Kleines Lager mit buntem Holzzaun
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Aus der Kindertraum: Auf einem städtischen Grundstück neben einem Stromkasten (links) an der Franz-Xaver-Böck-Straße hatten Kinder ein Lager gebaut. Das muss nun weg.

Stadt Dachau ordnet Räumung eines selbst gebastelten Spielplatzes an

Hübsch und kreativ, aber verboten

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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In Dachau müssen Kinder ihr selbst gebautes Lager abbauen - weil sich ein Nachbar anonym beschwert hat.

Dachau – „Grundsätzlich“, findet Hauptamtsleiter Josef Hermann, ist es „immer schwierig, wenn Kinder etwas mit Herzblut machen.“ Der selbst ernannten „Lagerbande“ am Udldinger Weiher musste die Stadt aber dennoch ein Ende bereiten.

Im Lauf der vergangenen Monate hatten sich Buben und Mädchen aus der Nachbarschaft der Franz-Xaver-Böck-Straße ein kleines Reich geschaffen – inklusive einer kleinen Hütte, die sie laut Nachbarin Grit Wagner immer wieder „erweitert und verschönert“ hatten. Die Spielfläche, beteuert Wagner, „hat keinen hier gestört“!

Doch so ganz scheint dies nicht zu stimmen. Ein – anonymer – Nachbar hatte sich nämlich ganz offensichtlich doch daran gestört und sich an die Stadt gewendet. Vor allem das „Erscheinungsbild“, so Hermann, habe der Nachbar beklagt. Die Stadt schaute sich die Sache daraufhin genauer an und stellte erstens fest, dass die „Lagerbande“ ihr Zelt auf öffentlichem Grund und zweitens in gefährlicher Nähe eines Stromkastens der Stadtwerke aufgeschlagen hatten. Die aber müssen im Notfall ungehindert an ihre Stromkästen gelangen können; im Fall einer Beschädigung könnte der Kasten zudem eine unmittelbare Gefahr für die Kinder darstellen. Der Fall war daher klar: Die Hütte der „Lagerbande“ musste weg. „Wir haben diesen Einzelfall geprüft, wir haben es mit den Stadtwerken besprochen, und am Ende sind das nun mal die Tatsachen“, so Hauptamtsleiter Hermann.

Nachbarin Wagner ist traurig, dass die Kinder ihren selbst gebastelten Spielplatz, der „nicht gefährlich, nicht anstößig“ gewesen sei, nun abbauen mussten. Richtig wütend ist sie aber auf den anonymen Nachbarn, der den Ort, „an dem die Kinder ihrer Phantasie spielerisch ihren Lauf gelassen haben“, bei der Stadt gemeldet hatte: Dieses Verhalten sei „derart feige“! Jeder Bewohner am Udldinger Weiher habe gewusst, „dass es sich um einen kreativen Spielplatz handelt“. Aber klar, das sieht auch Nachbarin Wagner ein, war die Hütte an dieser Stelle „grundsätzlich verboten“.

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