Thomas Körner, Pfarrer an der Friedenskirche Dachau
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Thomas Körner, Pfarrer an der Friedenskirche Dachau

Die Pfarrer sind ob des Lockdowns irritiert, genervt und ratlos. Was dürfen sie und was nicht?

Landkreis Dachau: Hoffen auf das Oster-Wunder

Die Kirchen sollen auf Präsenzgottesdienste verzichten, lautete die Osterbotschaft der jüngsten Bund-Länder-Konferenz. Was bedeutet das nun in Dachau für das wichtigste Fest im Kirchenjahr? Die Pfarrer wissen es nicht. „Wir sind irritiert, genervt und ratlos“, sagt Thomas Körner von der Friedenskirche.

Dachau – Die Stimmung war zuletzt hervorragend in der evangelischen Friedenskirche. Seit 14. März werden in den Filialen in Dachau, Odelzhausen, Schwabhausen, Bergkirchen und Erdweg wieder Präsenzgottesdienste gefeiert, und vergangenes Wochenende wurde in Dachau auch noch die neue Pfarrerin Lisa Bühler ordiniert (siehe auch Lokalseite 3).

Doch als Pfarrer Thomas Körner als Leiter der Friedenskirche am Dienstag aufstand, war die gute Laune schlagartig verschwunden: Nach einem nächtlichen Beschluss der Bund-Länder-Konferenz sollten die Kirchen – katholische wie evangelische – an Ostern auf Präsenzgottesdienste verzichten. Wohlgemerkt: sollten. Was das konkret für die Seelsorge vor Ort bedeutet? „Keine Ahnung, wir wissen es nicht.“ Körner gibt daher zu, „sehr irritiert, genervt und ratlos“ zu sein.

Albert Hack, Pfarrer im Pfarrverband Bergkirchen-Schwabhausen

Körners katholischer Kollege Albert Hack vom Pfarrverband Bergkirchen-Schwabhausen denkt ähnlich: Milde gesagt sei er „stinksauer“. Von den Beschlüssen wisse er bislang nur aus der Presse, weshalb er nun dringend auf konkrete Anweisungen von der Landesregierung wartet – „die wahrscheinlich erst im letzten Moment eingehen“. Grundsätzlich bedauert er, dass die Politik nach einem Jahr Pandemie „nichts dazugelernt hat“.

Immerhin aber haben die Kirchen gelernt, sie sind vorbereitet. So hat die Friedenskirche laut Körner in den vergangenen Pandemie-Monaten 3500 Euro in Technik investiert – also in Kameras, Verkabelung und Schaltpulte – sowie Ehrenamtliche akquirieren können, die eine mehr oder weniger stimmungsvolle Übertragung eines Gottesdienstes ins Netz sicherstellen. Die Resonanz, so der evangelische Pfarrer, war dabei gar nicht einmal so schlecht: Den großen Weihnachtsgottesdienst etwa hätten 90 Gemeindemitglieder vom Computer aus verfolgt. Aufgrund dieses Erfolgs sei auch für das kommende Osterfest angedacht gewesen, neben den Ostergottesdiensten vor Ort auch digitale Angebote zu schaffen.

Zudem gibt es funktionierende Hygienekonzepte, die Körner zufolge dazu geführt hätten, dass es in der Friedenskirche nicht einen Fall einer Coronainfektion gegeben habe. Auch Hack betont: „Wir haben ein bewährtes Hygienekonzept, verzichten auf Gesang, haben ein Anmeldeverfahren, um Kontakte nachzuvollziehen, und arbeiten solide.“ Die Online-Angebote, so sicher sie daher sein mögen, stellen für Hack nur einen schwachen Ersatz dar: „Gerade für die älteren Bürger sind die Gottesdienste der Höhepunkt der Woche, um der Einsamkeit zu entfliehen.“ Für Hack sind die jüngsten Beschlüsse der Politik daher nichts anderes als ein „massiver Eingriff in kirchliches Leben“.

Da der neue Kirchen-Lockdown aber zumindest ein bisschen absehbar gewesen sei, wie Friedenskirche-Mann Körner zugibt, habe er nicht nur technisch, sondern auch schon seelsorgerisch vorgesorgt. So gibt es die „Dachauer Wäscheleine“ vor der Friedenskirche, wo Gemeindemitglieder kleine Präsente zum Thema Ostern mitnehmen können; zudem ist sein Gotteshaus täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, um Ruhesuchenden an Meditationsstationen die Gelegenheit zur geistigen Einkehr zu bieten.

Alle Gottesdiensttermine der nächsten Tage wollen die Gemeinden – die katholischen wie die evangelischen – auf ihrer Internetseite sowie in der Heimatzeitung veröffentlichen. Bis dahin, so die Hoffnung, dürfte dann auch von Seiten der politischen und kirchlichen Vorgesetzten das weitere Vorgehen feststehen.

Bei der Lösung der Krise, sagt Körner fast schon achselzuckend, „können wir leider keine Wunder bewirken. Das kann nur unser Chef“. Der allerdings, gibt er mit einem Lächeln zu, „antwortet nur leider nicht sofort“. ink/zip

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