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Demenz: Im Landkreis Dachau gibt es kaum Pflegeplätze für Betroffene

Geschlossene Station nur in einem Pflegeheim in der Stadt

Wenig Plätze für Demenzkranke

Immer mehr Menschen im Landkreis leiden an Demenz. Für viele Menschen bleibt nur noch eine Möglichkeit für den Lebensabend: das Pflegeheim. Doch mit Plätzen für schwer Demenzkranke in Dachau sieht es schlecht aus.

Landkreis – Vom einen auf den anderen Moment ist alles anders: Die Oma erkennt ihre Enkel nicht mehr, sie vergisst, was sie zu Mittag gegessen hat oder verläuft sich auf dem Weg zum Bäcker. „Die Nachfrage für Plätze im Pflegeheim steigt“, sagt Stefan Hildebrand von der Heimaufsicht des Landratsamtes: „Sowohl für Menschen im normalen geistigen Zustand als auch für Demenzkranke.“ Der Grund: Der Landkreis wächst ungebremst, und Menschen werden immer älter. Doch für schwer Demenzkranke, die sich nicht mehr alleine zurechtfinden, gibt es in den stationären Pflege-Einrichtungen in Dachau nur wenige Plätze.

Insgesamt stehen im Landkreis rund 1600 Plätze für Senioren in 13 Pflegeeinrichtungen zur Verfügung. „Jeder, der einen Pflegeplatz braucht, bekommt auch einen“, sagt Hildebrand. Rund 20 Prozent der Plätze seien sogar frei. Auch für schwer Demenzkranke, die sich selbst gefährden würden, wenn sie alleine spazieren gehen, gibt es 120 Plätze in „beschützenden Stationen“. Dort wird hinter dem Wohnbereich des Demenzkranken die Tür zugesperrt. Der Arzt spricht die Empfehlung dafür aus, das Amtsgericht Dachau muss die Freiheitsentziehung durch einen Unterbringungsbeschluss genehmigen. Doch mit Plätzen auf den geschlossenen Stationen in der Stadt Dachau sieht es schlecht aus.

Es gibt derzeit nur eine Station in der Stadt im Marienstift in der Schillerstraße für schwer Demenzkranke, die ihren Wohnbereich nicht mehr verlassen sollen.

„Doch der Marienstift ist überfüllt“, sagt Thea Zimmer, 82, vom Seniorenbeirat Dachau. 19 von 20 Plätzen auf der geschlossenen Station sind derzeit belegt. Die Nachfrage ist hoch: „Wir haben sehr viele Anfragen, aber keine Plätze“, sagt Gertrud Heckmair vom Marienstift.

Deshalb müssen die schwer Demenzkranken oft ihre Heimat Dachau verlassen – und in den vier anderen Einrichtungen im Landkreis mit geschlossenen Stationen untergebracht werden, wie dem Pro Seniore in Ebersbach, dem Danuvius-Haus in Petershausen und dem Senterra- Pflegezentrum in Indersdorf.  

Doch wenn Demenzkranke umziehen müssen, hat das Konsequenzen, sagt Zimmer: „Das ist besonders schlimm, weil sie aus ihrer gewohnten Umgebung und ihrem Umfeld herausgerissen werden.“ Der Seniorenbeirat hat auch schon bei OB Florian Hartmann wegen eines städtischen Wohnheims für Senioren in Dachau nachgefragt, vor allem für Demenzkranke. Seine Antwort: Er will schauen, was sich machen lässt.

In Petershausen gibt es wiederum noch Plätze auf der geschlossenen Station, sagt Heimleiterin Christine Richter: 32 von 34 Plätzen sind belegt. Doch Zimmer kritisiert: „Wenn jemand 90 und dement ist, dann ist es auch für die Tochter mit 70 schwierig, nach Petershausen oder nach Ebersbach zu kommen.“

Doch braucht es überhaupt mehr geschlossene Stationen für Demenzkranke? Christine Richter, Leiterin des Danuvius-Hauses in Petershausen, sieht als Ziel, die Menschen eher auf offenen Stationen unterzubringen und nicht einzusperren. Denn vor allem, wenn Senioren einziehen und sich noch nicht auskennen, gebe es oft die Tendenz zum Weglaufen. Das lege sich aber mit der Zeit – und Demenzkranke könnten von der geschlossenen auf eine offene Station verlegt werden. Auch Hildebrand betont: „Ziel ist es nicht, die Menschen auf einer geschlossenen Station unterzubringen.“ Anna Schwarz

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