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Drei musikalische Epochen deckten die Musiker der Sinfonietta bei ihrem Frühjahrskonzert ab. Dirigent Victor Bolarinwa suchte dabei Stücke aus, welche die Stärken des Orchesters besonders zur Geltung brachten. 

Sinfonietta Dachau

Zart und zugleich pompös

Von Haydn über Beethoven bis hin zu Richard Strauß: Das Programm beim Frühjahrskonzert der Sinfonietta Dachau deckte drei musikgeschichtliche Epochen ab, und das Ensemble überzeugte mit Klassikern der Orchesterliteratur.

Dachau – Das Dachauer Laienorchester Sinfonietta veranstaltet jedes Jahr zwei Konzerte und bringt meist jeweils eine Opernouvertüre, ein Solokonzert und eine Sinfonie zur Aufführung. Dieses Mal hatte die Sinfonietta den im Jahr 1993 geborenen Hornisten Sebastian Taddei als Solisten eingeladen. Taddei spielte das erste Hornkonzert op. 11 in Es-Dur von Richard Strauß, eines der wichtigsten und technisch anspruchsvollsten Werke für dieses Instrument.

Das Konzert war festlich und triumphal geschrieben, beinhaltete neben spannenden Trugschlüssen und pompösen Dreiklangsbrechungen auch zarte und einfühlsame Passagen. Der Solist führte absolut souverän, er ließ sein Horn mal schmetternd und siegessicher oder wild und frech erklingen, dann wieder zart oder charmant. Für den Applaus bedankte sich der junge Hornist mit einer höchst virtuosen, unbegleiteten Zugabe, der „Fantasie für Horn“ von Malcolm Arnold.

Umrahmt wurde das Solokonzert von einer Haydn-Sinfonie und der Ouvertüre zu Collins Trauerspiel „Coriolan“ op. 62 von Ludwig van Beethoven. Als der Komponist 1807 dieses Werk vollendete, war das Theaterstück von Heinrich von Collin allerdings längst abgesetzt worden. Daher benannte Beethoven die Musik in „Ouvertura composta da L. van Beethoven“ um und machte sie damit zur eigenständigen Konzertouvertüre. Dennoch beschreibt die Musik mit tragischen Farben und einem gegensätzlich dazu sehr lyrischen Seitenthema die Geschichte des zwiegespaltenen Römers Coriolanus, der zum Volksverräter wird und sich schließlich selbst umbringt.

Die Sinfonietta spielte die Ouvertüre mit feinen dynamischen Schattierungen und konzentriertem Engagement. Auch das letzte Werk auf dem Programm des Frühjahrskonzertes, die Sinfonie Nr. 101 in D-Dur mit dem Beinamen „Die Uhr“ von Franz Joseph Haydn, ist bekannt und wird häufig gespielt. 

In jedem Satz der Sinfonie vertonte der Komponist das Uhrticken auf unterschiedliche Weise: So schreitet der permanente Rhythmus etwa gemächlich in den Bässen dahin, marschiert durch die Fagottstimme, tickt aufgeregt in den Flöten und Geigen. Haydn geht spielerisch mit charmanten und spritzigen Läufen um und setzt vor allem die Pausen äußerst geschickt und spannend ein.

Die Musiker der Sinfonietta Dachau gaben sich größte Mühe, die vielen schnellen und fulminanten Läufe zu meistern, das Ergebnis war schwungvoll und überzeugend. Wieder einmal bewies das von Victor Bolarinwa gegründete und geleitete Orchester Fortschritte in seinem Spiel, eine geschickte Auswahl der Stücke, die seine Stärken gut zur Geltung brachte. Der Abend war kurzweilig und abwechslungsreich, das Publikum war entsprechend angetan und spendete großzügigen Beifall.

Von Susanna Morper

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