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Nicht nur Bälle fangen müssen Fußballtorhüter in diesen Zeiten, sondern auch regelmäßig ihre Handschuhe desinfizieren. Benedikt Schestak aus Karlsfeld macht’s vor. 

Kicker dürfen offiziell wieder trainieren

Fußballvereine im Landkreis Dachau vom Verband überrumpelt - Strenge Richtlinien kaum umzusetzen

Seit Montag dürften die Amateurfußballer wieder trainieren. Der Bayerische Fußballverband (BfV) hat’s erlaubt und dazu einen Leitfaden veröffentlicht. „Es geht wieder los!“, titelt der BfV hoffnungsvoll. Doch momentan ist nichts los bei den Kickern im Raum Dachau. Denn die Klubs haben alle Hände voll zu tun, die unglaublich detaillierten Empfehlungen des BfV umzusetzen.

Der BfV erlaubt seit Montag den Amateurfußballern wieder das Training. Das hatte der Verband nach einer Videokonferenz mit den Vertretern der Sportfachverbände am späten Freitagabend mitgeteilt. Die Umstände der Genehmigung fixierte der BfV in einem Leitfaden. Die Empfehlungen darin, die es möglichst einzuhalten gilt, und die zudem „fortlaufend aktualisiert“ werden, umfassen sechs Seiten – plus einem ellenlangen Vorspann mit weiteren Vorgaben des BfV-Präsidenten Rainer Koch.

Von den organisatorischen Grundlagen bis hin zu Vorschlägen für individuelle Übungen ist haarklein beschrieben, wie sich Kicker und Übungsleiter zu verhalten haben (siehe dazu Kasten). Dazu kommt, dass der Trainingsbetrieb in der jeweiligen Kommune behördlich gestattet werden muss. Die Gesamtheit aller Regeln hat die Vereine überrumpelt und stellt sie vor große Probleme.

Im Leitfaden des BfV stünden „wunderschöne Richtlinien“, doch man müsse diese erst einmal umsetzen können, sagt Michael Dietrich, Abteilungsleiter beim ASV Dachau. Der Verband habe konkrete Vorstellungen, wie das Ganze ablaufen soll: keine Zweikämpfe, nur Kraft- und Koordinationsübungen, Ball nicht mit der Hand berühren, keine Kopfbälle und so weiter und so fort. „Das klappt in der Praxis nicht“, so Dietrich. Deshalb gehe beim Aushängeschild des ASV, der Landesligamannschaft, in Sachen Übungseinheiten erst mal gar nichts, so Dietrich. „Wir sind dabei, Pläne zu erarbeiten, wie es weiter geht.“

Probleme sehen die Verantwortlichen auch für den Jugendbereich. Laut Gesamtvereinsvorsitzendem Andreas Wilhelm sei es schwierig, alles einzuhalten. „Man braucht sich nur vorzustellen, der Ball fliegt, und ein Haufen Kinder rennt hinterher“, so Wilhelm. Daher ruhen bei den Dachauern bis zur Ausarbeitung eines genauen Konzepts auch im Jugendbereich bis auf Weiteres Bälle und Akteure.

Ein genaues Datum für den Trainingsstart nennt der Fußballabteilungsleiter der SpVgg Röhrmoos, Christian Waegele: den 18. Mai. In Röhrmoos ist man vorsichtig, schließlich „haben wir keine Lust auf eine erneute Schließung“.

Beim SV Ampermoching hingegen sollen die Teams so schnell wie möglich wieder aufs grüne Rechteck. Auch hier stellen sich die Verantwortlichen die Gretchenfrage: wie? Abteilungsleiter Klaus Kirschner sieht zwei Probleme. „Für die Kinder und Jugendlichen wird das Einhalten der Vorschriften schwierig“, so der Fußballboss. Kirschner ist aber Optimist: „Wir sehen es durchaus als Herausforderung, hier alle Maßnahmen einzuhalten.“ Das zweite Problem des SVA: die Freigabe der Plätze seitens der Gemeinde Hebertshausen. Und da bremst Bürgermeister Richard Reischl einstweilen den Elan der Ortsteilkicker.

