Amtsgericht Dachau

Graffiti-Sprayer muss ins Gefängnis

Arbeitslos, drogenabhängig und in offener Bewährung: Trotzdem ist er wieder straffällig geworden. Wegen Sachbeschädigung und räuberischen Diebstahls hat sich ein 19-Jähriger mit zwei weiteren Täterinnen vor dem Amtsgericht verantworten müssen.

Dachau – Es sei Dummheit gewesen, sagt der 19-jährige Angeklagte. Gemeinsam mit seiner ehemaligen Lebenspartnerin (18) und einer Bekannten (19) musste er sich vor dem Amtsgericht verantworten.

Der Tatvorwurf hatte es in sich: Zu viert – denn beteiligt war auch der damalige Lebensgefährte der 19-Jährigen, gegen den noch verhandelt wird – sprühten sie am 24. Februar 2017 an vier verschiedenen Orten in Altomünster Graffiti an Wände und Fassaden.

Nur zwei Tage später, in der Nacht vom 26. auf den 27. April, verabredeten sich die 19-Jährige und ihr Freund erneut zum Sprühen – dieses Mal mit drei anderen Bekannten. „Wir hatten noch Sprühdosen übrig“, gibt die 19-Jährige zu.

Zwei Tage später war das Ziel der Aktion aber nicht mehr Altomünster, sondern Dachau. Mehrere Verteilerkästen, ein Bushäuschen, ein Zigarettenautomat sowie ein Glascontainer waren nur ein paar der insgesamt zwölf Orte, an denen die fünf Täter ihre Spuren hinterließen; auch wenn nur drei von ihnen selbst gesprüht hätten, wie die 19-Jährige berichtet. Bei beiden Aktionen entstand ein Gesamtschaden in Höhe von 9423 Euro. Alle drei räumten die Taten ein und zeigten sich reumütig.

Der 19-jährige Angeklagte und seine 18-jährige Exfreundin mussten sich darüber hinaus noch wegen einer weiteren Tat vor dem Schöffengericht verantworten: Am 30. Juni, zwei Wochen nach der Graffiti-Sprüherei, stahlen sie in einem Supermarkt eine Flasche Schnaps im Wert von 16,99 Euro. Dies räumten beide auch so ein. „Er hat mir die Flasche in die Handtasche gesteckt, so wie wir es zuvor abgesprochen hatten“, sagt die 18-Jährige. Vor dem Laden angekommen, hatte das Paar die Rechnung jedoch ohne den Filialleiter gemacht. Dieser hatte den Diebstahl auf seiner Überwachungskamera beobachtet. Draußen wollte er die ertappten Täter zur Rede stellen.

Bezüglich des nun folgenden Tathergangs unterschieden sich die Aussagen: Denn der als Zeuge geladene Filialleiter sagte aus, dass der 19-Jährige ihn mit den Worten „Ich stech dich ab“ bedroht habe. Aufgrund dessen habe der Filialleiter den 19-Jährigen gehen lassen und wenig später die Polizei gerufen.

All dies bestreitet der Angeklagte. Seine Exfreundin sagte, sie habe von einer Bedrohung nichts mitbekommen. Da der Filialleiter aber in seiner Aussage erklärte, dass die 18-Jährige fünf oder zehn Meter entfernt stand und deshalb eventuell nichts davon mitbekommen haben könnte, schenkte das Gericht seiner Zeugenaussage Glauben.

Am Ende setzte es drei Urteile: Für die gemeinschaftliche Sachbeschädigung in Dachau und Altomünster wurde die 19-Jährige zur Ableistung von insgesamt 64 Stunden sozialer Hilfsdienste verurteilt. Die 18-Jährige muss wegen der Sachbeschädigung und des Diebstahls ein umweltpädagogisches Arbeitswochenende ableisten und 600 Euro an die Brücke in München zahlen.

Den 19-Jährigen erwartete ein härteres Urteil, denn: Er handelte zu den Tatzeitpunkten in offener Bewährung. Außerdem habe sich die Lebenssituation des arbeitslosen jungen Mannes, der zugibt, nach wie vor Marihuana zu konsumieren, weiterhin verschlechtert, so Richter Dorner. Deshalb sah das Gericht keinerlei Ansatzpunkte für eine günstige Sozialprognose. Der Angeklagte wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Nathalie Neuendorf

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