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Die 110kV-Hochspannungsleitung an der Theodor-Heuss-Straße verläuft noch überirdisch. Nach dem Willen des TSV Dachau 1865 sowie einer Mehrheit des Stadtrats soll sie jedoch unter die Erde verlegt werden.

Bauausschuss hat entschieden

Für neuen TSV-Sportpark: Hochspannungsleitung kommt unter die Erde

Nach monatelangen Diskussionen ist es entschieden: Die 110-kV-Leitung östlich der Theodor-Heuss-Straße kommt unter die Erde. Die Maßnahme wird teuer und verzögert den Bau des neuen TSV-Sportparks um Jahre.

Im Grunde ist die Sache mit der Erdverkabelung ein psychologisches Thema, erklärte Oliver Reuß vom Planungsbüros Spie Sag GmbH. Der Ingenieur hatte im Auftrag der Stadträte untersucht, wie man mit dem Starkstromkabel über dem geplanten neuen Sportpark umgehen solle. Geprüft wurden dabei drei Varianten: die Verlegung des Kabels unter die Erde, und zwar östlich der vorhandenen Wasserleitung; die Verlegung des Kabels unter die Erde und dort zwischen die Wasserleitung und die Theodor-Heuss-Straße; oder, drittens, die Beibehaltung beziehungsweise die Erhöhung der bestehenden Freileitung.

Einen gesundheitlichen Unterschied, so betonte der Experte gleich zu Beginn seines Vortrags, gibt es zwischen den Varianten nicht; in allen Fällen würden „die gesetzlichen Vorschriften eingehalten“. Allerdings habe das Erdkabel eben jenen optischen, psychologischen Vorteil: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“

Tatsächlich, und darin waren sich alle Stadträte im Bauausschuss am Dienstag einig, wird das Stadtbild nicht darunter leiden, wenn die massive Hochspannungsleitung unter die Erde kommt. Im Gegenteil: Für die Nutzer des künftigen neuen TSV-Dachau-Sportparks östlich der Theodor-Heuss-Straße wird der Blick in den Himmel frei sein, zudem ergibt sich durch die unterirdische Lage des Kabels oberirdisch eine größere bebaubare Fläche. Sportreferent Günter Dietz (CSU) brachte es auf den Punkt: „Wir regen uns über jedes Körnchen Granulat auf Kunstrasenplätzen auf. Und dann haben wir hier eine Freileitung, unter der sich unsere Kinder und Sportler aufhalten sollen. Da kann man nicht dafür sein!“

Doch die Argumente, die Gutachter Reuß gegen die Erdverkabelung vortrug, hinterließen ebenfalls Eindruck: Eine intakte Freileitung unter die Erde zu verlegen, koste vergleichsweise viel Geld. Zudem sei der Eingriff in die landwirtschaftliche Fläche durch den sogenannten Kabelendmast sowie die damit verbundenden Auflagen nicht zu unterschätzen. Reuß’ Fazit war daher klar: Er empfahl die Beibehaltung sowie die Erhöhung der vorhandenen Freileitung, dies sei eindeutig „die Variante mit den wenigsten Nachteilen“. Zumal die Freileitung ja ohnehin nicht über künftige Sportstätten laufen werde, sondern allenfalls über Parkplätze.

Doch mit 8:7 Stimmen setzen sich die Stadträte von CSU, FW, ÜB und Bürger für Dachau mit ihrem Wunsch, das Kabel unter die Erde zu vergraben, durch. SPD, Grüne und Bündnis für Dachau war die Erdverkabelung zu teuer, SPD-Stadtrat Sören Schneider sprach von einer „grundfalschen Entscheidung“.

Verlaufen soll das künftige Erdkabel nun zwischen der Wasserleitung und der Theodor-Heuss-Straße, und zwar ab Höhe der Feldstraße. Die Kosten hierfür bezifferte der Planer auf „mindestens“ 3 Millionen Euro. Oberbürgermeister Florian Hartmann, der sich zuvor für die Beibehaltung der Freileitung ausgesprochen hatte, warb in diesem Punkt für eine längere und noch 1 Million Euro teurere Variante: die Erdverkabelung zwischen der Wasserleitung und der Theodor-Heuss-Straße ab der Wallbergstraße. Begründung: „Wenn wir das schon machen, dann wenigstens gleich auf der maximalen Länge.“

Am Ende gab er sich, genau wie Bauamtsleiter Moritz Reinhold, jedoch geschlagen: Die Stadt wird den Beschluss nun der zuständigen Bayernwerk Netz GmbH übermitteln. Planung und Bau einer Erdverkabelung, so die Stadtverwaltung, sei jedoch „mit großem technischen Aufwand und nicht unerheblichen technischen Risiken verbunden“. CSU-Stadträtin Gertrud Schmidt-Podolsky aber war zufrieden, dass „wir das nun vernünftig hinkriegen“. Ihre Frage, ob auch andere Städte Ähnliches planen, wollte Experte Reuß dennoch nicht zu ihrem Gefallen beantworten. Denn: Planen würden es viele Städte, „aber meistens scheitert’s an den Kosten“.

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