Elke Schäl foto: np

Krankenkassen fordern folgenschwere Neuerungen

Hebammen schlagen Alarm

Den Hebammen droht die nächste Intervention in ihre Arbeit – diesmal von Seiten der Krankenkassen. Die wollen in die Kreißsaal-Organisation eingreifen. Die Geburtshelferinnen schlagen Alarm.

Landkreis – In den vergangenen Jahren hatten die Hebammen massiv mit der Haftpflichtversicherung zu kämpfen, in die sie jährlich über 7000 Euro einzahlen müssen. Nun fordern die Krankenkassen Änderungen bei der Gebührenverordnung. „Damit gefährden sie das erfolgreich praktizierte Beleghebammensystem“, sagt Hebamme Elke Schäl aus Petershausen. Sie befürchtet, dass viele ihrer Kolleginnen die Geburtshilfe verlassen könnten.

Seit 2007 werden die Gebührenverordnungen, nach denen die selbstständigen Hebammen mit den Krankenkassen abrechnen, zwischen den Berufsverbänden und dem Dachverband der gesetzlichen Krankenkassen ausgehandelt. Heuer fordern die Krankenkassen Änderungen, die ernsthafte Folgen für alle Beleghebammen hätten, erläutert Angelika Schneider, Sprecherin der Beleghebammen an der Frauenklinik Dachau. Hier oranisieren die Hebammen den Kreißsaal eigenständig (siehe Kasten). „Bis dato entschieden wir gemeinsam mit dem geburtshilflichen Team, wann wir wie viele Hebammen benötigten. Durch die angedachten Regeln wäre uns das nicht mehr erlaubt“, erläutert Schneider.

Die Neuregelungen besagen neben einer Senkung der Vergütung, dass Beleghebammen im Schichtsystem in einer Klinik zukünftig nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen dürfen. Jede weitere Leistung, selbst eine kurze telefonische Beratung, wäre zukünftig nicht mehr abrechenbar. Die Krankenkassen begründeten den Schritt damit, dass diese Form der Betreuung die Qualität der Geburtshilfe steigere.

Doch das sehen die Hebammen ganz anders. Für sie steht ihr Beruf auf dem Spiel. Denn die neue Regelung gelte unabhängig davon, wie akut die beiden Patientinnen betreut werden müssen – also auch dann, wenn diese am Wehenschreiber hängen und die Hebamme die Kapazität problemlos hätte. Die Hebamme sei dann gezwungen, eine weitere Hebamme zu rufen – oder die Patientin müsse die Leistung privat bezahlen. „Eine Zumutung für eine gesetzlich versicherte Patientin“, ärgert sich Schneider.

Zudem sei die geplante Änderung eine massive Einmischung in ihre Organisationsform. „Sie wäre weit entfernt von der Realität und den praktischen Arbeitsabläufen im Kreißsaal. Es handelt sich um ein theoretisches Schreibtischkonstrukt, das die Arbeitsbelastung der Hebammen sinnlos erhöht. Eine weitere Hebamme müsste gerufen werden und öfter und unnötig anwesend sein“, erklärt Schneider. Letztlich sei mehr Personal nötig. „Ich weiß gar nicht, ob wir das umsetzen könnten“, erklärt die Petershausener Hebamme Elke Schäl. Denn schon jetzt gibt es Nachwuchsprobleme.

Eine Festanstellung sei sowohl für die Träger als auch für die Hebammen keine Alternative. Überwiegend wollen die Träger die Hebammen nicht anstellen oder die Hebammen wollen nicht angestellt arbeiten, erklärt Schneider. „Die Rahmenbedingungen im Angestelltenverhältnis sind sehr schlecht, es gibt für angestellte Hebammen keinen Betreuungsschlüssel. Es ist an der Tagesordnung, dass viele Geburten parallel betreut werden müssen, es kommt oft zur Überlastung.“

Nach den Auseinandersetzungen mit der Berufshaftpflichtversicherung kam es zwar zu akzeptablen Lösungen, die Ausübung des Berufs ist jedoch, aufgrund der hohen Grundkosten, verteuert. Ob die Hebammen diese neue Hürde auch meistern werden? „Momentan können wir nichts anderes machen, als eine Öffentlichkeit zu schaffen und die Politik um Unterstützung zu bitten“, sagt Elke Schäl. Am 19. Mai soll die Entscheidung über die Gebührenverordnung fallen.

Conny Kirmaier

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