+
Sie schafften die Sensation: die Spieler der FC Papierfabrik gewannen die Münchner Firmenmeisterschaft. Hinten von links: die MD-Direktoren Wehner und Dr. Mang, FC-Vorsitzender Rudi Schromm, Alfred Wiesender, Emeran Lang, Otto Mayr, Leopold Fendt, Günter Scheibig, Hans Kernchen, Betreuer Georg Lang sowie vorne von links Spielertrainer Benno Hechenberger, Klaus Fiedler, Martin Fiedler, Werner Haase und Heinz Sattler.

Heute vor 50 Jahren gewannen die Fussballer des FC Papierfabrik die Münchner Firmenmeisterschaft

Das Wunder vom Wacker-Platz

Am heutigen Freitag ist es auf den Tag genau 50 Jahre her, dass den Fußballern des FC Papierfabrik Dachau die große Sensation gelang. Sie schlugen im Finale um die Münchner Behördenmeisterschaft den als unschlagbar geltenden SV Funkstreife mit 3:1 nach Verlängerung. Es war der erste Sieg eines Teams aus dem Umland in der Geschichte des Traditonswettbewerbs des Bayerischen Fußballverbandes.

Dachau – Die Münchner Firmen- und Behördenmeisterschaft im Fußball war einst ein beliebter Wettbewerb. Sogar Oberligafußballer – damals die höchste deutsche Spielklasse – standen in den einzelnen Teams. In den 60er Jahren galt der SV Funkstreife München als nahezu unschlagbar – bis der FC Papierfabrik Dachau kam. Genau heute vor 50 Jahren, am 23. Juni 1967, siegten die Mannen von Spielertrainer Benno Hechenberger im Finale mit 3:1 nach Verlängerung. Es war der erste Titelgewinn einer Mannschaft aus dem Münchner Umland.

700 Zuschauer kamen damals zum Platz des SV Wacker München, wo sich die beiden Sieger aus den Vorrundengruppen gegenüberstanden. Hier die von Alfons Stemmer, dem ehemaligen Stopper des TSV 1860, betreuten Landeshauptstädter, dort der krasse Außenseiter aus Dachau. Der FC Papierfabrik hatte seine Gruppe mit 29:7 Punkten gewonnen – vor den Teams von Siemens Hofmannstraße, Großmarkthalle und BMW. Fürs Finale aber rechneten sich die Dachauer nichts aus. „Funkstreife galt damals als unschlagbar“, erinnert sich Hans Kernchen, vor 50 Jahren linker Läufer der Papierfabrik. Am Ende sollte es anders kommen. Und Kernchen, heute 75 Jahre alt, sollte selbst ein Stück Fußballgeschichte schreiben.

Dass Kernchen auf dem Platz stand, war ausschließlich dem Wohlwollen eines Freundes sowie seiner Ehefrau zu verdanken. Der Spezl heiratete am Tag des Finales, Hans Kernchen war sein Trauzeuge, und Kernchens Gattin gab ihren Segen, damit der „Herr Fußballer“ die Hochzeitsfeierlichkeiten verlassen und zum Wacker-Platz düsen konnte.

Kernchen und seine zehn Kameraden gingen in die Partie unter der Devise: „Bloß nicht zu hoch verlieren.“ Bei 35 Grad Hitze legten die Kicker vom Polizistensportverein SV Funkstreife los, als wären sie der SV Feuerwehr. Der FC Bayern der Betriebsmannschaften schien die Dachauer zu erdrücken. Nur: Ein Tor gelang ihnen erst kurz vor dem Halbzeitpfiff. Bis dahin hatte die Abwehr um Torhüter Klaus Fiedler Schwerstarbeit verrichtet. An einen Sieg glaubte auf Dachauer Seite zu diesem Zeitpunkt nur einer: Papierfabrik-Direktor Mang. Er meinte zur Pause: „Dieses Spiel gewinnen wir.“ FC-Fan Mang sollte recht behalten.

Bereits drei Minuten nach Wiederangriff rauschte ein Weitschuss zum 1:1 in die Maschen des Funkstreife-Kastens. Torschütze: Hans Kernchen. Für die Münchner war der Ausgleich nur ein lästiger „Betriebsunfall“. Sie stürmten weiter auf das Dachauer Tor, erarbeiteten sich Chance um Chance, doch FC-Schlussmann Klaus Fiedler hielt an diesem Tag einfach alles. Und so stand es nach 90 Minuten weiter 1:1. Verlängerung.

In der Nachspielzeit bekam der FC nach sechs Minuten einen Freistoß zugesprochen. Was dann passierte, steht im Mitteilungsblatt der MD Papierfabrik später so geschrieben: „Unser linker Läufer Kernchen lief an und wir konnten es fast nicht glauben, es stand 2:1 für uns.“ Der FC Funkstreife war geschockt. Nur drei Minuten später machte FC-Spielertrainer Benno Hechenberger mit dem 3:1 alles klar. „Der Schlusspfiff ging unter im Jubel der zahlreich erschienenen Dachauer Schlachtenbummler“, schrieben dieDachauer Nachrichten damals in ihrem Bericht über die Schlacht vom Wacker-Platz.

Die große Meisterschaftsfeier des Bayerischen Fußballverbandes fand wenig später im Mathäser-Festsaal in München statt. Vertreter aller Firmenteams waren gekommen, als die elf Helden des FC Papierfabrik – Auswechslungen waren 1967 noch nicht erlaubt – auf die Bühne gebeten wurden. Der große Pokal samt Medaillen ging an: Torwart Klaus Fiedler, die Verteidiger Werner Haase und Heinz Sattler, die Läuferreihe Alfred Wiesender, Günter Scheibig und Hans Kernchen sowie die Sturmreihe mit Emeran Lang, Spielertrainer Benno Hechenberger, Leopold Fendt, Otto Mayr und Martin Fiedler.

Heute leben von den Helden von damals nur noch Werner Haase, Heinz Sattler, Alfred Wiesender und Hans Kernchen. Der FC Papierfabrik Dachau hat nach dem „Wunder vom Wacker-Platz“ nie wieder den Titel errungen. Gegner SV Funkstreife auch nicht. Doch der Verein der Polizisten steht heuer nach 50 Jahren erstmals wieder im Endspiel um die Münchner Firmen- und Behördenmeisterschaft. Gegner am Samstag, 22. Juli, wird der SC Landesbank sein.

Thomas Zimmerly

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ins Seven kommt ein Grieche
Die schlechte Nachricht: Das Seven in der Schleißheimer Straße in Dachau schließt. Die gute Nachricht: Es geht an Ort und Stelle weiter, allerdings mit einem anderen …
Ins Seven kommt ein Grieche
Was wird aus der Münchner Straße?
Wird die Innere Münchner Straße wieder zurückgebaut oder bleibt sie, wie sie ist? Der Verkehrsausschuss entscheidet am Mittwoch, 27. September.
Was wird aus der Münchner Straße?
So wollen die Kandidaten umsetzen, was auf ihren Plakaten steht
Vor der Bundestagswahl haben wir uns mal genau angeschaut, was so auf den Wahlplakaten steht. Dabei haben wir für jeden Direktkandidaten einen Spruch ausgewählt, mit dem …
So wollen die Kandidaten umsetzen, was auf ihren Plakaten steht
Indersdorfer fährt mit 2,5 Promille Auto
Zwei Autofahrer wurden am Dienstag mit Alkohol am Steuer erwischt. Ein 58-jähriger Indersdorfer hatte sogar 2,5 Promille - und zwei Schnapsflaschen neben sich.
Indersdorfer fährt mit 2,5 Promille Auto

Kommentare