Corona-Impfung
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Die Bewohner der Alten- und Pflegeheime im Landkreis Dachau greifen dankbar zu, was den nun für sie priorisiert verfügbaren Corona-Impfstoff angeht.

In Dachau ist der Wille zur Impfung da

Gute Impfmoral in Pflegeheimen

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Bayerns Ministerpräsident Söder hat zuletzt die mangelnde Impfbereitschaft unter Pflegekräften kritisiert und eine Corona-Impfpflicht ins Spiel gebracht. In den Dachauer Einrichtungen hält man davon aber wenig. Denn: Der Wille zur Impfung ist da. Was fehlt, ist der Impfstoff.

Dachau – Unter den Bewohnern der Alten- und Pflegeheime im Dachauer Land ist der Fall klar: „Die Impfbereitschaft ist sehr hoch, da wollen sich fast alle impfen lassen“, betont Dr. Christian Günzel, der als Versorgungsarzt des Landkreises aktuell alle Vorgänge rund um die Coronaschutzimpfung betreut. Beim Personal der Einrichtungen ist die Begeisterung für die Impfung dagegen noch etwas gedämpft. Sprich: Der eine oder andere Kollege überlegt lieber noch ein wenig, ob er sich die Schutzimpfung tatsächlich zumuten will.

Für den Mediziner Günzel ist diese Haltung nachzuvollziehen. Er selbst, als Arzt, habe erst im Dezember einen Einblick bekommen in die Zusammensetzung und Wirkungsweise des Impfstoffs. Er sei zwar grundsätzlich Impfbefürworter, aber, so sagt er: „Wir sind ein freies Land. Und die Impfkampagne war kurz. Das Thema muss erst noch in die Breite gestreut werden.“

Mehr Heimbewohner als Mitarbeiter geimpft

Dass es für die Breite bislang noch gar nicht genug Impfstoff gibt, spielt den Impfbefürwortern daher in die Hände. Denn bislang, so heißt es aus den Alten-, Kranken- und Pflegeeinrichtungen in Stadt und Landkreis, hätten ohnehin noch nicht alle Mitarbeiter geimpft werden können. Im Friedrich-Meinzolt-Haus in Dachau etwa sind bislang 90 Prozent der Bewohner geimpft und 60 Prozent der Mitarbeiter. Dass damit 40 Prozent der Kollegen noch ungeimpft sind, liegt laut einer Sprecherin jedoch nicht an deren Unwillen, sondern schlicht an der Tatsache, dass sie noch nicht die Gelegenheit dazu gehabt hätten. Auch im Karlsfelder Curanum-Heim, das im November einen gravierenden Corona-Ausbruch mit zahlreichen Todesfällen zu verzeichnen hatte, wurden „über 90 Prozent der Bewohner und 65 Prozent der Pflegekräfte“ geimpft. Die Heimleitung, so Sprecherin Tanja Kurz, habe aber „erfreut festgestellt, dass sich Pflegekräfte, die sich zum Impftermin Bedenkzeit erbeten hatten, bei nächster Gelegenheit nachimpfen lassen wollen“. Im Senterra-Heim in Indersdorf sei ebenfalls „keiner, der es rundheraus abgelehnt hätte, geimpft zu werden“, so eine Sprecherin. Während die „einen sofort dabei waren, wollen die anderen noch ein bisschen Bedenkzeit“.

Genau wie Günzel sehen die Verantwortlichen in den Heimen es daher sehr kritisch, eine – wie von Ministerpräsident Markus Söder nun ins Spiel gebrachte – Impfpflicht für Pflegekräfte einzuführen. Im Caritas-Altenheim Marienstift in Dachau habe man darüber sogar herzlich lachen müssen. Die Freiheit einer Impfverweigerung habe man dort nämlich noch gar nicht gehabt: „Bei uns wurde noch gar nicht geimpft!“ Grundsätzlich aber, so heißt es aus der Verwaltung, „schaut die Bereitschaft bei uns nicht schlecht aus. Wir wollen uns impfen lassen, wenn es denn mal so weit ist“.

Impf-Chef Günzel kann da Hoffnung machen: Bis Ende Januar, hofft er, „sind wir mit den insgesamt 17 Heimen und Einrichtungen im Landkreis durch“.

In Dachauer Klinik läuft es gut

Auch am Dachauer Klinikum läuft es gut: Laut Sprecherin Pia Ott sei die Impfbereitschaft hoch, 350 Mitarbeiter seien bislang geimpft worden und heute und morgen sollen weitere 200 folgen sollen. Sobald die Klinik über die nächste Zuteilung an Impfdosen informiert werde, würden dann auch in den folgenden Wochen Impftermine für die Mitarbeiter organisiert. Die Zuteilung der Impfdosen aber, so Ott, erfolge stets nur „in kurzfristiger Absprache mit dem Landratsamt“.

Sicher ist laut Günzel aber schon heute, dass die nächste Impfstoff-Charge für das Klinikum nächste Woche nicht mehr von der Firma Biontech/Pfizer, sondern vom US-Hersteller Moderna kommen wird. Das Wirkprinzip der Vakzine unterschiedet sich aber Günzel zufolge nicht: Beide würden verhindern, dass der Geimpfte an Covid-19 erkrankt. Unterschiedlich seien nur die Temperaturen, die für eine Lagerung der Impfdosen nötig seien. Während das Moderna-Vakzin in einer normalen Kühltruhe gelagert werden kann, brauchen die Biontech-Impffläschchen eine spezielle Kühlung bei minus 70 Grad Celsius. Diese Herausforderung aber habe sich bisher ohnehin nicht gestellt, betont Günzel, denn: „Wir kamen bisher nie dazu, Impfstoff lagern zu müssen. Wenn wir welchen bekommen haben, haben wir den sofort verimpft.“

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