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Alter vor Amt: Referent Erwin Hartmann (3. v. l.) bot bei seinem Vortrag über „Etzenhausen im Ersten Weltkrieg und danach“ im vollen Etzenhauser Schützen heim den für seinen Sohn und OB reservierten Platz einer Seniorin an. 

Heimatforscher Erwin Hartmann lud zu anschaulicher Geschichtsreise

Die Etzenhauser und der Erste Weltkrieg

Historiker Erwin Hartmann nahm die Etzenhauser mit auf eine Geschichtsreise durch ihre Heimat zu Zeiten des Ersten Weltkriegs, die viele Zuhörer sehr nachdenklich stimmte.

Mit gut 80 Besuchern so menschenvoll gefüllt wie bei einer Bürgerversammlung war das Schützenheim Etzenhausen bei der eintägigen Ausstellung samt Vortrag des Stadtteilhistoriker Erwin Hartmann (74). Er referierte zum Thema „Etzenhausen – der Erste Weltkrieg und danach“.

Ein Dreivierteljahr lang steckte Hartmann viel Arbeit in dieses Projekt. Aber er hatte zahlreiche Helfer und gute Quellen, unter anderem Stadtarchivar Andreas Bräunling und dessen Stadtarchiv oder Unterlagen aus dem Bayerischen Staatsarchiv. Zudem führte Hartmann Gespräche mit Etzenhauser Bürgern und sichtete den „Dachauer Zeitgeschichtsführer“ von Hans-Günter Richardi.

Zu Gast waren der Sohn des Referenten, Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD), sowie Stadtrat Robert Gasteiger (FW Dachau), der die Veranstaltung musikalisch an der Zither begleitete. Darüber hinaus begrüßte Erwin Hartmann Etzenhausener, deren Väter und Schwiegerväter noch am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatten: beispielsweise Thomas Hermann, Josef Gasteiger, Professor Dr. Hermann Welsch und Anni Walcher.

Referent Erich Hartmann schlug einen geschichtlichen Bogen von der Aufteilung der Welt durch die Großmächte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Weil die bestehende Pulverfabrik in Ebenhausen bei Ingolstadt den Bedarf an Munition nicht mehr decken konnte, musste eine weitere her. Die Wahl des Artillerieoffiziers Major Johann Vincenz Hofmann fiel auf das Würmmüllerhölzl zwischen Etzenhausen, Prittlbach und Hebertshausen – praktisch gelegen an der Amper im Westen, der Würm im Osten sowie dem Dachauer Moos am Pollnbach. Am 3. Mai 1915 kündigte das bayerische Kriegsministerium den Bau einer Pulver- und Munitionsfabrik, kurz PUMF genannt, an. Dafür trat die Gemeinde Etzenhausen 78 Tagwerk Wald für insgesamt 182 538 Mark ab. Für 170 000 Mark kaufte sie dann verschiedene Kriegsanleihen. Das Gelände war 200 Hektar groß. Nach dem ersten Bauabschnitt begann die PUMF Anfang 1916 mit der Produktion.

Bei Kriegsende am 11. November 1918 waren rund 8000 Menschen in der PUMF beschäftigt, vor allem Frauen und Kriegsversehrte, denn die wehrfähigen Männer waren an der Front. Doch mit dem Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 musste auf Friedensproduktion (Dreschmaschinen, Fenster und Türen) umgestellt werden, was wegen diverser Fehlentscheidungen allerdings gründlich schiefging. Tausende verloren ihre Arbeit und bescherten der Gemeinde Etzenhausen enorme Soziallasten.

„Wie viele Soldaten am Ersten Weltkrieg von der Gemeinde Etzenhausen mit Steinkirchen, Webling und Grashof am Krieg beteiligt waren, ist mir nicht bekannt“, sagte Erwin Hartmann. Aufgrund der Gedenktafel des am 26. August 1928 eingeweihten Kriegerdenkmals sind folgende zwölf Gefallene bekannt: Josef Kugler, Heinrich Gratzer, Matthias Hechendorfer, Franz Reischl, Friedrich Schnell, Johann Turner, Vitus Felsner, Karl Hobelsberger, Johann Mußsack, Josef Maier, Franz Paul Walter und Jakob Schmied. Ob das wirklich alle sind, konnte der Referent jedoch nicht garantieren.

Mit dem Kriegsende war es jedoch noch nicht vorbei mit dem Sterben. Nachdem im April 1919 die Kämpfe zwischen Einheiten der Regierung von Johannes Hoffmann, verstärkt durch Freikorps aus anderen Teilen Deutschlands, und der frisch gebildeten sogenannten Roten Armee auf Dachau und Umgebung konzentrierten, fielen bei der Rückeroberung Dachaus durch die weißen Truppen ein Offizier und drei Soldaten sowie als einziges ziviles Opfer in Etzenhausen Josef Groißmeier. Groißmeier bezahlte seine Neugierde mit dem Leben, als er die Kämpfe beobachten wollte.

Eine ab 6. Juli 1919 auf Initiative von Bürgermeister Welsch aufgestellte freiwillige Bürgerwehr unter Leitung von Ottmar Oefner musste im Juni 1921 wie überall in Deutschland wieder entwaffnet werden, weil das die Siegermächte des Ersten Weltkriegs ultimativ forderten.

Erwin Hartmann zitierte bei seinem Vortrag auch aus Feldpostbriefen und einer Rede eines Vereinsvorstandes von Etzenhausen, die dieser anlässlich der Einweihung des erwähnten Kriegerdenkmals hielt, und verschaffte so einen Eindruck der damaligen Denkweise, wenn es beispielsweise um den „guten Kamerad“ ging, der gefallen war, und zu dem Robert Gasteiger das gleichnamige Lied auf seiner Zither spielte. Gerade dieser Schluss machte die Etzenhauser nachdenklich. Reinhard-Dietmar Sponder

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