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Hans und Susi Böck aus Dachau mit 140 PS unter der Haube, dem Gaspedal mittig und der Bremse rechts.

69. Frühjahrsausfahrt der „Freunde alter Fahrzeuge“

Von Bentleys und Goggomobilen

Das Wetter hielt endlich mal, der Abschleppwagen musste kein einziges Mal bemüht werden: Die Frühjahrsausfahrt der Freunde alter Fahrzeuge hatte Magnetwirkung. 82 Autos und 20 Motorräder waren dabei.

Dachau – In den vergangenen vier Jahren gab es immer nur Regen, doch diesmal verlief alles optimal: Die 69. Frühjahrsausfahrt der „Freunde alter Fahrzeuge“ hat bei herrlichem Wetter 82 historische Automobile, 16 Motorräder und vier Motorrad-Gespanne vom Kaufland-Parkplatz in Dachau aus durch den Landkreis kurven lassen.

Weil diesmal der Himmel seine Schleusen geschlossen hielt, waren auch beim Treff in Dachau schon sehr viele Zuschauer, um die Oldies zu bewundern. Die Rundreise durch den nordwestlichen Landkreis, die der neue Streckenwart der Oldiefreunde, Erich Zachmann, organisiert hatte, führte hinein ins Altomünsterer Land und endete mit dem Mittagessen in der Alm des Gasthofes Groß in Bergkirchen.

Bei den Fahrzeugen gab es eine Reihe von Raritäten zu bewundern. So kam der Vierkirchner Bäcker und Konditor Wolfgang Meister mit einem DKW junior F 11 angefahren, der mit seinen 30 PS schon 1965 vom Band ging. Das übers Internet in Österreich erworbene Fahrzeug hat Meister restlos überholt. „Da braucht man kein Mechaniker sein“, so Meister, der viel Freizeit in sein Lieblingsfahrzeug gesteckt hat.

Bis aus Gummersbach ist Volker Dellenbusch angefahren gekommen, der einen MGA 1600, Baujahr 1961 steuert, der immerhin 80 Pferdestärken einsetzen kann. Dellenbusch, der den Dachauer Oldtimerfreunden angehört, hat sein Traumauto in Dresden gefunden. Er hat aber auch noch einen Austin Healey, Baujahr 1959 (Froschauge) zu Hause in seiner Garage stehen, so dass er bei Oldtimer-Ausfahrten die Qual der Wahl hat.

Weil der Kreis der Oldie-Fahrer doch größtenteils aus älteren Herrschaften besteht, war beim früheren Vereinsvorstand Karl Goeb die Freude groß, als der 17-jährige Dachauer Florian Dietzel kurz vor dem Ausfahrt-Start seine Mitgliedschaft bei den Oldie-Freunden erklärt hat. Der junge Mann ging im Moskwitsch von Vater Gerd auf die Reise. Er lebte früher im Vogtland und ist seit 1989 Dachauer. Sein in Moskau hergestelltes Auto liebt er, weil es eine Verbindung zu seiner Jugend herstellt. Lange suchte er nach diesem Modell, bis er schließlich in Littauen fündig wurde. 1975 war genau dieses Auto auf der IAA zu sehen, erst vor kurzem hat ihm Dietzel senior ein neues Getriebe verpasst.   

Ein kleines, aber süßes Fahrzeug ist das seegrüne Goggomobil Coupe 250 des Rentners Martin Kaelber aus Kirchheim, der mit Frau Angelika und Hündin Cindy an der Ausfahrt teilnahm. 13,6 PS reichten dem betagten, aber wie neu glänzenden Fahrzeug für die Teilnahme an der Frühjahrsausfahrt.

Eines der ältesten und zugleich schwersten Fahrzeuge, einen Bentley, Baujahr 1929 mit 140 PS unter der Haube, fuhr Hans Böck aus Dachau, mit Ehefrau Susi auf dem Beifahrersitz. Bei diesem sehenswerten, rechtsgesteuerten Fahrzeug befindet sich das Gaspedal mittig und die Bremse rechts. Becks Gefährt lief früher unter der Rubrik Rennwagen.

Auch alte, auf Hochglanz gebrachte BMW-, Mercedes-, Opel- und Ford-Modelle durften nicht fehlen. Weil das Wetter mitmachte, waren auch die Motorradfahrer gut vertreten. Richard Kraut aus Welshofen hat seine NSU 600 OSL, Baujahr 1938 in mühevoller Arbeit komplett restauriert. Als er dieses Motorrad im Allgäu erwarb, war es seiner Aussage nach ein einziger Schrotthaufen.

Der älteste Motorradler war der 81-jährige Adolf Luthner aus Großinzemoos, der eine Russen-Maschine mit China-Motor steuerte. Sein Beiwagen blieb leer: „Denn ich chauffiere nur junge Madl“, scherzte Luthner. 

Baujahr 1930 ist die 600er Tornax Bauwagen-Maschine mit englischem Motor. Dieses 19 PS-Zweirad steuerte Horst Ehm aus Schwabhausen, während Volker C. Koch aus Dachau lieber auf seiner knallroten Triumph S 500, Baujahr 1938 mit Beiwagen, Gas gab.

Der mittlerweile 86 Jahre alte, langjährige Streckenwart Paul Einertshofer aus Großinzemoos hat vom Motorrad Abschied genommen. Er führte die Karawane durch den Landkreis in einem über 50 Jahre alten Volvo Amazon an. Franz Samhuber, der den Abschleppwagen steuerte, blieb arbeitslos, denn kein einziger Oldtimer hat seinen Geist aufgegeben.

Die meisten der über 150 Oldie-Freunde haben am Nachmittag noch ihr Vereinslokal, den Gasthof Kiermeir in Arzbach heimgesucht.

ost

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