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„Du brauchst dringend ein Fahrrad, das merk ich!“ Auktionator Heribert Lorenz (l.) hat einen guten Blick für die großen und kleinen Interessenten. 

Versteigerung auf dem Stadtbauhof

Nur ein Billardtisch bleibt übrig

100 Besucher drängten sich am Samstagvormittag in der Halle auf dem Stadtbauhof. Fast alle wollten ein Fahrrad kaufen. Doch bei der Versteigerung der Stadt Dachau kommen nicht nur Zweiräder unter den Hammer: Auch ein Heuwagen wird angeboten – und findet einen Käufer.

Dachau– Es geht emsig zu in einer Halle auf dem Stadtbauhof in Dachau Ost. Über 70 Fahrräder, ein Mofa und sogar ein Roller stehen am Samstag seit 8.30 Uhr in Reih und Glied und werden genau inspiziert. Funktionieren die Bremsen? Ist ein Licht dran? Gibt es eine Gangschaltung? Ist der Sattel höhenverstellbar? Alles wichtige Informationen, wenn die etwa 100 Besucher ab 9 Uhr eines der Zweiräder ersteigern möchten. Am Ende der Versteigerung bleibt nur ein Billardtisch übrig.

Unter den Besuchern der Auktion gibt es „bekannte Gesichter“, wie Christa Fink sagt. Sie ist seit 17 Jahren Bauhof-Mitarbeiterin, zuständig für Fundräder, und hat schon einige Versteigerungen miterlebt. Bei diesen Gesichtern handelt es sich meist um Profis, die mit einem Anhänger kommen und gleich mehrere Fahrräder kaufen, diese aufbereiten und wiederverkaufen oder ausschlachten. „Wir sind froh, wenn es weniger werden“, sagt Fink. Die Räder, die bei der öffentlichen Versteigerung angeboten werden, sind meist Fundräder oder Diebesgut. Die Besitzer wurden nie gefunden, oder die Räder wurden einfach nicht abgeholt werden. „Die Gestohlenen sind natürlich meist die besseren“, weiß sie. Deshalb werden diese meist auch mit einem Startgebot von 50 Euro versteigert, andere Räder beginnen mit 20 Euro.

Doch nicht alles kommt unter den Hammer. „Alle Räder stehen bei uns mindestens ein halbes Jahr. Ganz schlecht erhaltene Fahrräder, oder solche, bei denen die Reparaturen zu teuer sind, werden vorher ausgemistet“, erklärt sie. „Würden wir alles anbieten, was bei uns landet, würden heute wohl statt 72 gleich 500 Räder hier stehen.“

Die Fahrrad-Reihen werden immer kürzer. Auktionator Heribert Lorenz, eigentlich Bauhofmitarbeiter bei der Verkehrstechnik, ruft mehrmals „zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – verkauft“ in die Menge. Neben den Profis bieten natürlich auch Ehepaare, Familienväter oder Studenten mit, die einfach nur gerne an ein günstiges, aber gut erhaltenes Fahrrad kommen wollen. „Du brauchst dringend ein Fahrrad, das merk ich“, sagt Lorenz zu einer Schülerin, die mit ihrer Mutter auf ein rotes Damenrad bietet. „Ihr da hinten seid Profis, euch kenne ich, aber das Mädel hier vorne braucht ein Fahrrad“, sagt der Auktionator zu Männern in der hinteren Reihe. Die Profis bieten noch einmal, überlassen aber schließlich der glücklichen Jugendlichen das Fahrrad.

Draußen vor der Halle werden dann die neuen Errungenschaften meist gleich getestet. Die junge Mirjam dreht mit einem kleinen, gelben Rad mit roten Punkten große Runden. „Das Fahrrad ist eigentlich für meinen Papa“, sagt sie. „Er braucht es, um von der S-Bahn zur Arbeit zu kommen“, erklärt ihre Schwester Nelly. Das Fahrrad wollte sonst keiner haben, so hat die Bergkirchner Familie nur 20 Euro dafür gezahlt und ist sichtlich glücklich mit ihrer neuen Errungenschaft.

Auf dem Platz steht außerdem ein Krone-Ladewagen aus dem Jahre 1987 mit einem zugelassenen Gesamtgewicht von 3990 Kilogramm. Er kommt ebenfalls unter den Hammer. Der Heuwagen ist vom Bauhof selbst, der ihn nicht mehr braucht. Mehrere Besucher scheinen eine Verwendung dafür zu haben. Schließlich geht der Koloss für 300 Euro an einen Landwirt nahe Vierkirchen. „Der Wagen ist nicht für mich, sondern für einen alten Kollegen aus Slowenien, der ihn gut gebrauchen kann“, erzählt er im Anschluss.

Weniger Glück hat der Bauhof mit dem alten Billardtisch. „Er wurde uns vom Jugendzentrum zur Versteigerung gegeben, weil er einfach alt ist“, erzählt Christa Fink. Doch auch für die wenigen 30 Euro will ihn keiner haben. Beim Beamer des Jugendzentrums sieht es anders aus. Eine Bieterin nimmt ihn für 32 Euro nach Hause.

Nach und nach verschwinden die Räder, und auch die Besucher werden weniger. Am Ende stehen nur noch der Billardtisch und der Heuwagen da. Letzteren will der Landwirt noch mit seinem Traktor abholen.

Miriam Kohr

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