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Wird leider oft beschimpft: Wolfgang Eichner bei der Waldarbeit.

Für Klima, Artenvielfalt und Sicherheit: Baumfällaktionen in Dachau

Wenn ein Baum gefällt wird, gefällt das nicht jedem. Und doch ist es oft unabdingbar. Das zeigen derzeit  die Arbeiten im kleinen „Effner-Wäldchen“ an der Amper.

Dachau – Statt „Guten Morgen“ schlägt Wolfgang Eichner fast täglich eine Beleidigung entgegen. „Baummörder“ und ähnliche Beschimpfungen unter der Gürtellinie sind bei seiner Arbeit an der Tagesordnung. Dabei sitzt der Mitarbeiter der Firma „Lohnunternehmen Mooseder“ aus Petershausen nicht an irgendeinem Beschwerdetelefon oder an einem Schalter mit Kundenkontakt. Er sitzt auf seiner Forstrückemaschine und beseitigt im Auftrag der Stadt Dachau die Bäume, die die Dachauer Forstwirte Marcus Baumann und Thomas Haufe zuvor gefällt haben.

Wolfgang Eichner holt gefällte Bäume aus dem kleinen „Effner-Wäldchen“, bei den Alt-Dachauern auch „Farifell“ genannt. Richtig heißt es allerdings Vogelmeier-Wäldchen, benannt nach dem ehemaligen Besitzer.

Kein ungefährlicher Job übrigens, wie Baumann erklärt. Denn gerade bei kranken oder beschädigten Bäumen müsse man gut aufpassen, so der erfahrene Forstwirt. Auch ihm und seinem Kollegen schallen ab und zu Beschimpfungen entgegen. Meistens aus der Ferne. „Wir würden es gerne erklären, aber die Leute gehen einfach weiter“, so Marcus Baumann.

Denn die Arbeit, die beide Forstwirte in Zusammenarbeit mit der Firma Mooseder aus Petershausen machen, ist für den Stadtwald von enormer Bedeutung.

Stefan Tischer, Landschaftsarchitekt und Fachgebietsleiter Stadtgrün und Umwelt, bekommt auch gelegentlich Beschwerden, per Post und E-Mail. Er versucht dann bestmöglichst, die Notwendigkeit der Maßnahmen zu erklären. Die derzeitigen Waldarbeiten sind zum einen den Sturmschäden durch „Sabine“ und „Beatrix“ geschuldet. Zum anderen müssen aktuell viele Eschen gefällt werden. Das sogenannte Eschentriebsterben, das vor Jahren schon begonnen hat, geht auf Pilzbefall zurück.

Der Pilz greift Stamm und Wurzeln an, der Baum wird instabil und damit zur Gefahr für die Menschen. Die Fällung bedeute also nichts anders als Schutz der Bürger vor Gefahren und sei keine willkürliche Abholzung von Bäumen, so Tischer.

Die Stadt Dachau bemüht sich intensiv, mit regelmäßigen Durchforstungsmaßnahmen den Stadtwald für Flora und Fauna und für die Bürger zu bewahren und zu verbessern. Dabei spielt die Förderung von sogenannten Zielbäumen, auch Zukunftsbäumen genannt, und das Auslichten des dichten Bestandes eine große Rolle. Dies erfolgt allgemein in einem Turnus von drei bis zehn Jahren nach einem professionell erstellten Forstwirtschaftsplan, wie Stefan Tischer erklärt.

Ein weiterer Punkt ist der ökologische Waldumbau. Im Landkreis eigentlich nicht heimische Arten wie Fichten und Birken, die vermehrt nach dem Zweiten Weltkrieg angepflanzt wurden und eigentlich im Gebirge beheimatet sind, werden Stück für Stück rausgenommen und somit der Mischwald gefördert. Die Stadt setzt dabei unter anderem auf Laubbäume wie Ahorn, Eiche oder Linde.

Gerade jetzt bei den Stürmen „Sabine“ und „Beatrix“ seien viele Fichten, Kiefern und Birken beschädigt worden, erklärt Tischer. Dazu kommen die vielen erkrankten Eschen, „viele stehen an Straßen und Wegen und stellen eine akute Gefährdung dar. Diese Bäume müssen nun alle gefällt und abtransportiert werden.“

Das gesamte städtische Waldgebiet umfasst 123 Hektar. Dazu gehört beispielsweise das Naherholungsgebiet an der Schinderkreppe, das Wäldchen gegenüber dem Josef-Effner-Gymnasium an der Amper, der Wald an der Kläranlage, das Waldstück an der Moosstraße, in Mitterndorf und einiges mehr.

Die Stadt muss zudem die Verkehrssicherungspflicht erfüllen. Also genau da für Sicherheit sorgen, wo die Dachauer gerne spazieren gehen, joggen oder ihre Hunde Gassi führen.

Die Bäume müssen auch deshalb möglichst zeitnah abtransportiert werden, weil sie sonst für den Borkenkäfer ein gefundenes Fressen darstellen, der auch gerne liegendes Nadelgehölz befällt (siehe auch Randspalte rechts), wie Wolfgang Eichner erklärt. Zusammen mit seinem Chef und Freund aus Kindestagen, Franz Mooseder, fährt er dahin, wo ihn die Stadt braucht. Das abtransportierte Holz wird als Sägeholz zum Hausbau, als Energieholz wie beispielsweise Hackschnitzel oder auch als Brennholz verwendet.

Das Zwei-Mann-Unternehmen aus Petershausen ist „von Wolnzach bis Odelzhausen“ unterwegs und schon seit Januar im Stadtgebiet Dachau im Einsatz.

Für den Fachgebietsleiter Stadtgrün und Umwelt, Stefan Tischer, haben alle Maßnahmen noch einen weiteren positiven Effekt, und zwar für die Tagfalter und Reptilien. Die leben nämlich gerne in lichten Waldstücken, wie er erklärt: „Die Lichtungen fördern die Artenvielfalt.“

Simone Wester

Auch die Waldbodenvegetation profitiert davon. Ziel bei allen Maßnahmen sei es immer, dass der Altbaumbestand erhalten bleibe. Seit mehr als 25 Jahren befindet sich der Stadtwald schon im Umbau und Stefan Tischer sowie die Forstwirte Marcus Baumann und Thomas Haufe handeln jeden Tag im Sinne der Natur und der Bürger und machen so das gesamte Stadtwaldgebiet zu einem lebens- und liebenswerten Teil Dachaus.

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