Eine sofortige Öffnung der Rasenflächen findet Reischl „überhastet“. Erst am Sonntag sei die Nachricht des BfV durchgedrungen. „Seitdem“, so Hebertshausens Bürgermeister, „haben wir uns in unserer Bürgermeister-
WhatsApp-Gruppe die Finger heiß geschrieben.“ Das Ziel der Gemeindechefs sei es, für den Landkreis Dachau eine einheitliche Regelung für die Öffnung zu finden. Ausgang offen. Reischl selbst findet den 18. Mai passend. Ab diesem Tag gibt es für die gesamte Bevölkerung weitere Erleichterungen – etwa die Öffnung der Biergärten.

Kann sein, dass man unter schattenspenden Kastanien auch den einen oder anderen Spieler des FC Pipinsried findet; bei Spezi und Apfelschorle, versteht sich. Der Spitzenreiter der Bayernliga hat satte 21 Punkte Vorsprung auf den Zweiten TSV Wasserburg und will seine Meisterschaft eintüten. Nur: „Bei uns liegt derzeit alles brach. Nachdem der Spielbetrieb bis mindestens 31. August gestoppt ist, ist die Motivation nicht gut“, meint der Sportliche Leiter Tarik Sarisakal. Vielleicht tröstet – neben einem Biergartenbesuch – auch das Motto des BfV-Leitfadens die FCP-Kicker. Es lautet: „Ihr seid ,mit Abstand’ am besten.“

Auszug aus dem Leitfaden des Bayerischen Fußballverbands

Sechs Seiten umfasst der Leitfaden des Bayerischen Fußballverbands. Hier ein Auszug aus den Empfehlungen. Das komplette Schreiben zum Nachlesen gibt es auf der Homepage des BfV. 

  • Gebäude dürfen nur betreten werden, um das zwingend erforderliche Sportgerät zu entnehmen oder zurückzustellen. 
  • Besteht bei einer speziellen Übung ein ungutes Gefühl und/oder Unsicherheit über mögliche Risiken, sollte darauf verzichtet werden. 
  • Zwischen zwei Trainingseinheiten verschiedener Gruppen wird eine Puffer-Zeit von zehn Minuten eingeplant. 
  • Bei Organisation einer Aktivität im öffentlichen Raum (nicht auf der Sportanlage) muss dies mit der zuständigen Kommune gesondert besprochen und geprüft werden. 
  • Benennung eines Ansprechpartners („Corona-Beauftragter“) im Verein. 
  • Die getroffenen Regeln und Hygienevorschriften werden gut ersichtlich am Eingang ausgehängt und sollten am besten allen vorab zur Verfügung gestellt werden, zum Beispiel in einem Rundbrief per E-Mail, o.ä. 
  • Anwesenheitslisten führen, um etwaige Infektionsketten besser nachverfolgen zu können. . Check-Listen aller Teilnehmer (Trainer, Betreuer, Spieler) zur Abfrage von Symptomen führen. 
  • Die Teilnehmer reisen möglichst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder in privaten Pkw einzeln in Sportkleidung an. Fahrgemeinschaften sind zu vermeiden. 
  • Ankunft am Sportgelände frühestens zehn Minuten vor Trainingsbeginn. . Der Zugang zum Trainingsgelände ist – wenn möglich – so zu gestalten, dass kein Stau, bzw. keine Menschenansammlungen entstehen. Wo dies möglich ist, sollte ein eigener Eingang und ein separater Ausgang eingerichtet werden.
  • Bei einer Abreise mit dem Pkw erfolgt nach dem Training der Wechsel von durchnässten oder verschwitzten Kleidungsstücken im Fahrzeug. . Vermeiden von Spucken und von Naseputzen auf dem Feld. 
  • Torwarthandschuhe sind während des Trainings wiederholt zu desinfizieren. 
  • Die Spieler bewegen die Bälle auf dem Platz ausschließlich mit dem Fuß. Ein- oder Zuwürfe sind nicht Gegenstand der Trainingsformen. 
  • Kopfbälle werden im Training nicht durchgeführt (hier ist die Infektionsgefahr besonders hoch!)

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