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Verwittert und verrostet: Die eiserne Tür der KZ-Gedenkstätte Dachau wartet in Bergen auf seine Abholung.

Derzeit keine Übergabe

Wegen Urlaub: Dachauer KZ-Tür bleibt vorerst in Norwegen

  • Kathrin Brack
    vonKathrin Brack
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Dachau - Eigentlich sollte die gestohlene KZ-Tür bereits in die Gedenkstätte nach Dachau zurückgebracht worden sein. Doch das Relikt steht noch in einer norwegischen Garage - ein Urlaub verhinderte die Übergabe.

Die Vereinbarung wurde getroffen, alles ist bereit. Doch die Tür aus der KZ-Gedenkstätte Dachau, sie steht nach wie vor in Norwegen, in einer Polizei-Garage in Bergen. Dort wartet das Relikt aus der Greuelzeit der Nazis darauf, abgeholt und zwei Jahre nach seinem nach wie vor ungeklärten Verschwinden an seinen angestammten Platz zurückgebracht zu werden.

Dachauer KZ-Tür kann wegen Urlaubs nicht abgeholt werden

Auch Karl Freller ist bereit. Der Leiter der Gedenkstättenstiftung in München wartet seit Wochen darauf, die gestohlene Tür abzuholen. Eigentlich sollte die Übergabe Anfang Januar vollzogen werden, für Freller und Jean Michel Thomas, Präsident des Internationalen Dachau-Komitees, wurden Flüge gebucht, die hat die Stiftung inzwischen storniert. Der Grund ist kein Zerwürfnis zwischen den deutschen und den norwegischen Behörden, kein Problem mit der Justiz oder Polizei, sondern einigermaßen profan: Urlaub. Die zuständige Mitarbeiterin des Kultusministeriums in Oslo hat vor Weihnachten einen längeren Urlaub angetreten und kommt erst am 17. Januar zurück.

Weil eine Übergabe ohne besagte Mitarbeiterin nicht über die Bühne gehen kann, liegt das Projekt nun auf Eis und die Tür - aller Wahrscheinlichkeit nach das Original mit einer Replik des zynischen Schriftzuges „Arbeit macht frei“ -  bleibt in der Garage.

KZ-Tür nach anonymem Hinweis in Norwegen gefunden

Dort hatte sie die Polizei eingelagert, nachdem am 16. November 2016 ein anonymer Hinweis eingegangen war. Tatsächlichfanden die norwegischen Beamten daraufhin die stark verrostete Eisentür auf einem Parkplatz außerhalb von Bergen. Zwei Jahre nach dem spektakulären Diebstahl aus der KZ-Denkstätte Dachau. 

Rückblick: Anfang November 2014 zeigt die Stiftungsleitung in Dachau an, dass die Tür im großen schmiedeeisernen Tor von Unbekannten gestohlen wurde. Eine monatelange Fahndung nach der geschichtlich belasteten Pforte beginnt, Thesen werden laut, eine Belohnung wird ausgelobt, der Fall bei Aktenzeichen XY gezeigt. Doch die Tür bleibt verschollen. Dann der Fund in Norwegen, doch auch zwei Jahre nach dem Verschwinden, ist nicht klar, wer für den Diebstahl verantwortlich ist. Zwar wurden Spuren an der Tür gesichert, die Ergebnisse liegen der ermittelnden Kripo Fürstenfeldbruck aber noch nicht vor. Auch die Verantwortlichen der KZ-Gedenkstätte erhoffen sich aus den gesicherten Spuren Hinweise auf die Tat. Darum soll die Tür, die bei ihrer Odyssee durch Europa stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, auch nicht vom Rost befreit werden, wenn sie wieder in Dachau ist.

Übergabe vor dem Befreiungstag

Dorthin wird sie Karl Feller vermutlich nun nicht bringen. Er hat als CSU-Politiker andere Verpflichtungen, einen dicht getakteten Terminplan: "Drei Wochen lang hätte ich Zeit gehabt", sagte er der Süddeutschen Zeitung. "Wir hätten uns bei den norwegischen Behörden und der Polizei auch bedanken wollen." Nun soll ein Termin nach dem 17. Januar vereinbart werden, die Leiterin der Gedenkstätte, Gabriele Hammermann, will die Formalitäten der Übergabe in Norwegen regeln. 

Das Lagerrelikt solle unbedingt bis zu den Feierlichkeiten am Befreiungstag, also am 29. April, wieder in Dachau sein. Ob es dann wieder in das große Tor eingehängt wird, wo aktuell die Replik des Kunstschmiedes Michael Pointner den Platz des Originals eingenommen hat, oder ob es ins Museum kommt, entscheidet der Stiftungsrat - wenn die gestohlene Tür endlich wieder in Dachau ist.

kb

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