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Im Nachbarschaftsstreit Wohnungstür eingetreten

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Von: Thomas Zimmerly

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Ein außergewöhnlicher Nachbarschaftsstreit fand vor Gericht seine Fortsetzung (Symbolbild). © dpa

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben... Seit 13 Jahren schwelt in einem Haus in Dachau ein Nachbarschaftsstreit. Jetzt wurde vor Gericht gestritten.

Dachau – Seit rund 13 Jahren bekriegen sich zwei Nachbarn in einem Haus in Dachau. Sie beschuldigen sich immer wieder gegenseitiger Ruhestörungen. Im Juli hat es dann richtig gekracht. Einer der Mieter beklagte eine eingetretene Wohnungstür. Vor dem Amtsgericht Dachau kam nun das gesamte Ausmaß des Zerwürfnisses zur Sprache.

Das alte Haus in Dachaus Mitte ist hellhörig, selbst das Klingeln eines Handys ist in allen Wohnungen zu hören. Laute Geräusche erwecken da schnell das Gefühl der Ruhestörung. Zwei langjährige Mieter sind aus diesem Grund mit der Zeit sensibel und nervös geworden. Das führte dazu, dass sich die beiden Männer, ein 71-jähriger Rentner sowie ein 48-jähriger Außendienstmitarbeiter, regelrecht bekriegen; seit sage und schreibe 13 Jahren.

Bis zum 29. Juli dieses Jahres erfolgten die Scharmützel stets mit Worten. Dann aber krachte mit einem Schlag die Haustür des Rentners aus den Angeln und flog in die Wohnung. Dem 71-Jährigen missfiel diese abrupte Stoßlüftung natürlich sehr. Er telefonierte mit der Polizei. Und nach deren Ermittlungen landete der 48-jährige Nachbar, der direkt unter dem Rentner residiert, wegen Sachbeschädigung vor dem Dachauer Amtsgericht.

In der Hauptverhandlung wurde schnell klar, dass Corona der Katalysator des bösen Geschehens war. Denn nach Ausbruch der Pandemie hatte sich der Außendienstler in den Innendienst begeben. Das Homeoffice hatte zur Folge, dass er viel telefonierte und an stundenlangen Videokonferenzen mit Kollegen teilnahm. An jenem unglückseligen Sommertag im Juli gegen 10 Uhr morgens war das Zusammenleben der beiden Herren endgültig vor eine Zerreißprobe gestellt. Denn auf das Dauergemurmel des Innendienstlers habe der Rentner mit dem Dauerbetrieb einer Bohrmaschine reagiert; behauptete jedenfalls der Angeklagte vor Gericht. Dann eskalierte das Geschehen.

Er sei nach oben gegangen, so der 48-Jährige, und ja, er sei laut geworden. Aber dann sei er wieder in seiner Wohnung verschwunden – die Videokonferenz! Was dann geschah, berichtete der 71-jährige im Zeugenstand. So nach drei, vier fünf Minuten hätte es einen Schlag gegeben, „und die Haustür lag auf dem Boden“. Für ihn war die Sache klar: Der Nachbar, oder wie er präzisierte, der „Wahnsinnige, der nicht alle am Christbaum hat“, habe zugetreten. Er habe nämlich beim Blick Richtung Wohnungseingang einen Schatten gesehen, den der Angeklagte geworfen habe. Blöd war nur, dass seine Ehefrau (65) kurz darauf aussagte, dass sie und ihr Mann zur Tatzeit um die Ecke gestanden hätten.

Die Glaubwürdigkeit des Rentners litt im Anschluss noch mehr, als eine Zeugin (37), die im Erdgeschoss des Hauses einen Laden betreibt, angab, dass der 71-Jährige die ganze Zeit „wie ein Assi“ herumbrülle und die Leute beleidige.

Nichtsdestotrotz: Irgendjemand muss die Tür ramponiert haben. War es der Rentner selbst? Das bestritt dessen Ehefrau vehement. Ihr Gatte, sagte sie, sei gesundheitlich angeschlagen. Er habe am Tattag „einen Thrombosestrumpf getragen und war gar nicht in der Lage, eine Tür einzutreten“.

Es sei an der Zeit, „die Sache einzusargen“, so der Verteidiger des Angeklagten, Stefan Seitz. Diesen „reinen Indizienprozess“ könne man gegen eine Geldauflage vom Tisch bekommen.

Richter Christian Calame zeigte Sympathie für diese Lösung und warf einen strengen Blick auf den 48-Jährigen, der diesem sagen sollte: Auch eine Verurteilung kommt in Betracht. Daraufhin willigte der Angeklagte ein, 1200 Euro an ein Kinderhospiz in München zu überweisen.

Am Ende wünschte Richter Calame dem Angeklagten „alles Gute“ und hoffentlich Ruhe in der Nachbarschaft. Ein frommer Wunsch in staader Zeit.

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