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Im Notfall gehen im Herbst im Landkreis Dachau die Lichter aus

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Von: Stefanie Zipfer

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Heizung
Die Temperatur herunterzuregeln ist eine Möglichkeit Energie zu sparen. © Symbolbild: spata/Dpa

Die Planungen in den Rathäusern des Landkreises, im kommenden Winter Energie zu sparen, laufen auf Hochtouren.

Landkreis – Auch die Kommunen im Landkreis Dachau sind zuletzt dem Aufruf des Deutschen Städtetages gefolgt, Energie einzusparen. In Vierkirchen beispielsweise wurde die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Zusätzlich werden die Lampen ab 22 Uhr heruntergedimmt. Da es im Rathaus ohnehin keine Klimaanlage gibt, könne man in diesem Bereich auch keine Energie einsparen, heißt es von der Gemeindeverwaltung auf Nachfrage.

Ein Fachmann soll helfen

In Röhrmoos „überlegt“ man derweil noch, die Straßenbeleuchtung „in einzelnen Bereichen gänzlich abzuschalten“, wie Vize-Bürgermeister Arthur Stein erklärt. Angedacht sei auch, mittel- bis langfristig die Ölheizung im Bauhof durch eine Hackschnitzelheizung, gespeist durch Abfälle aus dem eigenen Wald sowie Holz- und Sträuchermaterial von Pflegearbeiten im Gemeindegebiet, zu ersetzen. Außerdem werde der Bau von bereits geplanten Solaranlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden „forciert“. Stein könnte sich eigenen Angaben zufolge „vorstellen, einen Fachmann zu beauftragen, der in sämtlichen gemeindeeigenen Gebäuden eine Optimierung des Stromverbrauchs zur Einsparung durchführt“.

Nachhaltiger heizen

In Jetzendorf ist man da schon einen Schritt weiter, wie Bürgermeister Manfred Betzin stolz erklärt: „In der Schule und dem Kindergarten Spatzennest verfügen wir über eine nachhaltige Hackschnitzelheizung und sind aus diesem Grund nicht gezwungen, andere Regelungen zu treffen. Im Gegenteil, wir haben hier in den letzten Jahren enorm Energie eingespart, rund 45 000 Liter Heizöl, und befinden uns gerade im Sanierungsprozess, sodass wir den Verbrauch noch weiter senken können.“ Dies solle durch eine Umstellung auf sparsame LED-Beleuchtung in Schule, Turnhalle und bei Straßenlampen geschehen. Die LED-Lampen würden dann in der Nacht gegen Mitternacht bis zum frühen Morgen auf minimale Leistung gedimmt, so Betzin.

Was der Jetzendorfer Bürgermeister dagegen ablehnt: Turnhallen für den Vereinssport zu schließen. „Durch die Pandemie mussten sowohl die Älteren als auch unsere Jugend enorme Einschränkungen beim Sportbetrieb hinnehmen. Dies jetzt wegen der Energie zu wiederholen, würde einen weiteren gesellschaftlichen Schaden bedeuten, der in keinem Verhältnis steht“, so Betzin.

Keine Duschen in der Turnhalle

In Hebertshausen sieht man dies anders, man denkt offen auch über eine Schließung der Hallen ab Herbst nach. „Unser größter Energiefresser ist die Turnhalle“, erklärt Bürgermeister Richard Reischl. Die Gemeinde habe bereits eine Gaspreiserhöhung bekommen, der Tarif sei um 272 Prozent gestiegen. Eine Alternative zur Schließung der Halle könnte zumindest sein, dort die sowieso wenig genutzten Duschen zu sperren. Auch könnte die Temperatur in der Halle heruntergefahren werden. „Alles Überlegungen, die diskutiert werden sollen“, findet Reischl. Mit einem kleinen Schritt gehe es sofort los: „In der Schule werden wir über die Ferien alles komplett abschalten.“

Während in Hebertshausen direkt nach den Sommerferien ein konkreter Aktionsplan beschlossen werden soll, hält man dies in Petershausen für nicht zwingend geboten. Die Gemeinde sei schon seit Jahren dran, den Verbrauch zu senken, erklärt Bürgermeister Marcel Fath. Von der Kläranlage über die Steuerung der Wasserversorgung bis zur LED-Umrüstung der Straßenbeleuchtung sei viel geschehen. Auch manches, was anderswo nun als Sofortmaßnahme überlegt wird, sei in Petershausen längst Alltag. „Warmes Wasser gibt es – mit Ausnahme der Schulküche – in Rathaus und Schule schon lang nicht mehr. Das bringt auch kein bisschen Hygienegewinn.“

Parkhaus im Dunkeln

Auch die Beleuchtung in diesen Gebäuden werde durch Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren gesteuert. „Es gibt praktisch kein gemeindliches Objekt, wo noch Energie verschwendet wird, wir haben bestimmt ein Drittel eingespart!“ Deshalb will Fath nicht in Panik verfallen, sondern nach Entwicklung der Lage entscheiden. Dennoch habe man sich Sparmöglichkeiten überlegt. So könnte die Beleuchtung des P&R-Parkplatzes nachts abgeschaltet werden, oder stundenweise die Straßenbeleuchtung. „Aber das will gut abgewogen werden, das hat Folgen für das Sicherheitsgefühl!“

Nahwärme für den Kindergarten

In Weichs macht man sich ebenfalls Gedanken über den schwierigen Spagat zwischen Energiesparen und Sicherheitsgefühl der Bürger, wie Bürgermeister Harald Mundl berichtet. Noch in diesem Jahr werde demnach in seiner Gemeinde „die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik abgeschlossen sein. Zudem wird die neue LED-Straßenbeleuchtung in der späten Nacht gedimmt, sodass noch ausreichend Sicherheit gewährt ist, aber der Stromverbrauch weiter deutlich zurückgeht“. Rathaus und Kindergarten Burzlbam sollen außerdem noch dieses Jahr an das Nahwärmenetz der Bioenergie Breitenwiesen GbR angeschlossen werden. „Die Verträge stehen kurz vor der Unterzeichnung“, so Mundl. Und schließlich solle „im Rathaus die Temperatur der Büros reduziert werden, soweit sich dies für die Mitarbeiter im verträglichen Rahmen bewegt“.

Allzu sehr an der Temperaturschraube drehen will man in Pfaffenhofen dagegen nicht, wie Bürgermeister Helmut Zech erklärt: „Die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Kinder in den gemeindlichen Kindertagesstätten etwa kann man nicht gefährden, indem man die Raumtemperatur senkt, nur um Energie zu sparen.“ In anderen Bereichen versuche die Gemeinde dennoch, ihren Beitrag zu leisten. Derzeit werde beispielsweise geprüft, ob bei der Beleuchtung von Gebäuden oder Straßen Einsparungen vorgenommen werden könnten. Auch die Laufzeit öffentlicher Brunnen könnte begrenzt werden. In den Ferien sei es zudem möglich, in den Kindertagesstätten die Lüftungsanlagen herunterzufahren. Die Bauhofmitarbeiter könnten die Unkrautvernichtung durch Flammen einschränken.

Die Frage aller Fragen: Öffnet das Hallenbad?

In der Stadt Dachau verweist man bei den „größeren Maßnahmen“ auf den kommenden Herbst. Wie Oberbürgermeister Florian Hartmann erklärt, würde in den Stadtratsausschüssen ab September über Maßnahmen beraten. Wichtigster Punkt: Soll das Hallenbad in diesem Herbst-Winter eröffnet werden?  

bw/nef/ost/ps/sim/zip

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