende nicht zu einer Empfehlung für den Stadtrat durchringen, doch wurde deutlich: In weiten Bereichen herrscht Einigkeit über den vom Bauamt vorgelegten Plan. Damit kann – die Zustimmung des Stadtrats am 4. Februar vorausgesetzt – die sogenannte erste Öffentlichkeitsbeteiligung beginnen.

Wie Planer Christian Böhm den Stadträten erläuterte, teile sich das Großprojekt in vier Baufelder auf. So werde der Bereich zwischen Bahngleis, Ostenstraße und Amper als allgemeines Wohngebiet deklariert. Ein sogenanntes Sondergebiet Mühlenforum mit großflächigem Einzelhandel und Wohnungen soll es in dem von der Freisinger und Konrad-Adenauer-Straße umgrenzten Areal geben. Der freigelegte Mühlbach so wie ein von oben nach unten verlaufender Grünstreifen sollen für den Erholungswert des neuen Stadtteils sorgen.

Entlang der Bahngleise sowie im bislang als „Kerngebiet“ titulierten Bereich des Riesen-Projekts kommt nun außerdem ein planungsrechtlich neuer Kniff zum Tragen: Statt Kerngebiet wird ein sogenanntes Urbanes Gebiet geschaffen, in dem neben Wohnungen und sozialen sowie kulturellen Einrichtungen auch Gewerbe möglich ist. „Unser aller Ziel ist Gewerbe“, umschrieb es Oberbürgermeister Florian Hartmann. Und aus Lärm-technischer Sicht habe man nun, im Urbanen Gebiet, „die Chance, dass wir dort Betriebe hinbringen, die auch mal ein bisserl lauter sind“.

Die „Frage der Mobilität“, gab Planer Böhm zu, habe die Beteiligten „lange beschäftigt. Das ist ein weites Feld.“ Und genau dieses Feld war es dann auch, das am Ende doch zu Diskussionen führte. Was passiere mit dem Verkehr, wenn die geplante Bahnunterführung an der Freisinger Straße noch nicht fertig sei, aber bereits Wohnungen gebaut würden? „Die Ost-Seite versinkt im Verkehr“, mutmaßte Kai Kühnel (Bündnis). OB Hartmann beschwichtigte jedoch: Es werde stets nur so viel gebaut, „was leistbar sei“. Dies werde auch mit Hilfe eines Gutachtens festgeschrieben.

Bei der Parkplatz-Frage aber konnte Hartmann nicht beschwichtigen. Vor allem die CSU-Fraktion wollte nicht einsehen, warum in dem neuen Stadtviertel ein anderer Stellplatzschlüssel als im Rest Dachaus gelten sollte: Nach dem Vorentwurf des Bauamts müssten nämlich anstelle der 1,0 Stellplätze pro 95 Quadratmeter Wohnung auf dem neuen MD-Gelände nur 0,8 Stellplätze nachgewiesen werden – pro nicht-geförderter Wohnung wohlgemerkt! Für die im Rahmen der sozialgerechten Bodennutzung geförderten Wohnungen gilt ein noch niedrigerer Schlüssel. „Ja, wir brauchen eine Verkehrswende, aber das ist zu wenig“, merkte Peter Strauch (CSU) an. Seine Fraktionskollegin Schmidt-Podolsky nannte diese Planung „fernab der Realität“. Bauamtsleiter Reinhold erklärte den niedrigen Schlüssel jedoch damit, dass man so eine „gewisse Vorauswahl treffen“ könne: Wer ein Auto habe, wolle ja eventuell gar nicht in das neue Wohngebiet ziehen? Strauch bat in der Sache jedoch um Pragmatismus, schließlich „müssen wir davon ausgehen, dass die Leute Autos haben. Und die müssen wir auch irgendwo unterbringen“.

Nur Staub, kein Asbest

Zuletzt, als es tagelang sonnig und trocken war, staubte es heftig im Bereich der Großbaustelle MD-Gelände. Dieser „Dreck in der Luft“, so berichtete Stadtrat Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) zuletzt im Bauausschuss, mache „den Leuten Angst“. OB Florian Hartmann und Bauamtsleiter Moritz Reinhold aber gaben Entwarnung. Die Kehrmaschine, die bislang einmal wöchentlich gefahren sei, sei fortan „öfter“ im Einsatz. Außerdem sei der Staub, der in der Luft gelegen habe, nicht gefährlich. Die Gefahrstoffe, etwa Asbest, würden in aufwendigen Verfahren von den ehemaligen Fabrikgebäuden abgelöst und separat in Fässern abtransportiert. Kühnel war von der Harmlosigkeit der Rückstände in der Luft dennoch nicht überzeugt: Er glaube grundsätzlich „nicht, dass es gesunden Staub gibt“.

Kommentar: Die Neuen werden Auto fahren

Autos raus, Fahrräder rein: Mit diesem Konzept sollen die Bewohner des künftigen MD-Geländes beglückt werden. Die Frage ist nur: Wollen die Menschen diesen Grünen Traum wirklich leben? Die Realität beziehungsweise sämtliche Statistiken sagen eindeutig: nein. Die Menschen möchten mobil sein, möchten am Wochenende auch mal unkompliziert in die Berge fahren oder für den Wocheneinkauf im Supermarkt nicht auf ein Lasten-E-Bike angewiesen sein. Und zu glauben, dass sich für ein Leben im Auto-armen MD-Gelände nur Menschen entscheiden, die ohnehin kein Auto wollen beziehungsweise die sich statt eines eigenen Autos lieber das langfristig teure Car-Sharing leisten, ist naiv. In den neuen Wohngebieten der früheren Messestadt Riem hatte die Stadt München nämlich ein ähnliches Experiment gewagt, mit dem Ergebnis, dass das Parkplatz-Thema zu einem Dauer-Streitpunkt wurde, Anwohner wütend protestierten und in den Straßen ein Park-Chaos ausbrach. Der Anspruch der Stadt Dachau, in ihrem neuen Viertel mehr Zukunft wagen zu wollen, ist daher zwar legitim und lobenswert. Nur sollte die Gegenwart dabei nicht vergessen werden. Und die Gegenwart ist nun mal: Ganz ohne Auto geht’s (noch) nicht. zip

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