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Rund 400 geladene Gäste waren von Sparkasse Dachau und Volksbank Raiffeisenbank Dachau ins Karlsfelder Bürgerhaus eingeladen worden – zu üppiger Brotzeit, Vorträgen und We rben um Verständnis für weitere Gebühren. 

Volksbank und Sparkasse klagen über harte Zeiten

Für Bankkunden drohen weitere Gebühren

Die beiden Konkurrenten Volksbank und Sparkasse zusammen auf einer Bühne, auf einer gemeinsam organisierten Veranstaltung. Da muss die Lage schlecht sein, möchte man meinen. Stimmt. Es drohen weitere Gebühren.

Karlsfeld400 Ehrengäste kamen zu der Informationsveranstaltung der beiden Dachauer Geldinstitute ins Karlsfelder Bürgerhaus. Und sie erfuhren, womit sie vielleicht schon im Vorfeld gerechnet hatten: „Es brennt nicht nur ein bisschen unter den Nägeln, sondern es brennt mittlerweile lichterloh“, bestätigte Stefan Löwl (CSU), Landrat und Verwaltungsratvorsitzender der Sparkasse Dachau. Dr. Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, schlug in dieselbe Kerbe: „Die Zeiten sind hart, unser Geschäftsmodell aufrecht zu erhalten.“

Den Regionalbanken machen die aktuelle Niedrigzinsphase und, so sagen zumindest die Vertreter der Geldhäuser, zu starre Regulatoren (Richtlinien der Bankenaufsicht) zu schaffen. Doch es kann aufgeatmet werden: Existenzbedrohend ist die Lage wohl noch nicht, alle Gäste kamen in den Genuss von üppigen Brotzeitplatten.

Alles, was in der hiesigen Politik Rang und Namen hat, sowie ausgewählte Kunden waren zu der gemeinsamen Infoveranstaltung geladen. Die Banken warben dabei bei den Kunden um Verständnis für Gebühren für Dienstleistungen. Und sie versuchten zu erklären, warum es bei den Banken derzeit – Stichwort Niedrigzinsphase – nicht ganz so rosig aussieht. Böse Zungen würden also behaupten, dass Sparkasse und Volksbank ihre Kunden mit Gratisbrotzeit, Pastrami, Lachs und trockenen Fachvorträgen (wie der des Finanzexperten Roland Elller über Prognosen in der globalen Finanzwelt) gefügig und willenlos zu machen versuchen.

Die Botschaft an die zahlreichen Kommunalpolitiker war weniger subtil. Hermann Krenn, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dachau, und Thomas Höbel, Vorstandssprecher der Volksbank Raiffeisenbank Dachau, richteten gleich zu Beginn ihr Wort direkt an Landrat, Bürgermeister, Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte: „Bitte setzten Sie sich für die Lockerung der Regulatoren ein.“

Ein Beispiel für Regulatoren, bei denen sich Sparkasse und Volksbank benachteiligt fühlen, ist, dass sie für die Vergabe von Krediten mehr Eigenkapital vorrätig halten müssen, um – sollten die Kredite platzen – einspringen zu können. Diese Neuregelung ist eine Folge der Finanzkrise. Dr. Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, kritisierte im Bürgerhaus: „Man kann aber Sparkassen und Volksbanken nicht gleich behandeln wie Groß- und Investmentbanken.“ Sparkassen und Volksbanken seien nicht für die Finanzkrise verantwortlich gewesen und hätten auch keine staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen müssen. Nikolaus Widmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank in Dachau, forderte Regulierungen, „die besser auf kleinere und mittelgroße Banken zugeschnitten sind“.

Bezüglich den unpopulären Gebühren für früher kostenlose Dienstleistungen ließ Netzer verlauten, dass Kunden auch schon früher für ihr Giro-Konto gezahlt haben – indirekt durch die Zinsen. Heute sei es sogar transparenter durch die Gebühren. Kunden der Regionalbanken müssen sich wohl außerdem auf weniger Filialen einstellen, diese „notwendige Veränderung“ betonten beide.

Es herrschte also große Harmonie. Apropos: Über das Aufregerthema, der von der Sparkasse forcierten Fusion zwischen den Häusern Dachau, Fürstenfeldbruck und Landsberg-Dießen, wurde aus „strategischen Gründen“ (Krenn) nicht gesprochen. Dr. Netzer ließ aber durchblicken: „Wenn bayernweit über Fusionen gesprochen wird, dann ist das vorausschauendes Denken der Banken.“

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