Wenig los an der Teststation im Karlsfelder Bürgerhaus.
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Wenig los an der Teststation im Karlsfelder Bürgerhaus: Waren am Wochenende noch rund 400 Testwillige – vor allem Schüler und Reiserückkehrer – gekommen, herrschte am Montag Testflaute.

Wenig Betrieb an den Teststationen im Landkreis Dachau

Getestet wird in Dachau weiter, aber viel weniger

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Angesichts sinkender Infektionszahlen und rasanter Lockerungen der Coronamaßnahmen nimmt die Nachfrage der Bürger nach Coronatests ab. Die Betreiber der Teststationen reagieren darauf bereits mit angepassten Öffnungszeiten. Langfristig dürfte sich das flächendeckende Testangebot aber nicht mehr rentieren.

Dachau – Zuletzt hatten Corona-Testzentren ja keinen guten Ruf. Durch einen mutmaßlichen Abrechnungsbetrug sollen Millionen Steuergelder verschwendet worden sein. Auch in Dachau-Ost wurde eine Station wegen des Verdachts auf unsauberes Geschäftsgebaren geschlossen.

Apotheker-Sprecher Max Lernbecher, der selbst für seinen Schwager mehrere Teststationen im Landkreis eingerichtet hat, beteuert: „Bei uns im Landkreis gab es – abgesehen von dem Fall in Dachau-Ost – keine ganovoiden Elemente!“ Die Teststationen, fast ausschließlich betrieben von Apotheken, Ärzten und BRK sowie anderer Organisationen, hätten finanziell und qualitativ sauber gearbeitet.   

Zudem, so der Apothekersprecher, hätte das Landratsamt „bei uns sehr gut die Hand drauf gehabt“. Tatsächlich, so bestätigt Landratsamtssprecherin Sina Török, sei der Landkreis in der glücklichen Situation gewesen, durch das Testangebot von Apotheken, Organisationen und Ärzten nicht auf branchenfremde Testzentren angewiesen gewesen zu sein. Dadurch habe das Landratsamt – über die Anforderungen des Bundesgesundheitsministeriums hinausgehend – noch einen zusätzlichen Fragenkatalog an Betreiber verschicken können; und auf Basis dieser Antworten sei dann entschieden worden, wer wo im Landkreis testen darf und wer nicht.

BRK hat neun Teststellen im Landkreis

Doch selbst diese hohe Hürde nahmen viele. Allein das BRK bot an neun Stellen im Landkreis Teststellen an. Die Flora-Apotheke der Lernbecher und Sandner OHG schulterte mit Apotheker Uwe Sandner Teststellen in Dachau, Hebertshausen und Haimhausen. Angesichts der seit gestern weitgehend abgeschafften Testpflicht sowie der von Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigten Vergütungsreform fragen sich nun viele Verantwortliche, ob sich der Betrieb von Testzentren langfristig überhaupt noch rentieren wird.   

Apotheker Lernbecher hat für sich schon eine Antwort gefunden, er sagt: „Ganz ehrlich: Ich sehe keinen großen Bedarf mehr an den vielen Teststellen.“ Angesichts der geringen Kundenfrequenz und schlechterer Bezahlung würde es sich nicht mehr rechnen. Schon jetzt „bestellen wir die Tests nicht mehr in großen Mengen nach“.

Wobei Lernbecher betont: „Uns in Dachau ging es nicht ums Geld! Wir wollten mit der Testmöglichkeit auch immer die Einzelhändler unterstützen. Ohne unsere Testkapazität wäre ja keiner in die Läden gekommen!“ Dass es nun nicht mehr nötig ist, sich für jeden Shoppingbummel oder Cafébesuch ein Negativzeugnis holen zu müssen, macht ihn daher „froh. Denn es war keine schöne Arbeit.“

Doch auch wenn die Apotheken über den Sommer ihre Teststellen schließen, so verspricht Lernbecher, im Herbst – im Fall einer neuen Welle – reagieren zu können. „Die Infrastruktur ist ja jetzt aufgebaut, die Arbeit ist erledigt. Wir hätten kein Problem, wieder Testzentren aus dem Boden zu stampfen.“

Schnelltests wird es noch lange geben

Anders ist es beim BRK, wie Kreisgeschäftsführer Paul Polyfka zugibt. Die enorme Testkapazität, die es beim Dachauer BRK im Moment gibt, hänge am Impfzentrum. Wenn das schließt – planmäßig ist dies am 30. September der Fall – „werden wir nicht mehr so viel medizinisches Fachpersonal haben, das wir für die Tests einsetzen können“. Kurzfristig aber garantiert Polyfka denjenigen Bürgern, „die auf Nummer sicher gehen wollen, auch weiter ein Testangebot“. Anders als vielen privaten Anbietern gehe es dem BRK nämlich nicht rein um den Gewinn; und selbst eine „magerere Finanzierung“ durch das Gesundheitsministerium könne über den Sommer mit Ehrenamtlichen aufgefangen werden. Wo und wie das BRK daher in den kommenden Wochen und Monaten testet, „werden wir uns in Ruhe diese Woche anschauen“, so Polyfka. Fest stehe aber schon heute: Das BRK werde seinen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten – „und zwar so lange es die Pandemie gibt“!

Dass es diese Pandemie noch eine Zeit lang geben wird, davon ist Dr. Christian Günzel, Versorgungsarzt und Mitglied der Koordinationsgruppe Pandemie des Landkreises, überzeugt. Der Wegfall der Testpflicht ist für ihn daher – aus medizinischer Sicht – nicht nur Anlass zur Freude. Die Schnelltests seien einfach „ideal, um einzelne Infizierte erkennen zu können“. Deshalb appelliert er an den noch ungeimpften Teil der Bevölkerung, weiter „verantwortungsvoll zu handeln und vor größeren Zusammenkünften auf jeden Fall weiter einen Schnelltest zu machen“. Die schon geimpften 50 Prozent der Landkreisbürger dagegen betreffe das Thema ohnehin nicht mehr.

Und auch beim Landratsamt sieht man aktuell keinen Grund, alle Testkapazitäten herunterzufahren. „Urlauber und Arbeitnehmer“ würden die Stellen weiter nutzen, betont Sprecherin Török.

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