Aufregung am Ignaz-Taschner-Gymnasium: Schulleitung, Kollegium, Eltern und Schüler mussten sich mit Fällen von antisemitischer und rassistischer Hetze auseinandersetzen. 
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Aufregung am Ignaz-Taschner-Gymnasium : Schulleitung, Kollegium, Eltern und Schüler mussten sich mit Fällen von antisemitischer und rassistischer Hetze ause inandersetzen. 

Gymnasium

ITG Dachau: Nazi-Symbole in Schüler-Chats

  • Thomas Zimmerly
    vonThomas Zimmerly
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Schüler des Ignaz-Taschner-Gymnasiums haben im Klassenchat Sticker mit antisemitischen und rassistischen Darstellungen verbreitet. Und das obwohl sich das ITG als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen darf.

Dachau – Sticker mit rassistischen oder pornografischen Motiven, Bildchen mit Nazi-Symbolen oder welche, mit denen Randgruppen verunglimpft werden, haben Schüler einer neunten sowie einer zehnten Klasse des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums (ITG) in ihren jeweiligen Whatsapp-Klassenchats verbreitet. Ausgerechnet Schüler des Gymnasiums, das sich seit 2009 „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen darf.

Die Hass-und-Hetze-Posts waren bereits im November sowie im Dezember 2019 der Schule gemeldet worden. „Es gibt Gott sei Dank Eltern, die in die Chats ihrer Kinder hineinschauen“, so Schulleiter Erwin Lenz gestern. Mittlerweile hat die Schule die Angelegenheit intern aufgearbeitet. Aus diesem Grund verzichtete die Schulleitung bislang auf Strafanzeigen bei der Polizei.

„Wir haben uns jeden Fall einzeln angesehen“, so Lenz. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Schüler keinerlei parteipolitische Aktivitäten pflegen. Laut dem Schulleiter handele es sich schlichtweg um „dumme, naive, pubertäre Wichtigmacherei“ – die dennoch disziplinarisch geahndet wurde. Wie genau, will Lenz nicht sagen. Nur so viel: Der Disziplinarausschuss des ITG, bestehend aus neun Lehrern, dem Elternbeirat und der Schulpsychologin, trat zusammen. Mit am Tisch: die betroffenen Schüler und deren Eltern. „Die Schüler zeigten sich sehr einsichtig und betroffen“, hat Rektor Lenz gemerkt.

Und noch eine Maßnahme ergriff das Gymnasium: Es holte sich einen erfahrenen Kriminalhauptkommissar ins Haus. Der Mann von der Stelle für Extremismus hielt in den beiden betroffenen Klassen und dann später in allen weiteren zehnten Klassen einen Vormittag lang Vorträge, wobei er die Schüler mit einbezog. „Das war erstklassig, was der Mann gemacht hat“, sagt Lenz, „toll, wie er alles pädagogisch aufbereitet hat.“

Seit der Aufarbeitung herrscht Ruhe am ITG. Und Rektor Erwin Lenz zieht ein Fazit aus der Geschichte: „Das Problem ist, dass die Schüler die ganzen Instrumente in der Hand haben. Aber sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.“ Whatsapp etwa sei „was Tolles, aber auch was Gefährliches“.

Der Fall am ITG ist nicht der einzige im Großraum München. Wie im November 2019 bekannt wurde, hatten auch an einem Gymnasium in Grafing (Landkreis Ebersberg) Neuntklässler antisemitische Hetz-Posts im Klassenchat abgesetzt. Und gestern teilte das Polizeipräsidium München mit, dass am Klostergymnasium Schäftlarn in einem Klassenchat teils sexuell anstößige und unter Umständen volksverhetzende Inhalte an Personen unter 18 Jahre verteilt beziehungsweise verbreitet worden sind. Die genaue Größe des Teilnehmerkreises an dem Chat ist hier aktuell Gegenstand der Ermittlungen. Nach den ersten Erkenntnissen liegt die Anzahl der an dem Chat beteiligten Personen in einem zweistelligen Bereich. Die Polizei ermittelt derzeit gegen zwei 14-jährige Schüler. Es besteht der Verdacht, dass die Straftatbestände Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung und Verbreitung pornografischer Schriften verwirklicht sein könnten.

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