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Wunderschöne Margeritenwiese in Wollomoos: Der Bauer hatte die Pracht stehen lassen und bewusst noch nicht als Futter an seine Kühe verfüttert – sehr zur Freude der Spaziergänger und Insekten.

Damit die Region wieder summt

Immer mehr Blühwiesen im Landkreis

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Bauern verpachten Blumenwiesen, Gemeinden legen Blühstreifen an und auch viele Privatpersonen möchten ihren Garten bienenfreundlicher machen.

 „Es ist ein Trend“, sagt Siegfried Lex, Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege am Landratsamt Dachau. „Das Interesse ist groß; immer wieder bekommen wir Anfragen, wie man am besten eine Blumenwiese gestaltet.“ Er rät den Bürgern zu einheimischen und mehrjährigen Arten. „Wichtig ist, dass der prozentuale Anteil an Blumen und Kräutern größer ist als an Gräsern“, sagt er.

Wer es ganz genau machen will, sollte außerdem vorab den pH-Wert seines Bodens bestimmen. „Auf nährstoffreichen Böden wachsen andere Pflanzen als auf nährstoffarmen“, erklärt er. „Am besten lässt man sich beraten.“ Lex schlägt außerdem Wildstauden vor, um den Bienen und Insekten zu helfen. „Viele Gärtner verkaufen sie auch in kleinen Töpfen“, sagt er. „So kann man auch auf einem kleinen Balkon etwas machen.“ Auch am Landratsamt beschäftigt man sich mit dem Thema Blühwiesen, so Lex. „Der Landkreis hat schon ausgesät“, sagt er. „Ein paar Pflänzchen sieht man schon, aber richtig zur Geltung kommen die Wiesen erst in ein bis zwei Jahren.“

Viele Gemeinden bemühen sich ebenfalls, ihre Flächen insektenfreundlicher zu gestalten. „Bereits seit 2012 werden bei uns bisher intensiv genutzte und entsprechend oft gemähte Flächen extensiviert“, erklärt Moritz Reinhold, Leiter des Stadtbauamtes Dachau. So habe Dachau zum Beispiel seit Anfang 2018 rund 180 bienenfreundliche Bäume, 350 Sträucher, 200 Rosen und 4000 Stauden gepflanzt. „Alte Grünflächen werden sukzessive zu Blumenwiesen und Blumenrasen umgebaut“, sagt Reinhold. Auch bei der Gestaltung von Kreisverkehren würde darauf geachtet, dass diese so bepflanzt werden, dass sie Nahrung für Insekten bieten. „Die städtischen Grünflächen werden von den Insekten gut angenommen“, betont Reinhold.

Das hofft auch die Gemeinde Hebertshausen. Sie hat sich extra von dem Biologen Reinhard Witt zum Thema Blühflächen beraten lassen. Diese Woche werden in Hebertshausen elf Blühflächen mit einer Größe zwischen 20 und 800 Quadratmeter eingesät. Zudem werden heuer noch über 17 000 Blumenzwiebeln gesetzt und fast 7000 Sträucher gepflanzt. „Es ist ein Experiment“, sagt Bürgermeister Richard Reischl. „Wir werden ein Jahr Erfahrungen sammeln und, wenn das Konzept ein Erfolg ist, es auf andere Orte in der Gemeinde ausweiten.“

Einige der Flächen befinden sich auch am Straßenrand. „So können wir feststellen, ob sich Blühflächen auf den Autoverkehr auswirken“, so Reischl. Sollte es keine negativen Konsequenzen geben, könnten auch andere Flächen am Rande der Straße mit Wildblumen gestaltet werden. Die Gemeinde hätte dann auch den Vorteil, weniger mähen zu müssen.

Zusätzlich verkauft Hebertshausen an seine Bürger Samen für Blühwiesen zum Selbstkostenpreis. „Die ersten 20 Kilo sind schon weg“, erklärt Reischl. Ein Päckchen mit 200 Gramm Samen kostet vier Euro, damit können zehn Quadratmeter eingesät werden. „Bei den Bürgern kommt das sehr gut an“, so Reischl. Die Gemeinde hat deswegen schon die nächsten 20 Kilogramm Samen besorgt.

Auch viele Landwirte im Landkreis, die Patenschaften für Blühflächen anbieten, sind zufrieden mit der Resonanz. „Wir hatten eine gute Nachfrage“, sagt Landwirt Hans Kölbl aus Pipinsried. Er hat 20 Parzellen mit einer Größe von 200 Quadratmetern für 50 Euro pro Jahr angeboten, sie sind bereits alle weg. „Die Saat ist auch schon angekeimt“, sagt er. Jetzt müsse nur noch das Wetter mitspielen, damit alles aufblüht. Die Idee zu dem Projekt hatte seine Tochter Kathi Taller. „Uns geht es dabei nicht ums Geldverdienen“, betont sie. „Aber es müssen alle etwas gegen das Artensterben machen, nicht nur wir Bauern!“

Ähnlich sieht es Erlebnisbäuerin Dagmar Wagner vom Berglbauernhof aus Kreuzholzhausen. „Das Volksbegehren fordert primär Maßnahmen, die die Landwirtschaft betreffen“, sagt sie. „Dabei ist das Thema eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Sie hat einen 4200 Quadratmeter großen Acker in eine Blühwiese umgewandelt und zweijährige Partnerschaften angeboten. Auch bei ihr waren die 26 Parzellen schnell weg: „Wir konnten gar nicht alle Interessenten bedienen“, sagt sie.

Mit dem Projekt will sie bei der Bevölkerung auch um mehr Verständnis für die Landwirtschaft werben. „Für viele sind wir Landwirte leider immer nur der Prügelknabe“, findet sie. „Vielen ist einfach nicht bewusst, was wir alles machen.“ Die Entwicklung der Blühfläche wird sie deshalb auf dem Facbook- und dem Instagram-Profil des Berglbauerhofs zeigen – dann kann jeder mitverfolgen, wie der Acker aufblüht.

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