„Jemand muss ja mal den Anfang machen!“ , sagt Katharina Schmid, die Lauterbacher Kommandantin. foto: privat

Feuerwehren sollen weiblicher werden

Frauen trauen sich (noch) nicht

Die Feuerwehr ist noch immer eine Männerdomäne – auch im Landkreis. In den meisten Mannschaften gibt es nur wenige oder gar keine Frauen, trotz der jüngsten Kampagne „Frauen zur Feuerwehr“ des Landesfeuerwehrverbands. Warum ist das so? Die Heimatzeitung hat nachgefragt.

Landkreis – Der Landesfeuerwehrverband (LFW) hat sich bei seiner Kampagne „Frauen zur Feuerwehr“ wirklich alle Mühe gegeben: Videos von aktiven Feuerwehrfrauen mit schweren Atemschutzgeräten und am Feuerwehrschlauch sollten bei Mädchen und Frauen die Lust wecken, ehrenamtlich Dienst am Nächsten zu leisten, Teil der Helferteams zu werden und sich gemeinsam mit den männlichen Kameraden der Brandbekämpfung zu widmen. Doch so richtig gezündet hat die Kampagne bislang nicht. Nur 121 der insgesamt 2419 aktiven Feuerwehrler im Landkreis sind weiblich, bei den Jugendlichen immerhin 83 von 330.   

Die Freiwillige Feuerwehr Altomünster ist in dieser Hinsicht typisch. Kommandant Peter Heinrich sagt: „Wir haben eigentlich nur immer zwei bis vier Frauen in der Mannschaft. Es ist immer noch eine Männerdomäne.“ Den Grund dafür sieht Heinrich allerdings nicht in mangelnder Motivation der Frauen, sondern einfach in ihrer körperlichen Unterlegenheit: Frauen hätten schlicht größere Probleme, die schweren Gerätschaften zu tragen, wie Motorpumpe oder Notstromaggregat.

Der Kommandant der Indersdorfer Wehr, Thomas Burgmair, denkt ähnlich. Klar, die körperliche Verfassung spiele eine Rolle. Er sagt aber auch: „Es gibt bei beiden Geschlechtern Schwächere.“ Derzeit absolvierten sieben Frauen von insgesamt 24 Mitgliedern die Grundausbildung in Indersdorf: Und diese Frauen, sagt Burgmair, „stehen genauso ihren Mann“!

Katharina Schmid ist das dafür das beste Beispiel. Schmid ist Kommandantin der Feuerwehr Lauterbach – die einzige Kommandantin im Landkreis! Sie ist seit rund drei Jahren im Amt, vier Frauen sind in ihrer Mannschaft. Und auf die ist das Lauterbacher Gerätehaus auch ausgerichtet, so Schmid: „Es gibt getrennte Toiletten, Duschen und Umkleideräume.“

Tatsächlich müssen neue Feuerwehrhäuser mittlerweile mindestens ein WC und eine Dusche für weibliche Einsatzkräfte sowie einen nach Geschlechtern getrennten Umkleideraum vorhalten, sagt Architektin Birgit Zehrer aus Dachau. Für die alten Häuser gelte jedoch eine Ausnahmeregel, die Feuerwehren könnten mit pragmatischen Regelungen die fehlenden Sozialräume für Frauen wettmachen: „Dann muss man halt eventuell ein Schloss für die Toilette anschaffen“, sagt etwa Dachaus Feuerwehr-Sprecher Wolfgang Reichelt. Ohnehin sei die Tatsache, dass viele alte Feuerwehrhäuser keine getrennten Duschen oder Toiletten hätten, oft „nur ein Vorwand gewesen, um keine Frauen aufnehmen zu müssen“.

Heute ist das anders, sagt Rudolf Effner, Kommandant der Feuerwehr Hilgertshausen. „Wir sind froh um jede Frau, die mitmacht!“ Dennoch findet sich in seiner 56 Mann starken Truppe keine einzige Frau. Die letzte, eine 19-Jährige, habe vor zwei Jahren wegen eines Umzugs ihren Dienst in Hilgertshausen quittiert. Auch in Bergkirchen gibt es derzeit – trotz intensivster Anwerbeversuche – keine Frau im 26-köpfigen Team.

Bei den Pipinsrieder Feuerwehrlern ist, immerhin, unter den 18 erwachsenen Helfern eine Frau. Beim Nachwuchs ist die Quote sogar 50:50: Die Pipinsrieder Jugendfeuerwehr setzt sich aus einem Buben und einem Mädchen zusammen.

Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser ist langfristig gesehen aber optimistisch: „Während sich Frauen früher nicht in die Männerdomäne Feuerwehr reingetraut haben, ist der Anteil weiblicher Mitglieder in den letzten Jahren immerhin leicht gestiegen.“ Und auch Katharina Schmid sieht die Gründe für den Frauenmangel hauptsächlich in der Schüchternheit ihrer Geschlechtsgenossinnen. Sie selbst gehe deshalb mit gutem Beispiel voran, denn: „Jemand muss ja mal den Anfang machen!“

Lisa Specht und Anna Schwarz

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