Einsamer Betrachter: OB Florian Hartmann musste coronabedingt die Ausstellung ohne Publikum eröffnen. 
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Einsamer Betrachter: OB Florian Hartmann musste coronabedingt die Ausstellung ohne Publikum eröffnen. 

Ausstellung

„Tier-Bilder“: Werke zum Hineingreifen

Schafe und Kühe, Hunde und Katzen, aber auch Löwen und Tiger: Die Ausstellung „Tier-Bilder“ in  der Gemäldegalerie Dachau ist eröffnet - eine Sonderschau mit Märchenwesen und Flauschfaktor.

VON MIRIAM KOHR

Dachau – „Wo sieht man schon so viele Tiere auf einmal, außer in einem Zoo?“, fragte Oberbürgermeister Florian Hartmann bei der etwas anderen Ausstellungseröffnung in der Gemäldegalerie. Coronabedingt ging die Eröffnung ohne Publikum über die Bühne. Stattdessen sprach Hartmann in eine Kamera. Das Eröffnungsvideo ist auf der Seite der Galerien und Museen zu sehen.

In der Sonderschau „Tier-Bilder“ zeigt die Gemäldegalerie, wie Künstler vor allem im 19. Jahrhundert Tiere auf Leinwand bannten. Kuratorin Elisabeth Boser trug aus der eigenen Sammlung sowie fremden Exponaten eine Tierschau der besonderen Art zusammen. Ähnlich wie in einem Zoo schlängelt sich der Galeriebesucher vorbei an Nutztieren wie Pferden, Schafen, Ziegen und Kühen sowie Haustieren wie Katzen und Hunden – aber auch an exotischen Tieren wie Löwen und Tiger.

Mit dem Beginn der Freilichtmalerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten Künstler das Ziel, Landschaften und deren Bewohner möglichst naturgetreu in ihrem realen Umfeld zu zeigen. „An den Kunstakademien und an privaten Malschulen wie der von Hans von Hayeks in Dachau konnte Tiermalerei studiert werden“, erzählt Boser. So sehen Besucher Hühner im Stall nach Körnern picken, Kühe auf der Weide grasen, Enten im Wasser schwimmen oder Schafe in der Wiese stehen. Vor allem weil die Gemälde nicht nach Künstler oder Zeitpunkt, sondern nach Motiv gehängt wurden, erkennt der Galeriebesucher die verschiedenen Malarten beziehungsweise Darstellungsweisen sehr gut.

Bei Heinrich von Zügels Darstellung zweier Schafe um 1875 „möchte man am liebsten hineingreifen, weil es so flauschig aussieht“, sagt Boser. Beim Schaf von Arnold Moeller von 1912 scheint die Gesamtstimmung wichtiger zu sein, als der Flauschfaktor, so wie die Sonne auf das Schafsfell fällt.

Neben den damals sehr wichtigen Nutztieren malten die Künstler auch Haustiere wie Katzen, Hunde oder Papageien. Die Motive der Werke gehen jedoch über die heimische Tierwelt hinaus. So gibt es auch exotische Motive zu entdecken. „Viele Künstler begaben sich auf lange Reisen, besuchten Marokko, Ägypten, Indien, Afrika oder Amerika“, erzählt Boser. So gibt es Esel in der Wüste oder Affen-Motive zu sehen. „Mit dem Aufkommen der ersten Tierparks gingen Künstler auch dorthin und malten vor allem Löwen und Tiger“, erzählt Boser vor einem imposanten Gemälde von Otto Dill, das einen Tiger in einem Gehege zeigt.

Dills Bild hätte es beinahe nicht rechtzeitig hergeschafft. OB Hartmann hatte in seinem Video noch gesagt: „Der Tiger ist coronabedingt noch zwischen Speditionskisten irgendwo auf Autobahnen unterwegs.“ Doch mittlerweile hat er den Weg nach Dachau gefunden.

Als Extra stellt Boser in einer Vitrine Künstlerbücher des Verlages Scholz von 1910 bis etwa 1930 aus, in denen Künstler Bilder zu Märchen gestalteten. Denn auch hier waren Tiere allgegenwärtig: Tauben, Wölfe, Eulen, die Gans, das Schwein.

Insgesamt findet der Galeriebesucher in der Sonderausstellung über 80 Exponate zum Thema Tier. „Ich habe mich auf Künstler beschränkt, die in Dachau gewirkt haben oder zumindest hier bekannt waren“, erläutert die Kuratorin. Einige Fotografien, beispielsweise von Malschülerinnen beim Arbeiten vor ihrer Staffelei, wie sie alle denselben Ochsen abmalen, ermöglichen einen netten Blick hinter die Kulissen der damaligen Freilichtmalerei.

Die Ausstellung

„Tier-Bilder“ in der Gemäldegalerie Dachau ist bis 13. September zu sehen. Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag sowie an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der noch bis 31. Mai versandkostenfrei bestellt werden kann.

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