Eine Frau
+
Sie gibt nicht auf: Lida Ansari versucht weiterhin, ihre Schwester zu retten.

Dachauerin fürchtet um das Leben ihrer Schwester in Afghanistan

Hoffen auf ein Lebenszeichen

  • Nikola Obermeier
    VonNikola Obermeier
    schließen

Seit Tagen hat die Dachauerin Lida Ansari nichts von ihrer Schwester in Afghanistan gehört.

Dachau – Die Dachauerin Lida Ansari bangt weiter um das Leben ihrer Schwester, die sich immer noch in Kabul befindet. Die frühere Regierungsangestellte und Staatsanwältin stand auf der Liste der besonders gefährdeten Personen und sollte am Sonntag mit einem der letzten Evakuierungsflüge der italienischen Armee aus der Hauptstadt Afghanistans gerettet werden.

Lage verschärft sich dramatisch

Seit Sonntag hat Lida Ansari nichts mehr von ihrer Schwester gehört. Wie berichtet, ist die 48-jährige Schwester der Dachauerin zum einen aufgrund ihres Geschlechts, aber auch aufgrund ihrer früheren Tätigkeit, zu der auch gehörte, Taliban ins Gefängnis zu bringen, in Lebensgefahr. Obwohl die Juristin auf der Liste des deutschen Auswärtigen Amts stand, war sie auf keinem der Bundeswehr-Rettungsflüge nach Deutschland mitgenommen worden. Aufgrund der Kontakte von Oberbürgermeister Florian Hartmann zur Dachauer Partnerstadt Fondi sah es am Sonntagabend so aus, als könne die 48-Jährige mit den Amerikanern nach Rom ausfliegen. „Wir haben alle Papiere ausgefüllt, das Auswärtige Amt in Rom hat sie an die Amerikaner geschickt“, berichtet Lida Ansari. Ihre Schwester machte sich mit ihrer Familie auf den Weg zum Flughafen. Doch dann machten die Amerikaner den Flughafen in Kabul dicht und ließen keine Zivilisten mehr hinein – als Reaktion auf den Anschlag wenige Tage zuvor. In der Nacht zum Montag zogen die USA ihre letzten Soldaten vom Flughafen in Kabul ab.

Kontakt zwischen Lida und ihrer Schwester abgerissen

Seitdem ist der Kontakt zwischen Lida Ansari und ihrer Schwester abgerissen. „Ich versuche, über Freunde herauszufinden, wo sie ist“, sagt die Dachauerin, die auf ein Lebenszeichen ihrer 48 Jahre alten Schwester, deren Mann, vier Kinder, Schwiegertochter und des einjährigen Enkelkindes hofft (wir haben berichtet). „Ich frage mich, wie sie sich versorgen, woher sie etwas zu essen bekommen, wie sie finanziell über die Runden kommen?“

Zuletzt hatte sich die Familie jede Nacht woanders versteckt, in Kellern. Lida Ansari ist sich sicher, dass die Taliban ihre Schwester töten werden, wenn sie sie entdecken, da sie für die abgesetzte Regierung als Staatsanwältin gearbeitet hat, sich für Frauenrechte und für die Ausbildung von Mädchen eingesetzt hat. Ihre Hoffnung ist nun, dass ihre Schwester auf dem Landweg vor den Taliban fliehen kann, der als sehr gefährlich gilt – oder, dass die Politik Wege findet, zurückgelassene Menschen aus Afghanistan herauszuholen.

Lida Ansari erfuhr bereits viel Unterstützung, nicht nur von Politikern und Abgeordneten. „Viele Menschen haben sich gemeldet und sich eingesetzt, dafür bin ich sehr dankbar. Ich bleibe dran und versuche weiterhin, meine Schwester, Freunde und Bekannte zu erreichen. Ich gebe nicht auf!“

Dachau-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Dachau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Dachau – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare