Verkehrsausschuss

Das Ende des Lärmaktionsplans

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Für einige Dachauer ist der nächtliche Lärm unerträglich. Deshalb wollte der Verkehrsausschuss eine nächtliche 30er-Zone in Dachau einrichten und stellte einen Lärmaktionsplan auf. Doch nun wurden die meisten Ideen wieder eingestampft – der Plan ist gescheitert.

Von Anna Schwarz

Dachau – Vom Dachauer Schloss in die Landsberger Straße nach München – und das in neun Minuten. Damit prahlen Raser (wir haben berichtet). Sie beschleunigen auf 50 Stundenkilometer und bremsen dann abrupt ab, lassen ihre Motoren aufheulen und brettern über das Kopfsteinpflaster in der Altstadt. Sie sind der Schrecken der Anwohner der Dachauer Hauptverkehrsadern. Deshalb schlug der Umwelt- und Verkehrsausschuss vor einem halben Jahr eine nächtliche Tempo-30-Zone vor, zwischen der Krankenhausstraße über die Mittermayerstraße bis zur Ampel am Fabrikberg. Doch der Ausschuss hat diese Idee wieder verworfen, genauso wie andere Pläne gegen den nächtlichen Lärm in Dachau. CSU, Bürger für Dachau, Freie Wähler und Wolfgang Moll (parteilos) stimmten gegen einzelne Punkte aus dem Plan.

Wie zum Beispiel die vorgeschlagene Tempo-30-Zone von 22 bis sechs Uhr anstatt der üblichen 50-Zone war Teil des Dachauer Lärmaktionsplan. Darin gab es weitere Vorschläge für 30er-Zonen, die nur nachts gelten: zum Beispiel auf der Bahnhofsstraße oder auf der Erich-Ollenhauer-Straße, von der Einmündung Sägstraße bis zur Theodor-Heuss-Straße. In den vergangenen Monaten lag der Lärmaktionsplan mit weiteren Ideen gegen den nächtlichen Lärm im Dachauer Rathaus aus, Bürger und Behörden konnten dazu ihre Meinung äußern. Auf dieser Grundlage stimmten die Politiker am Mittwochnachmittag über die nächtlichen 30er-Zonen ab.

Norbert Winter (Bürger für Dachau) kritisierte die Idee: „Ein Schild allein hilft nichts, wir brauchen massive Polizeikontrollen.“ OB Florian Hartmann hielt dagegen: Seit vergangenem Juni führe die Stadt Geschwindigkeitskontrollen durch, vermehrt nachts: „Die Polizei macht nichts.“ Hartmann fragte beim Polizeipräsidium Oberbayern-Nord nach, ob das Personal bei der Dachauer Polizei aufgestockt werden könne. Die Antwort: „Die PI Dachau sei schon übermäßig mit Personal ausgestattet“, zitierte Hartmann. Doch auch die CSU war skeptisch, ob die nächtlichen 30er-Zonen etwas bringen würden. „Die Bürger wünschen sich mehr Kontrollen“, sagte Peter Strauch (CSU). Zudem pochte er auf die Umgehungsstraße für Dachau, die seit Jahren eine Wunschvorstellung ist. Die Antwort der Verwaltung: Das Planfeststellungsverfahren für die Ostumfahrung laufe.

Bernhard Sturm (Bündnis für Dachau) wiederum plädierte für das 30-Tempolimit zwischen 22 und sechs Uhr: Wer dann 70 fährt, hat nämlich nicht mehr nur 20 Stundenkilometer zu viel auf dem Tacho, sondern 40 – und wird härter bestraft. Doch die Ausschussmitglieder stimmten gegen die nächtlichen 30er-Zonen, mit sechs zu neun Stimmen von CSU, Bürger für Dachau, Freien Wähler und Wolfgang Moll (parteilos).

Außerdem gab es im Lärmaktionsplan Ideen für ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen ab 3,5 Tonnen durch Dachau, zum Beispiel für die Brummifahrer aus Altgünding. Sie sollten nicht mehr durch Dachau fahren, sondern über die B 471 umgeleitet werden: „Ein Wahnsinn“, kritisierte Moll, vor allem für Handwerker und Anlieferer. Die Gemeinde Bergkirchen hatte bereits gegen den Plan gestimmt. Auch der Ausschuss entschied sich dagegen, mit sechs zu neun Stimmen von CSU, Bürger für Dachau, Freie Wähler und Wolfgang Moll (parteilos).

Zudem sollten „Ruhige Gebiete“ in Dachau ausgewiesen werden, in denen eine Zunahme des Lärms zu vermeiden ist: Vorschläge dafür waren zum Beispiel der Hofgarten sowie Wald- und Stadtfriedhof – Gebiete, die ohnehin nachts ruhig sind. Die Mehrheit des Ausschusses lehnte die Ausweisung von „Ruhigen Gebieten“ in Dachau ab.

Die Aufstellung des Lärmaktionsplans hätte sich die Stadt also sparen können.

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