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Schöffen gesucht

Volkes Stimme auf der Richterbank

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Das Gesetz schreibt vor, dass Berufsrichter an Amts- und Landgericht in Fällen, bei denen hohe Strafen zu erwarten ist, von zwei Laienrichtern unterstützt werden. Es werden wieder Schöffen gesucht.

Landkreis – „Es macht Spaß, es ist interessant und am Ende sehr befriedigend, wenn man das Gefühl hat, Recht gesprochen zu haben!“ Robert Demmel ist seit 2014 ehrenamtlicher Richter am Jugendschöffengericht Dachau. Ende des Jahres läuft seine fünfjährige Amtszeit aus.

Zirka vier bis fünf Verhandlungen pro Jahr hat der hauptberufliche Gymnasiallehrer aus Dachau in seiner Amtsperiode als Schöffe begleitet. Neben einem „Blick hinter die Kulissen des Rechtssystems“, wie Demmel es formuliert, hat das Ehrenamt aber auch tiefere Eindrücke bei ihm hinterlassen: „Die Arbeit als Schöffe hat mein Vertrauen in den Rechtsstaat gefestigt.“

Vor allem aber habe er gemerkt, „wie gut es mir geht und in welch heiler Welt ich eigentlich lebe“. Die Jugendlichen, die vor ihm auf der Anklagebank saßen, hätten oft „schockierende Biographien“, sie seien „Opfer ihrer Umgebung“. Diese sozialen Härtefälle hätten sogar ihn, den erfahrenen Pädagogen, an seine Grenzen getrieben: „Es ist schon belastend zu sehen, welche Milieus es gibt, die uns scheinbar so fern sind, aber doch vor unserer Haustür passieren.“

Das Jugendstrafrecht biete in diesem Zusammenhang immerhin die Möglichkeit, noch erzieherisch auf den Missetäter einzuwirken. Demmel fasst zusammen: „Einerseits nehmen einen die Schicksale schon mit. Andererseits kann man aber dazu beitragen, dass es im Leben des Jugendlichen vielleicht doch noch besser wird.“

Daniel Dorner, Richter am Amtsgericht Dachau, ist froh, dass es Menschen wie Robert Demmel gibt, die sich diesem fordernden Ehrenamt stellen. Berufsrichter würden durchaus von den Laienrichtern profitieren, glaubt er: „Wir Juristen laufen Gefahr, betriebsblind zu werden. Schöffen haben einen anderen Blickwinkel, eine andere Sicht auf die Dinge.“

Diese befruchtende Kombination aus juristischem Fachwissen und gesundem Menschenverstand hält Dorner auch für das schlagende Argument, das Schöffen-Wesen beizubehalten. Kritiker nämlich halten die Laienrichter für überflüssig: Als Relikt aus dem vorletzten Jahrhundert, in dem man adeligen Berufsrichtern Volkes Stimme zur Seite stellen wollte, seien die Schöffen aus der Zeit gefallen; heutige Berufsrichter hätten diese Art der Kontrolle schlicht nicht mehr nötig. Dorner dagegen sagt ganz klar: „Ich würde meine Schöffen nicht missen wollen!“

Auch wenn die Laienrichter keine formale Qualifikation – etwa ein Hochschulstudium oder eine juristische Ausbildung – mitbringen müssen, sollten sie doch gewisse charakterliche Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählt Dorner etwa Verantwortungsbewusstsein, Gerechtigkeitssinn und Einfühlungsvermögen. „Soziale Kompetenz ist am wichtigsten. Schließlich entscheiden wir über Menschen in extremen Situationen.“

Trotz der vielfältigen Herausforderungen, die das Schöffenamt mit sich bringt, bedauert Robert Demmel schon jetzt, wenn seine Dienstzeit am Jahresende endet. Auch den Stress, das Ehrenamt zeitlich mit seinem Beruf unter einen Hut bringen zu müssen, ändert nichts an seiner Freude an der Schöffenarbeit. Amtsrichter Dorner, dem sein Beruf nach eigener Aussage „total viel Spaß macht“, ist denn auch optimistisch, in Zukunft ähnlich motivierte Schöffen wie Robert Demmel neben sich auf der Richterbank willkommen heißen zu dürfen. Denn: „Es ist eine sehr interessante Aufgabe, die man in seinem Leben durchaus mal gemacht haben sollte.“

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