Dachau auf Platz 33 im deutschen Schuldner-Atlas

Für Geringverdiener wird es eng

Das gerade abgelaufene Jahr war für viele Dachauer coronabedingt auch finanziell ein hartes Jahr. Viele Geschäfte und Gaststätten durften zeitweise nicht mehr öffnen, zahlreiche Menschen befanden sich in Kurzarbeit oder wurden arbeitslos.

Für Geringverdiener wird es finanziell eng.

Dachau – Dennoch hat die Überschuldungsquote im Landkreis Dachau im Vergleich zum Vorjahr leicht abgenommen. Dies geht aus dem Schuldner-Atlas 2020 der Auskunftei Creditreform zurück. Die Überschuldungsquote, also der Anteil überschuldeter Personen im Verhältnis zu allen Erwachsenen im Landkreis, lag bei 6,06 Prozent; im Jahr 2019 waren es noch 6,16 Prozent.

Dies bedeutet, dass weiterhin etwas mehr als sechs von 100 Landkreisbewohnern über 18 Jahre nicht mehr in der Lage waren, die Summe ihrer fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum zu begleichen und ihnen zur Deckung ihres Lebensunterhalts weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die bundesweite Überschuldungsquote liegt laut Creditreform bei rund zehn Prozent.

Dachau belegt bundesweit Rang 33 der 401 kreisfreien Städte und Landkreise. Sprich: Nur in 32 Landkreisen war die Quote noch besser beziehungsweise niedriger. Spitzenreiter ist übrigens Eichstätt mit einer Überschuldungsquote von nur 4,0 Prozent. Der Landkreis München befindet sich auf Platz 36 mit 6,16 Prozent, Fürstenfeldbruck auf Platz 40 mit 6,27 Prozent.

„Der vermeintlich positive Befund ist allerdings kein Zeichen der Entspannung“, erläutert Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Auf den ersten Blick sei die aktuelle Überschuldungsentwicklung paradox, da die Corona-Pandemie und die von der Politik beschlossenen Schutzmaßnahmen die Wirtschaft in eine tiefe Rezession geschickt haben. „Ein Ende der gesundheitspolitischen und ökonomischen Krisenlage ist angesichts des ansteigenden Infektionsgeschehens nicht absehbar – die unmittelbaren und mittelbaren Folgewirkungen werden für Wirtschaft, Gesellschaft und Verbraucher gravierender sein als die der Weltfinanzkrise 2008 und 2009“, so Hantzsch weiter.

„Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise haben die Verbraucher in Deutschland weniger Geld zur Verfügung“, sagt Stephan Vila, Geschäftsführer von Creditreform Boniversum und microm. „Die staatlichen Hilfsmaßnahmen haben die schlimmsten sozialen Auswirkungen abgemildert. Und auch die erhöhte Sparneigung und Ausgabenvorsicht sowie eine größere Konsumzurückhaltung haben dafür gesorgt, dass ein flächendeckender Liquiditätsengpass bisher ausblieb“, erklärt Vila weiter.

Dennoch sei die Lage besorgniserregend. Die Analyse der Überschuldungsentwicklung nach Bundesländern zeigt 2020 zwar einen fast durchgehend positiven Trend. Kein Bundesland weist 2020 einen Anstieg der Überschuldungsfälle auf. Zudem zeigen 15 Bundesländer in diesem Jahr einen Rückgang der Überschuldungsquote. Für das gerade begonnene Jahr geht Creditreform jedoch von einer steigenden Überschuldung einkommensschwacher Haushalte aus: „Die langfristigen Perspektiven für die Überschuldungsentwicklung sind besorgniserregend, da die Corona-Pandemie auch eine weitere Polarisierung von Einkommen und Vermögen bewirkt“, erläutert Hantzsch. Denn: „Die oberen sozialen Schichten, also die Gutverdiener, können Einkommensausfälle kompensieren – sie sparen vermehrt und üben zugleich Ausgabenvorsicht sowie Konsumzurückhaltung.“ Die unteren sozialen Schichten aber hätten keine oder nur sehr geringe finanzielle Reserven und eine sogenannte negative Sparquote – das heißt, sie ver- und überschulden sich.

Die Folge: Bereits jetzt deuten sich in einzelnen Haushalten in Stadt und Landkreis Dachau finanzielle Überlastungen an, die zeitlich versetzt, zu einem Anstieg der Überschuldungsfälle führen werden. „Zudem erwarten wir einen Nachholbedarf bei den Verbraucherinsolvenzverfahren. Das wird zu einem zusätzlichen Anstieg der harten Überschuldungsfälle führen“, sagt Michael Goy-Yun, Geschäftsführer von Creditreform Boniversum.

Bernhard Hirsch

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska/dpa

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