Heidi Schaitl Caritas-Geschäftsführerin.  
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Heidi Schaitl ist Caritas-Geschäftsführerin im Landkreis Dachau. Sie sagt: „Die Einschränkungen der vergangenen Monate haben gravierende Auswirkungen.“  

Beunruhigender Bericht über Lockdown-Folgen

Caritas Dachau berichtet über ihre Erfahrungen in Betreuungseinrichtungen während Corona: Pandemie hat gravierende Auswirkungen auf die Kleinsten

Nach langen Monaten der Pandemie hat die Caritas im Landkreis Dachau einen Erfahrungsbericht über die vergangenen Monate in ihren Kindertagesstätten veröffentlicht. Zur Caritas gehören der Integrationskindergarten Arche Noah in Karlsfeld, der Kindergarten Nazareth in Dachau, die Kinderkrippe Nazareth, die Kinderkrippe Storchennest in Vierkirchen sowie das Kinderhaus Mariä Himmelfahrt in Dachau.

Dachau „Die Einschränkungen der vergangenen Monate“, so die Kreisgeschäftsführerin der Caritas-Zentren, Heidi Schaitl, in der Pressemitteilung, „haben nicht nur gravierende Auswirkungen auf Erwachsene, sondern auch die Kleinsten in Krippe und Kindergarten leiden unter den Auswirkungen“.

Die Caritas verweist auf die Copsy-Studie des Universitätsklinikums Hamburg. Danach fühlen sich 70 Prozent der Kinder durch die Corona-Krise seelisch belastet und reagieren mit unspezifischen psychischen Symptomen. Gerade Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren reagieren auf diese für sie nicht sicht- oder greifbare Corona-Bedrohung mit Verunsicherung, vermehrter Anhänglichkeit, Bauchweh, Ängsten, Schlafstörungen oder aggressivem Verhalten.

„Die Kinder erleben, dass ihr familiäres System und ihr gewohnter Tagesablauf durcheinander geraten: Eltern in systemrelevanten Berufen sind zunehmend im Stress. Andere wiederum sind ganztags Zuhause, sind von Kurzarbeit oder sogar Jobverlust betroffen. Die Koordination von Homeoffice, Homeschooling und Kleinkindbetreuung bringt viele Eltern an ihre Belastungsgrenzen“, meint Schaitl. Besonders in Familien mit eingeschränkten oder engen Wohnmöglichkeiten sei es durch Ausgangsbeschränkungen vermehrt zu Konflikten unter den Eltern und zwischen Eltern und Kindern gekommen, so die Geschäftsführerin. Schaitl: „Der Wunsch nach einer Perspektive, nach Normalität und Sicherheit wächst von Tag zu Tag.“

Durch den ständigen Wechsel zwischen Notbetreuung, eingeschränktem Regelbetrieb und Normalbetrieb der Kitas wurde laut Caritas deutlich, wie sehr ein funktionierender beruflicher und privater Alltag von Familien von einer verlässlichen Kinderbetreuung abhängig ist. Einen wesentlichen Teil der ausgefallenen Kinderbetreuung haben in Corona-Zeiten die digitalen Medien übernommen. Kinder aller Altersgruppen schauen mehr Fernsehen und sitzen mehr am Smartphone oder am Computer ‒ mit allseits bekannten Folgen.

„Krippen- und Kindergartenkinder sind auf körperliche Nähe und persönliche Interaktion angewiesen. Kleinkinder können nicht verstehen, warum sie plötzlich keine Freunde mehr treffen dürfen oder gar zu Hause bleiben müssen. Und Unsicherheit macht Angst“, so Schaitl.

Nachdem die Eltern mittlerweile selbst entscheiden können, ob sie in Zeiten der Notbetreuung ihr Kind in die Kita bringen oder nicht, erleben Eltern und Kinder weniger Verunsicherung, so die Caritas. „Inzwischen ist es, trotz staatlichem Elternbeitragsersatz, von der Anzahl der Kinder her egal, in welchem Status sich die Kitas gerade befinden. Es sind fast alle Kinder regelmäßig anwesend. Und das ist – auch aus Gründen des Kinderschutzes – gut so“, so Schaitl.

Doch die Pandemie hat laut Caritas für Familien auch positive Nebenerscheinungen. Schaitl: „Viele Eltern verbringen durch Homeoffice und Kinderbetreuung Zuhause mehr und intensivere Zeit mit ihren Kindern. Über die ungewohnte Präsenz der Eltern haben sich viele Kinder gefreut. Die persönlichen Netzwerke und zwischenmenschlichen Beziehungen zu Familie und Nachbarn sind aus der Not heraus gewachsen und belastbarer geworden.“ Auch die Kooperation zwischen Eltern und Kita sei intensiver und solidarischer geworden. Es sei schön zu erleben, so die Geschäftsführerin, mit wie viel Geduld Eltern die ständig wechselnden politischen Entscheidungen aufnähmen und wie viel Verständnis sie auch für die existenzielle Bedrohung der Kitas zeigten, wenn plötzlich Grundlagen der Finanzierung in Frage gestellt würden.

Ebenso versuchen die Kitas, kreativ den Bedürfnissen der Kinder und Eltern gerecht zu werden. Eltern in Not wird seitens der Caritas Krisenberatung, Hilfe und Unterstützung angeboten. Über digitale Medien, Videotreffen oder Briefe wird regelmäßig Kontakt zu den Kindern und Eltern, die zu Hause bleiben, gehalten.

„Interessant wird es sein, was die Kleinsten aus dieser besonderen Zeit mitnehmen und wie sie durch Corona geprägt werden“, so Schaitl. „Die Aufgabe von Eltern und Kitas ist es, ihnen die Gewissheit zu geben, auch zukünftig solchen Herausforderungen gewachsen zu sein.“ dn

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