Spritzig helle Musik-Tröpfchen: Harfenistin Esther Sévérac und Sinfonietta-Dirigent Victor Bolarinwa. foto: habschied Ungarischer TanzNr. 5 als Zugabe

Frühjahrskonzert der Sinfonietta Dachau

Ein wunderbar festlicher Abend

Die Sinfonietta Dachau mit ihrem Dirigenten Victor Bolarinwa hat in ihrem Frühjahrskonzert das Publikum begeistert. Jubel brandete darüber hinaus für die Solistin des Abends auf, die Harfenistin Esther Sévérac.

Dachau Ein kräftiger Paukenschlag eröffnet das Konzert. Die sinfonische Ouvertüre „Zur Namensfeier“ von Ludwig van Beethoven beginnt festlich und majestätisch, versprüht Freude und Heiterkeit. Der Titel bezieht sich auf den Namenstag des österreichischen Kaisers Franz I., den 4. Oktober 1814. Beethoven versuchte, das Werk für diesen Tag fertig zu komponieren, schaffte es aber nicht. Er legte die Arbeit bis zum folgenden Frühling beiseite. Erst dann konnte sich der Kaiser freuen.

Dieses selten gespielte Werk eröffnet wunderbar einen festlichen Abend. Es zeigt auch gleich von Anfang an, welch besonderer Dirigent Victor Bolarinwa ist. Üblicherweise bekommen Orchester und sein Leiter den Applaus des Publikums. Bolarinwa aber beklatscht das Publikum mit Charme. Eine Liebe auf Gegenseitigkeit. Auch seine Musiker bekommen viel Beifall von ihm. Nimmt man Applaus als Lob, als Anerkennung, so ist er gewiss ein sehr lobender Dirigent. Er motiviert sein Orchester zu höchstem Einsatz. Und die Musiker danken es ihm mit Spielfreude und Engagement. Die Sinfonietta wird zum Genuss.

Natürlich bekommt auch die Solistin des Abends, Esther Sévérac aus der Schweiz, ihren extra Applaus vorweg. Sie hat in verschiedenen Symphonieorchestern gearbeitet und ist auch als Harfenlehrerin tätig. Im Konzert für Harfe und Orchester in e-moll von Carl Reinecke aus dem Jahr 1884 spielt sie sich in die Herzen des Publikums, gleich mit dem ersten Satz, einem Allegro moderato. Den dumpfen Schlägen der Pauke und den weinenden Geigen folgt die Harfenistin mit spritzig hellen Tröpfchen, die sie ihrem Instrument entlockt. Sie spielt kräftig und zart, leidenschaftlich und gefühlvoll.

Im Mittelteil muss sie sich durchsetzen beim temperamentvollen Orchester. Im Zusammenspiel mit der Flöte entsteht eine aufregende Spannung. Mit ihrer Solokadenz zum Ende des ersten Satzes zieht Esther Sévérac alle in ihren Bann. Es ist mucksmäuschenstill im Saal. Ihre Hände scheinen auf den Saiten zu fliegen. Im 2. Satz, dem Adagio, hält sie Zwiesprache mit dem Horn und den singenden Geigen. Wie Watte schweben die Töne in der Luft. Im dritten Satz lässt Reinecke beim tänzerischen Scherzo noch einmal ein Duett für Harfe und Flöte sanft ertönen. Beim Finale und Allegro vivace steigern hohe Pizzicato-Passagen und furiose Staccati die Dramatik bis zum befreienden, beglückenden Ende. Begeisterter Beifall, natürlich auch von Victor Bolarinwa. Die Zugabe der Solistin macht alle im Saal unweigerlich zu ihren Fans. Sie bezaubert und verzaubert mit leicht orientalischen Klängen, dem Stück „Fata Mogana“ von Uschi Laar.

Nach der Pause folgt Franz Schubert mit seiner Symphonie Nr. 4 in c-moll. Er hat sie die „Tragische“ genannt. Das vermittelt vor allem der erste Satz mit den Klängen tiefster Schwermut und Resignation. Wie im richtigen Leben wechseln sich betrübliche Elemente mit erleichternden Phasen ab. Schubert selbst hat die Namensgebung seiner Sinfonie im Sinne von „aufgewühlten Momenten“ erläutert. Das war herauszuhören im zweiten Satz, dem Andante, wenn es in Halbtönen mühsam aufwärts geht und dann endet in einer wohltuenden Harmonie. Auch in den anderen Sätzen wird die düstere Stimmung nicht auf Dauer gehalten. Sowohl der erste Satz wie das Finale, die beide in c-Moll beginnen, schwingen sich zum Schluss zur heiteren C-Dur auf. Viel Applaus und eine wieder begeisternde Zugabe: Der ungarische Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms. Aber dabei bleibt es dann auch. Da können Oberbürgermeister Florian Hartmann, die stellvertretende Landrätin Marianne Klaffki in der ersten Reihe und der übrige Saal noch so kräftig klatschen. Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören.

Elfriede Peil

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