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Der Hörhammerbräu gehört zur Dachauer Altstadt wie das Schloss oder St. Jakob. 

Der Hörhammerbräu in Dachau wird endlich renoviert

Die Geschichte eines Dachauer Urgesteins

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Ein Papst hat darin übernachtet, ein König darin gefeiert – der Hörhammerbräu ist eines der geschichtsträchtigsten Anwesen in der Dachauer Altstadt. 448 Jahre ist er alt, mindestens. Seit 16 Jahren steht er leer. Doch das soll sich ändern. Die Geschichte eines Dachauer Urgesteins.

DachauEinst gab es in Dachau – im Vergleich zu den Einwohnern – relativ viele Brauereien. Die aber waren viel kleiner als die heutigen, sie beschränkten sich meistens auf die Bierproduktion für das eigene Gasthaus. Doch die Brauereien waren Arbeitsplatz, Versammlungsort und Treffpunkt – und die Brauereibesitzer waren vermögend und hatten viel Einfluss.

In Dachau gab es vier wichtige Brauereien. Erste und älteste Brauerei war der Unterbräu, seit dem 13. Jahrhundert, an der unteren Marktbefestigung, neben dem Augsburger Tor. Zweiter war der Mitterbräu, in der Mitte des Markts, direkt unter St. Jakob. Dann der heutige Zieglerbräu, der 1608 vom Bräu Lündinger erworben wurde. Wenige Meter unterhalb liegt der Hörhammerbräu, oder auch: Oberbräu, wegen der Lage am Oberen Rand der Altstadt.

Erste Erwähnungen gab es um 1569: Um diese Zeit wurde „eine Mauer bei der Malztenne“ weggebrochen. Zu dieser Zeit aber stand das Gebäude vermutlich schon viele Jahre. Das Anwesen ist ein geschichtsträchtiger Platz. Papst Pius der VI. weilte 1782 eine Nacht in dem Anwesen. 1792 stiftet der Bräu und Besitzer Schmetterer ein Kranken-Spital für Dienstboten. 1806 feierte König Maximilian I. dort seine erste Namensfeier als König, von diesem Großereignis ist noch eine Steintafel erhalten.

1806 hat schon König Maximilian I. hier gefeiert, davon zeugt noch eine Steintafel am Eingang.

Anton Padua Hörhammer, ein Braumeister aus Abensberg, hat schließlich 1839 von dem Bräu Joseph Hierl die Brauerei „Gensstaller“ gekauft. Seitdem trägt sie den Namen „Hörhammerbräu“.

Der Hörhammer war dann die größte Unterkunft reisender Maler, wie Ludwig Dill, Julius Graumann, Adolf Hölzel, Leopold Kalckreuth oder Eduard Muencke. Am Gründonnerstag 1919 zogen die Roten Gardisten mit Ernst Toller in Dachau ein und besetzten den Hörhammerbräu.

Auf der Fotografie aus dem Jahre 1898 sind im Vordergrund die drei Hörhammer-Brüder am Tisch sitzend abgebildet; um sie herum Mitarbeiter oder Anteilseigner der damaligen Malzfabrik Dachau AG.

Im Jahre 1919 fusionierte die Hörhammerbrauerei mit der benachbarten Zieglerbrauerei zur Brauerei Schlossberg. Seither war der Hörhammer nur mehr Hotel und Gasthaus.

Die letzte Trägerin des Namens Hörhammer starb um 1952. Dann kam es zu größeren Erbauseinandersetzungen, und der gesamte Hörhammer ging in den Besitz der Familie Ziegler über. Es gab noch eine Blütezeit unter dem Pächter Bernd Oswald, in den 1980er Jahren war der Hörhammer ein florierendes Gasthaus und Hotel. Doch Oswald starb plötzlich und überraschend. Danach gab es noch andere Pächter, doch 2001 schloss das Gasthaus seine Pforten. Seitdem steht das Gebäude leer.

Damals war es noch im Salvator Grundbesitz AG. Sie hatte 2012 eine unglaubliche Idee: das Gebäude abreißen, und noch drei benachbarte Anwesen dazu. Nur die Fassaden zur Konrad-Adenauer-Straße sollten bestehen bleiben. Den Hang hinunter wollte man Wohnungen und ein Hotel bauen. Dazu das Versprechen: Die Gastwirtschaft werde wiederbelebt. Doch die Stadträte waren entsetzt, und sagten dazu entscheiden: Nein.

Schon zu dem Zeitpunkt wurde den Beteiligten wohl klar, dass nicht unbedingt wieder eine Gaststätte in das Haus kommen wird. Doch Stadtbauamtsleiter Michael Simon setzte auf eine „urbane, öffentliche Nutzung“, statt Gasthaus vielleicht auch Einzelhandel oder eine öffentliche Einrichtung.

Doch es blieb die Frage: Wer aber wird das Gebäude kaufen, es für Millionen sanieren, und dabei den Denkmalschutz beachten? Der heutige Baubestand des Mauer- und Dachwerks wurde um 1740 und 1770 errichtet. 

Der Dachstuhl ist denkmalgeschützt, aus dem Jahr 1770.

Es ist also uralt. Zudem hat sich wohl die Salvator Grundbesitz AG nicht sonderlich gut um das Gebäude gekümmert: Holzbauten sind durchnässt, überall schimmelt es.

Das Gebäude steht mittlerweile leer und ist recht heruntergekommen, die Fassade hinten bröckelt.

Ende 2015 aber geschah das kleine Wunder: Es gab einen Käufer. Das WU Wohnungsunternehmen GmbH & Co. KG, ein familiengeführtes Unternehmen mit Sitz in Grünwald, hat den Hörhammerbräu gekauft. Ende Mai wurde der Bauantrag eingereicht, am Dienstagnachmittag kam er in den Bauausschuss. Mit: drei Büroeinheiten und 48 Wohneinheiten. Dazu eine Tiefgarage mit 56 Stellplätzen. Außerdem sollte es an der Hangseite zwei- und dreigeschossige Anbauten geben mit fünf Wohneinheiten und Terrassenflächen. Darunter: ein Pavillon, Stützmauern, Treppen – und eine Brücke über den Mühbach. Die Besitzer versprechen in einer Pressemitteilung, „das Gebäude wieder im einstigen Glanz erstrahlen zu lassen“. Die Denkmalschutzbehörde begrüßt das Vorhaben.

Wie auch die Politiker. Lediglich das dritte Geschoss bei den Hanganbauten soll nicht erlaubt werden, darüber soll nun mit den Eigentümern verhandelt werden. Dann steht dem Vorhaben wohl nichts mehr im Wege.

Und das Gasthaus?

Das ist Geschichte.

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