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Wenig Geld und wenige Einsätze: Haus- und Notarzt Dr. Stefan Skoruppa in seiner Praxis im Jetzendorfer Ortsteil Priel.

Nicht alle Schichten sind besetzt

Notarztproblem im Dachauer Hinterland

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Wer im Dachauer Land akut schwer erkrankt, geht davon aus, dass ihm ein Notarzt hilft. Garantiert ist das aber nicht. Bei der Besetzung der Schichten gibt es vor allem im Hinterland Probleme.

Landkreis – Dr. Stefan Skoruppa, 40, ist als Hausarzt und Notarzt im Einsatz. Als Notarzt sei er in letzter Zeit nur noch sehr selten unterwegs, sagt der Jetzendorfer, denn: „Ein Notarzt bekommt weniger als ein Hausarzt, obwohl er eine höhere Qualifikation benötigt.“ Genauer gesagt erhält der Notarzt 96 Euro für einen Einsatz, aufgeteilt in eine Grundpauschale in Höhe von 20 Euro sowie eine Einsatzpauschale in Höhe von 76 Euro, die sich jedoch ab dem vierten bis sechsten Einsatz auf 25 Euro vermindere, so Skoruppa. Als Hausarzt hingegen könne er bei Hausbesuchen 120 Euro verlangen, rechnet er vor. Hinzu komme, dass ein Notfallmediziner im beschaulichen Dachauer Hinterland relativ wenige Einsätze habe, während etwa seine Kollegen in Großstädten wie München oder Augsburg während einer Schicht ordentlich zu tun hätten.

Skoruppa ist nicht der einzige Arzt im Landkreis, den diese beiden Gründe abschrecken. Es geht vielen Kollegen so. Und das hat Folgen: Anfang November waren im Zeitraum bis Weihnachten an den beiden Notarztstandorten Dachau und Indersdorf insgesamt nicht weniger als 16 Schichten offen. Per Gesetz zuständig für die Besetzung ist die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB). Pressesprecherin Birgit Grain sagt, dass sich die Lage mittlerweile etwas entspannt habe, gibt aber zu: „Im Dezember sind an den Notarztstandorten Dachau und Markt Indersdorf noch vereinzelte Dienste unbesetzt.“ Grain geht aber davon aus, dass die Lücken noch geschlossen werden.

Dazu würden per E-Mail sogenannte Aushilfen um Hilfe gebeten, so Grain weiter. Hierbei handele es sich um Ärzte, die nicht zwingend nur einem Standort zugeordnet seien. Ob schließlich bis Weihnachten alle Dienste besetzt sind, bleibt abzuwarten. Es könnte sein, dass im Rettungswagen „nur“ Notfallassistenten und Rettungsassistenten mitfahren. Ersterer kann zum Beispiel Medikamente spritzen. Den Notarzt voll und ganz ersetzen kann er nicht.

„Es gibt keinen Zwang, Notarztdienste zu machen“, erklärt Prof. Dr. Peter Sefrin. Dies sei jedoch nicht mit dem Bereitschaftsdienst zu verwechseln, zu denen die Ärzte verpflichtet seien, so Sefrin, der in den 1960er Jahren das Notarztwesen in Deutschland mitaufgebaut hat. Möchte ein Mediziner Notarztdienste verrichten, müsse er eine umfangreiche Qualifizierung absolvieren, während der er beispielsweise bei 50 Notfalleinsätzen mitfahren muss. Am Ende steht laut Sefrin eine Prüfung bei der Ärztekammer an. „Da ist es verständlich, dass viele Ärzte keine besondere Zuneigung zu einer Zusatzqualifikation verspüren.“ 

Neben der Besetzung der Notarztschichten gibt es im Dachauer Hinterland noch eine weitere Problematik. „Bei uns in Jetzendorf ist man ziemlich weit ab vom Schuss. Da schicken sie den Hubschrauber als Notarzttaxi“, sagt Stefan Skoruppa. Oft hebe der Heli allerdings nur deshalb ab, damit die Hilfsfrist eingehalten werden könne, die in Bayern zwölf Minuten ab dem Beginn der Anfahrt beträgt. Die für den Einsatz des Rettungshubschraubers zuständige Integrierte Leitstelle Fürstenfeldbruck wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Skoruppa ist sich sicher, dass der „Einsatz eines Hubschraubers nicht immer notwendig ist – und billiger als ein Rettungswagen ist er sicherlich auch nicht“.

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