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Wurde lang vom Gremium besprochen – das Bild „Sylvensteinspeicher“ von Preisträger Daniel Schüßler.

Daniel Schüßler bekommt Dr. Ulrich-Lechner-Preis

Das haben vor ihm nur Frauen geschafft

Daniel der Erste wurde der Künstler von Elisabeth Boser, Geschäftsleitung des Zweckverbandes Dachauer Galerien und Museen, genannt. Daniel Schüßler aus München ist der erste Mann, der den Dr. Ulrich-Lechner-Preis für Landschaftsmalerei bekam.

Dachau – Die vorigen Preisträger waren die Künstlerinnen Katharina Gaenssler (2009), Sabine Berr (2012) und Esther Rutenfranz (2015). Seit 2009 wird der Preis im dreijährigen Turnus von der an die Gemäldegalerie Dachau angegliederten Dr. Ulrich und Gertrude Lechner-Stiftung an zeitgenössische süddeutsche Landschaftsmaler verliehen.

„Der Preis soll dazu beitragen, die Tradition der Landschaftsmalerei in Dachau weiterzuführen und neu zu beleben“, erklärt Jutta Mannes, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zweckverbandes. Eine weitere Voraussetzung für mögliche Preisträger: Der Künstler muss bereits in der neuen Galerie in der Dachauer Altstadt ausgestellt haben. Bilder von Daniel Schüßler hängen sogar aktuell in der Galerie und sind noch bis zum Sonntag, 24. März, in der Ausstellung „Landschaftsmalerei. Zeitgenössische Positionen III“ zu sehen.

„Ich skizziere draußen und mache das Bild auch draußen fertig“

Stießen auf die Landschaftsmalerei an (von links): Elisabeth Boser vom Zweckverband, Landrat Stefan Löwl, Künstler Daniel Schüßler und OB Florian Hartmann.

Für die Jury-Mitglieder, darunter Oberbürgermeister Florian Hartmann und Landrat Stefan Löwl, eine gute Gelegenheit, nach der Preisverleihung mit dem 42-jährigen Künstler über seine Bilder ins Gespräch zu kommen. „Papier, Pinsel, Farbe, Klebeband, ein umgebautes Kamerastativ zur Staffelei und Kaffee“, zählt Schüßler auf, was er bei seinen Malausflügen stets dabei hat.

Ein Grund, warum das Gremium ihn mit dem Preis würdigte, sei laut Boser die Art des Künstlers, seine Motive auf Papier zu bringen: Draußen mit Pinsel und Farbe, genau wie die Freilichtmaler damals im 19. Jahrhundert. „Es ist spannend, wenn Künstler die Tradition von früher weiterführen und in der Natur arbeiten“, begründet Boser weiter. „Ich skizziere draußen und mache das Bild auch draußen fertig“, bestätigt Schüßler. 

„Ich habe den Anspruch, keinen Abklatsch zu malen“

Doch er malt nicht wie die alten Impressionisten: „Es ist eine Weiterentwicklung von dem, es ist eine Übertragung in unsere Zeit“, sagt OB Hartmann. Wichtig ist Schüßler, das Gesehene nicht 1:1 abzubilden. „Ich habe den Anspruch, keinen Abklatsch zu malen“, betont er. „Früher hätten die Maler jeden Baum fein säuberlich dargestellt, hier sind es eben grüne Flecken, die welche andeuten“, erkennt Löwl.

In der Tat gleichen Schüßlers Landschaften bei näherer Betrachtung farbigen Skizzen, gar wie comicartige Darstellungen, wie Elisabeth Boser anmerkt. Oft scheinen sie an manchen Stellen unfertig wie im Bild „Sylvensteinspeicher“, wo die Berge nicht voll ausgemalt sind. „Das sind spontane Entscheidungen, ich fand es schön, wie die Sonne durchscheint“, sagt der Künstler. 

Er erinnert sich: „Ich saß unter der Brücke auf einem Abhang, die Abendstimmung mit der untergehenden Sonne gab eine tolle Atmosphäre.“ Doch mittendrin kam schlechte Stimmung auf. „Ich dachte, ich hab’ das Bild versaut, dass es nichts wird.“ Doch genau jetzt kommt der Moment: „Ich bin dann total befreit und kann den Pinsel locker laufen lassen“, und so wird doch noch ein Bild daraus, das am Ende in Ausstellungen wie in Dachau hängt.

„Man muss nicht immer weit fahren, um einen guten Mal-Spot zu finden“

Aber natürlich hat er auch mit der Natur zu kämpfen: Zu einem Bild vom Gardasee sagt er: „Ich saß unter einem Balkon von meinem Freund, der eine Hütte am See hat, und es hat so geregnet, dass mein Papier aufgeweicht ist und die Farbe verlaufen ist“, erklärt er zu den verschwommenen Stellen, die aber wie bewusst gesetzt aussehen.

Mit den bis zu achttausend Euro, die er zur Urkunde bekommt, wird er Malreisen finanzieren. Doch: „Man muss nicht immer weit weg fahren, um einen guten Mal-Spot zu finden“, sagt er. So hat er auch ein Dachauer Motiv in der Galerie hängen, dass er an der Amper in der Nähe der „Alten Liebe“ malte.

Miriam Kohr

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