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Funklöcher sollen gestopft werden: 22 bis 25 neue Masten im Landkreis Dachau werden dafür nötig sein

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Von: Stefanie Zipfer

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Funkloch Karte
Richtig gut lässt es sich nur in Dachau und Karlsfeld telefonieren © Grafik: MM

Wenn man mit Auto oder S-Bahn im Dachauer Hinterland unterwegs ist und einen Anruf bekommt, wird es zuweilen anstrengend. Immer wieder reißt die Verbindung ab. Knapp 30 Jahre nach dem Start soll es nun aber endlich flächendeckend guten Mobilfunk im Landkreis geben. 22 bis 25 neue Masten werden dafür nötig sein. Langfristig dürfte dies aber bei Weitem nicht reichen.

Sogar in Lesotho gibt‘s 5G

Dachau – Man kennt es aus dem Urlaub: Egal ob man in Mallorca, Meran oder Miami ist, das Handy funktioniert prima. Kaum ist man aber wieder zuhause, möchte vom Auto aus die Familie über seine Rückkunft informieren, dann stören Funklöcher den Erzählfluss. Es ist tatsächlich kaum zu glauben, aber immerhin 30 Jahre sind seit dem Start des Mobilfunks in Deutschland vergangen, und noch immer gibt es Lücken in der Grundversorgung. Während Länder wie das afrikanische Lesotho sich schon heute für den Ausbau der neuesten Generation des Mobilfunks rüsten, des 5G-Standards, arbeitet man hierzulande noch an der flächendeckenden 2G-Versorgung.

Lückenschluss wird massiv gefördert

Immerhin: Dieser Lückenschluss wird jetzt tatsächlich massiv von der Staatsregierung gefördert. Für den Landkreis Dachau gab das Landratsamt zuletzt eine Studie bei dem Regensburger Büro IK-T in Auftrag, das – wie berichtet – den Handyempfang per Live-Messung ermittelte. Die Mobilfunkdaten der Staatsregierung, so erklärte dazu Diplom-Ingenieur Harald Schönpflug von IK-T bei seiner Ergebnispräsentation im Landratsamt, würden dagegen lediglich auf Hochrechnungen beruhen.

Neben den Lücken in der Grundversorgung untersuchten die Experten aus Regensburg aber auch die Netzabdeckung mit dem moderneren 4G/LTE-Standard und ermittelten, wie und wo sich das – in einigen Jahren für alle Lebensbereiche unverzichtbare – 5G-Netz im Landkreis Dachau planen ließe. Auch die Leistungen der einzelnen Netzbetreiber wurden dabei verglichen. Zusammengefasst: Speziell im Dachauer Hinterland gibt es Funklöcher. Netz hat man, wenn überhaupt, mancherorts nur mit einem Telekom- oder Vodafone-Handyvertrag.

Der Landkreis stellte die Studie den Gemeinden zur Verfügung. Eine sehr gute Grundversorgung mit Mobilfunk haben demnach nur Karlsfeld und Dachau. Handlungsbedarf gibt es dagegen in Altomünster, Pfaffenhofen, Indersdorf, Erdweg, Bergkirchen, Schwabhausen, Haimhausen, Röhrmoos, Petershausen und Weichs.

Telekom baut in Pfaffenhofen einen Mast

Helmut Zech als Bürgermeister von Pfaffenhofen berichtete bei der Präsentation der Studie, wie seine Gemeinde nun mit dem Ergebnis umgeht. Vier unterversorgte Bereiche hatten die Berechnungen von IK-T ergeben. Die Gemeinde gab darauf hin beim bayerischen Mobilfunkzentrum in Regensburg ein sogenanntes Markterkundungsverfahren in Auftrag. Diese Verfahren können grundsätzlich auf drei verschiedene Wege enden: Die Mobilfunkbetreiber entscheiden sich zu einem Eigenausbau des Standorts; die Gemeinden nehmen das Thema selbst in die Hand und stellen einen vom Freistaat geförderten Mast auf; oder – das ist die schlechteste aller Möglichkeiten – weder Netzbetreiber noch Kommune wollen an der betreffenden Stelle für ein Mobilfunkangebot sorgen. Im Fall von Pfaffenhofen hat sich die Telekom entschlossen, die Funklöcher selbst zu stopfen. Bei der Standortfrage muss sich das Unternehmen an geltendes Baurecht sowie die Vorgaben der Gemeinde halten.

Bürgermeister Zech betont, dass seine Gemeinde – hätte keiner der Anbieter reagiert – zur Not auch selbst einen geförderten Mast aufgestellt hätte. Diese Lösung, so Zech, „hat den Charme, dass man den Standort besser abwägen kann. Man kann viel besser auf die Wünsche der Bürger eingehen.“ Schließlich, so Zech, müsse man „die Ängste der Bürger berücksichtigen“.

Um alle Funklöcher im Mindeststandard 2G zu stopfen, wären Schönpflug zufolge insgesamt landkreisweit 22 bis 25 neue Mobilfunkmasten nötig. Maximal 500 000 Euro können die Gemeinden in dem aktuellen Förderprogramm des Freistaats pro gefördertem Mast beantragen. Die Frist, das gab auch Schönpflug zu, ist allerdings sportlich: Bis 30. Juni müssen die Rathäuser ihre Anträge nach München geschickt haben.

Allerdings sind die 2G-Funklöcher nur der Anfang, wie Landrat Stefan Löwl betonte. Klar, Funklöcher seien „ärgerlich“, gab Löwl zu. Aber in Zukunft, wenn die 5G-Technologie den aktuellen 4G/LTE-Standard ablösen wird, „brauchen wir noch deutlich mehr Standorte“.

Grund: Mit 5G lassen sich riesige Datenmengen transportieren, die Kapazität des Netzes ist enorm – die Reichweite der Masten aber ist geringer. Theoretisch, so Schönpfeil, „brauchen wir dann alle 600 Meter einen Mast.“

Um dies, speziell auf dem Land, realisierbar zu machen, „muss bei den Leuten ein Umdenken stattfinden“, betont Bürgermeister Zech. Wer ein gutes Netz wolle, müsse auch einen Masten akzeptieren. Im Grunde, so Zech, „ist das wie bei den Windrädern“.

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Mobilfunk ja, Funkmast nein

Harald Schönpflug erlebte das Phänomen bereits häufiger: Ein Dorf hat vogelwilden Handyempfang, mobiles Internet ist praktisch nicht vorhanden – und dennoch gibt es Widerstand gegen einen neuen Handymast.

Warum? Landrat Stefan Löwl und Kommunikations-Ingenieur Harald Schönpflug glauben, dass dieser Unwillen weniger an wissenschaftlichen Erkenntnissen liegen kann. So sei es erwiesenermaßen wesentlich gefährlicher für Leib und Leben, wenn es in einem Ort kein Handynetz gebe.

Zudem, so betont Schönpflug, seien Handy und Mast ja eine Zwei-Wege-Verbindung: Es sende ja nicht nur der Mast, sondern auch das Endgerät. Und je weiter der Mast entfernt sei, desto mehr sende das Handy. Im Prinzip, so Schönpflug, „ist es daher gesünder, wenn das Handy näher am Funkmast ist“. Löwl betont, vermeintliche, Funkmast-bedingte Beschwerden „nicht kleinreden zu wollen“. Aber vieles sei eben „eher gefühlt. Wir hatten sogar schon mal den Fall, dass sich einer beschwert hat, wegen dem Mast nicht mehr schlafen zu können. Der war da aber noch gar nicht ans Stromnetz angeschlossen.“ zip

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