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Wo ein Huhn noch flattert und gackert

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© mik

Hilgertshausen – Bio-Eier, die gar keine sind? Der Skandal um falsch gekennzeichnete Eier macht die Verbraucher unsicher: Worauf kann man sich noch verlassen? Der Ferlhof im Landkreis Dachau verkauft Eier, auf denen „Bio“ steht – und ganz offenbar auch drin ist.

Der Ferlhof in Hilgertshausen bietet Bio-Eier an – und zwar echte. In den drei Ställen mit insgesamt 1500 Hennen hat jede einzelne genügend Platz für sich, kann hingehen, wo sie will. Im Winter sind die Legehennen zwar größtenteils im Stall, können aber jederzeit in das überdachte Freiluftgehege wechseln. Drinnen haben sechs Hühner im Schnitt mindestens einen Quadratmeter Platz. Im Sommer sind die Hennen meist draußen auf der Wiese, dort hat jede Henne vier Quadratmeter nur für sich. Die Hühner haben flauschige Daunen und glänzende, braune Federn. Einige scharren am Boden, bei anderen scheint es gar so, als würden sie sich auf den Sitzstangen gackernd amüsieren.

Erika und Max Demmelmair wirtschaften auf ihrem Ferlhof ausschließlich ökologisch. Und werden dabei kontrolliert. „Momentan gibt es bis zu 28 Kontrollstellen in Deutschland, die im Namen der Landesanstalt für Landwirtschaft Betriebe speziell auf die Bezeichnung ,Bio’ prüfen“, erklärt Michael Arndt von der Landwirtschaftsanstalt Bayern. Mindestens einmal im Jahr kommt ein Kontrolleur auf den Hof – angemeldet, von dem IMO (Institut für Marktökologie). Die Prüfer können aber auch stichprobenartig ohne Voranmeldung jederzeit vorbeikommen, erklärt Erika Demmelmair. „Sie gleichen die Kaufbelege der Junghennen mit der Größe des Stalles ab, ob die Verhältnisse stimmen“, erklärt die Hofbesitzerin, „außerdem prüft er auch die Kaufbelege des Futters, ob es ebenfalls Bio ist.“ Außerdem geht der Prüfer in die Ställe und schaut sich den Zustand der Hühner an. „Er misst auch die Sitzstangen ab, ob die genug Platz bieten. Die Prüfung dauert meist einen ganzen Tag“, schildert Demmelmair. Seit 15 Jahren produzieren die Demmelmairs Bioprodukte, Eier seit etwa fünf Jahren.

Bei insgesamt 1500 Hennen kommen eine Menge Eier zusammen: 80 Prozent der Hennen legen täglich ein Ei. Der Skandal hat Erika Demmelmair erschreckt: „Das Erste, an das ich gedacht habe, als ich von dem Betrug mit den Eiern gehört habe, ist, dass es sich eventuell um Produkte mit dem staatlichen Bio-Siegel handeln könne.“ Hier seien die Richtlinien nicht so streng und die Kontrollen wie bei den Verbandssiegeln (siehe Kasten). Petra Düring, BBV-Kreisgeschäftsführerin, kann sich den Betrug nur mit Unachtsamkeit erklären. „So etwas darf nicht sein, das ist nicht in Ordnung. Es ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein starker Verstoß gegen die Ökolandgesetze“, ärgert sich Düring. Aber:. „In Bayern wurde so ein Fall aber noch nicht gemeldet.“ Tatsächlich könne es aus Versehen vorkommen, dass in der Prüfung Eier fälschlicherweise als Bio angesehen werden, sagt Arndt. „Prüfer und Bauern sind ja auch nur Menschen. Aber was jetzt da oben im Norden passiert ist, ist auf jeden Fall vorsätzlich geschehen“, behauptet er – wahrscheinlich seien Kaufbelege nicht vorgezeigt oder sogar Dokumente gefälscht worden.

(mik)

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