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Was für eine Ehre: ein Bild mit den Scorpions. Das werden die vier Dachauer der Band Kandinsky nie vergessen.

Die Dachauer Band Kandisky in Oswiecim

„Das werden wir nie vergessen“

Eine Bühne mit den Scporpions, begeisterte polnische Rockfans, aber auch intensive, bittere Eindrücke in den KZ-Gedenkstätten: Ihren Aufenthalt in Oswiecim wird die Dachauer Band Kandinsky nie vergessen.

Dachau/OswiecimDie Band Kandinsky aus dem Landkreis Dachau – das sind Michi Gässl, Chris Langer, Ben Meyer und Patrick Kerling – war in diesem Jahr beim Life-Festival in Oswiecim in Polen zu Gast und spielte auf derselben Bühne wie die Scorpions und Shaggy. Chris Langer erzählt im Interview von den aufregenden Tagen in Auschwitz.

-Mit welchen Eindrücken seid Ihr aus Oswiecim zurückgekehrt?

Um ehrlich zu sein, mit sehr gemischten Gefühlen. Auf dem Festival aufzutreten, bekannte Musiker persönlich kennenzulernen, backstage zu feiern und mit einer tollen Gruppe unterwegs zu sein, war natürlich super. Auch die Stadt Oswiecim war wunderschön, und wir wurden sehr herzlich empfangen. Und die Gruppe von Jugendlichen und Pädagogen, mit denen wir diese Reise unternommen haben, war sehr angenehm. Nachdem wir jedoch die KZ-Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau besucht hatten, konnten wir erst einmal gar nicht verarbeiten, was wir dort alles gesehen haben. Das war mit Sicherheit das Schrecklichste, das wir je zu Augen bekommen haben. Allerdings ist gerade das auch ein Grund, wieso jeder einmal diesen Ort besuchen sollte. Im Großen und Ganzen war jeder einzelne Punkt eine Erfahrung, die wir nicht missen möchten.

-Wie war Euer Auftritt?

Der Auftritt war sehr gut. Wir haben extra einige neue Songs in unsere Setlist aufgenommen und sie in Oswiecim zum ersten Mal auf einer Bühne performt. Vor dem Soundcheck waren wir noch sehr aufgeregt, da wir zum ersten Mal für die Hauptbühne eines Festivals gebucht waren. Das hat sich aber dann ganz schnell erledigt: Obwohl die Bühne mit den Maßen von 22 mal 16 Meter deutlich größer ist, spielt es sich wie auf jeder anderen Bühne dieser Welt. Es macht einfach Spaß, und wenn es dem Publikum gefällt, umso mehr.

-Seid Ihr mit den großen Bands in Kontakt gekommen?

Der Backstage-Bereich war ein kleines Highlight auf dem Festival. Unser Bereich war super vorbereitet, und man fühlte sich wie ein Rockstar, dem jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird. Das Beste daran war, dass man alle anderen Bands kennengelernt hat, und gemerkt hat, dass das auch einfach nur normale Musiker sind. Wir haben uns beispielsweise super mit „LP“ verstanden, die gerade weltweit mit „Lost on you“ in den Charts vertreten sind. Den Auftritt von Shaggy haben wir direkt von der Bühne aus verfolgt, mit seiner Band gequatscht und noch ein Foto mit ihm gemacht. Schwierig war es nur bei den Scorpions, da nur eine extrem begrenzte Anzahl von Leuten mit ihnen ein Foto machen durfte – zum Beispiel die Organisatoren des Festivals. Unser Landrat Stefan Löwl hat es uns aber noch ermöglicht, kurz Hallo zu sagen und ein Foto zu bekommen.

-Gab es einen Unterschied zu den Auftritten in Deutschland?

Nein, eigentlich gibt es da keinen spezifischen Unterschied. Man wird nur ein wenig anders wahrgenommen, da die Musik in Polen hauptsächlich von polnischen Bands dominiert wird. Da gilt man als deutsche Band als Exot – was aber eher positiv als negativ einzustufen ist.

-Was werdet Ihr von der Zeit in Polen immer in Erinnerung behalten?

Da gibt es eine ganze Menge: Die ganze Atmosphäre, die über dem Festival schwebte, war außergewöhnlich schön und entspannt. Die Besuche der Gedenkstätten waren sehr intensiv und schockierend. Im Backstage-Bereich zu feiern und auf derselben Bühne wie die Scorpions zu stehen, ist etwas, das man nie mehr vergessen wird. Und die Stimmung und Euphorie, die der Auftritt bei uns ausgelöst hat, steckt immer noch in unseren Köpfen.

Interview:Conny Kirmaier

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