Fünf Männer aus dem Landkreis Dachau brauen ihr eigenes Bier 

Dachau hat ein neues Bier: „Amperrauschen“

Ein eigenes Bier – davon träumen sicherlich viele. Fünf Männer aus dem Landkreis haben ihren Traum wahr gemacht: Sie kreierten ein Helles namens „Amperrauschen“. Eigentlich nur für sich selbst – doch die Dachauer können gar nicht genug davon kriegen.

Dachau – Die Flasche öffnet sich mit einem lauten Zisch. Der schwarze Kronkorken ploppt von der kühlen Bierflasche. Ein herrlich angenehmer Hopfengeruch steigt auf. „Amperrauschen“ ist in schwarzer, geschwungener Schrift auf dem weißen Etikett zu lesen. Für die fünf Männer mit den Bierflaschen in der Hand ist dies nicht nur geschmacklich ein ganz besonderer Moment.

Denn die fünf Burschen aus dem Dachauer Landkreis haben ihre erste eigene Flasche Bier in der Hand. Es ist ein ganz besonderer Moment, auf den sie lange gewartet haben. Etliche Bierrezepte, Sude, Verköstigungen, Nachtschichten, hunderte Stunden Arbeit stecken in der schlanken 0,33-Liter-Bierflasche im schicken Design. Für Matthias Bachhuber, Thomas Böswirth, Andreas Eberl, Daniel Gall und Michael Schmid geht ein Traum in Erfüllung.

Vor über sechs Jahren hatten die Freunde eine Idee: Sie wollten ihr eigenes Bier brauen. Zu zehnt kauften sich die Spezln eine eigene Brauereianlage – für stolze 2500 Euro. „Klar war das viel Geld für eine Spielerei“, sagt Matthias Bachhuber. „Aber damals gab es das in Deutschland so einfach noch nicht. Wir haben die Maschine aus den USA bestellt.“ Der kleinen Anlage, etwa 50 Liter Bier fasst ein Sud, lagen Rezeptvorschläge bei. „Da haben wir uns sozusagen erstmal durchgekocht. Eigentlich kann man da gar nicht so viel falsch machen“, sagt Michael Schmid. „Im schlimmsten Fall schmeckt’s halt scheiße.“

Eins merkten die Burschen recht schnell: Die Mengenangaben müssen strikt eingehalten werden. „Grob abschätzen ist nicht drin. Es muss auf das Gramm genau stimmen.“ Und noch etwas lernten die Freunde beim Bierbrauen: Geduld haben. Denn wer einen neuen Sud ansetzt, muss vor allem eines: warten. „Es dauert schon mal mehrere Tage, bis man sein Gebräu probieren kann. Da steigt die Anspannung natürlich“, weiß Daniel Gall.

Bald kreierten die Jungs eigene Rezepte, sie verabredeten sich zu Bierproben, wo sie die selbst gekochten Sorten streng unter die Lupe nahmen. Von Mal zu Mal wurden sie besser. Neben richtig kreativen India-Pale-Ale-Bieren kristallisierte sich immer mehr ein Helles heraus, dass sich vor allem durch seine Leichtigkeit und Süffigkeit auszeichnete. „Das hat uns einfach allen geschmeckt.“

Einmal im Jahr, im Sommer, veranstalteten sie in Puchschlagen ein kleines Sommerfest, für Freunde, Bekannte und Familie. „Dort haben wir dann unsere neuesten Sorten vorgestellt. Wir waren überrascht, wie gut unsere Biere ankamen“, so Andreas Eberl. Das war wohl der Grund, warum die Fünf einen Schritt weitergegangen sind. Sie wollten ihr erstes Bier im großen Stil brauen. In einer echten Brauerei. Und: zum Verkauf anbieten. 5000 Liter sollten es „erst mal“ sein, aber auch das war schon jede Menge Bier: „Wir wussten ja nicht, ob wir darauf sitzen bleiben würden. Und ewig haltbar ist unser Bier auch nicht.“ Doch es kam ganz anders. Es lief so gut, dass sie sich vor Bestellungen gar nicht mehr retten können. „Wir mussten zittern, dass uns das Bier vor Weihnachten nicht ausgeht. Beinahe hätten wir selber keins mehr für Heiligabend gehabt.“

Immer mehr Getränkemärkte im ganzen Landkreis wollten das Amperrauschen verkaufen. „Anfangs mussten wir den meisten Getränkemarktbesitzern noch gut zureden, dass wir mal ein, zwei Kästen da lassen dürfen“, sagt Thomas Böswirth. Wenige Wochen später wurden sie bei den neuen Lieferungen regelrecht überfallen. „Ich hatte das Bier noch gar nicht vom Auto runter, da wollten mir es die Leute schon am Parkplatz abkaufen“, erzählt Daniel Gall. Auch Matthias Bachhuber erging es ähnlich. „Ein Mann hatte schon zwei Kästen Bier von einer anderen Marke auf dem Wagen, als ich mit der neuen Ladung Amperrauschen ankam“, doch im Nu hatte der Mann seinen Wagen wieder leer geräumt und mit dem Bier der Dachauer beladen. „Es ist Wahnsinn. Wir hätten mit viel gerechnet, aber das ist einfach alles unglaublich“, meint Michael Schmid. Für die Burschen ist ein Traum in Erfüllung gegangen. „Wir können es noch gar nicht glauben, dass wir unser eigenes Bier im Laden verkaufen“, so Matthias Bachhuber.

Wer weiß, vielleicht erfüllt sich ja schon bald ihr nächstes großes Ziel: eine eigene Brauerei, in Dachau. „Es ist so schade, dass Dachau keine eigene Brauerei mehr hat, obwohl wir früher für unser Qualitätsbier bekannt waren“, sagt Daniel Gall. „Es ist natürlich noch reines Wunschdenken. Aber wer weiß, wo uns das Bier noch so hinführen wird.“

Noch ist das Zukunftsmusik. Jetzt freuen sie sich erst einmal darüber, dass wieder Sud im Lagertank reift – es ist schon der Dritte.

Infos

zu dem Bier und alle Verkaufsstellen findet man im Internet unter http://www.amperbraeu.de/.

(reg)

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