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Mit Skalpell statt Abrissbirne: Frank Menauer (l.) und Hjalmar Hagedorn wollen den Hörhammer-Stadl restaurieren – vorsichtig und behutsam.

Baudenkmal hat neue Eigentümer

Zwei Ärzte küssen Hörhammer-Stadl wach

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Der Hörhammer-Stadl hat neue Eigentümer: Frank Menauer und Hjalmar Hagedorn, Dachauer HNO-Ärzte, haben das unter Denkmalschutz stehende Haus gekauft. Sie wünschen sich vor allem historischen Glanz.

Dachau Es ist einige Jahre her, seit sich Frank Menauer in die Dachauer Altstadt im Allgemeinen und in den Hörhammer-Stadl im Speziellen verliebte: Damals, Anfang der 2000er Jahre, kam er in den frühen Morgenstunden die Treppen von der Diskothek Rossini herauf, ging durch die Hintertür und hatte im Hinterhof, umgeben von historischen Häusern, eine Erkenntnis: „Die Altstadt liegt im Dornröschenschlaf.“ Von da an kreiste eine Idee in seinem Kopf, die er nun umsetzen will, zusammen mit seinem besten Freund Hjalmar Hagedorn: Die Ärzte wollen ein Baudenkmal aus dem Dornröschenschlaf wachküssen.

Seit Mitte Januar stand das ziegelrote Wohn- und Geschäftshaus in der Konrad-Adenauer-Straße 9 zum Verkauf. Eigentümer war eine Münchner Unternehmerin, die es geerbt hatte und inzwischen in der Schweiz lebt. Dr. Frank Menauer, 49, und Prof. Hjalmar Hagedorn, 50, zögerten nicht lange: Vergangenen Donnerstag unterschrieben die beiden Freunde den Kaufvertrag. „Gott sei Dank haben sich die Zeiten geändert“, sagt Menauer. „Es wird wieder in Historisches investiert.“ Für Menauer, der seit 2001 eine Hals-, Nasen-, Ohrenpraxis im medizinischen Versorgungszentrum an der Münchner Straße hat, ist es das zweite Sanierungsprojekt. Für ein Haus in der Martin-Huber-Straße erhielt er 2013 den Fassadenpreis der Stadt Dachau.

Seit 2001 lebt und arbeitet Menauer in Dachau. „Und ich liebe diese Stadt“, sagt er. Schwärmerisch beschreibt er die Herzenswärme, die ihn ergreift beim Anblick der aufgehenden Sonne über der Dachauer Altstadt. Schließlich konnte Menauer auch seinen Studienkollegen und besten Freund Hjalmar Hagedorn von dieser Liebe überzeugen: Hagedorn kam 2006 nach Dachau. Er ist Chefarzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Klinikum Dachau.

Für beide ist es eine „Herzensblutgeschichte“, sagt Menauer voller Nachdruck. Sie beide wollen das historische Haus „zurückführen zu altem Glanz“, die Originalfassade wieder sichtbar machen. Die neuen Eigentümer grenzen sich deutlich ab zu Bauträgern, die maximalen Gewinn aus einem Objekt herausholen wollen. Menauer geht es darum, in der Dachauer Altstadt, für ihn die „schönste Altstadt um München“, historische Bauten zu bewahren – vor Verfall, vor Stillstand.

Natürlich müssen die Kredite abbezahlt werden, sagt der 49-Jährige. „Aber schön wäre, wenn auch etwas von dem, was in dem Haus verdient wird, meinen Löwenkindern zugute kommt.“ Der Verein „Löwenkinder“, dessen Vorsitzender Menauer ist, unterstützt seelisch vernachlässigte Kinder und Jugendliche. Und dann ist da noch die Kunst: Dem Schöngeist Menauer schwebt „irgendetwas Künstlerisches im historischen Gewölbe“ vor.

Zudem wünscht sich Menauer Geschäfte, „dass die Dachauer hier Waschpulver und Lebensmittel kaufen können“. Erst im August hatte das Franziskuswerk seinen Laden in dem Haus endgültig aufgegeben, die Nachfolger-Suche verlief ohne Ergebnis. „Im Moment gibt es keine Interessenten“, sagt Peter Heiß vom Franziskuswerk. Der Mietvertrag läuft bis Februar 2019. Heiß, der noch nichts von dem Eigentümerwechsel wusste, wartet nun ab.

Menauer und Hagedorn sind voller Tatendrang. Menauer will sich auf die Suche nach alten Bildern von Stadtansichten machen. Dann wird er sich an das Landesamt für Denkmalschutz wenden, will mit Behörden und Politik an einem Strang ziehen. Menauer: „Es ist für mich Privileg und Verantwortung zugleich, so ein Haus zu restaurieren.“

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