Impfausweis
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So einen Impfpass hätte die junge Frau gerne gehabt. Leider war ihrer gefälscht.

Amtsgericht Dachau

Aus Sehnsucht nach dem Apple-Store: Mutter (29) fälscht Impfpass

  • Stefanie Zipfer
    VonStefanie Zipfer
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Am Amtsgericht Dachau ist eine 29-Jährige zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Sie hatte ihren Impfpass gefälscht.

Dachau – Es sei schon ein Kreuz gewesen im vergangenen Dezember. Alles, was Spaß gemacht hätte, war für Ungeimpfte verboten! Insofern sei sie ja fast schon gezwungen gewesen, sich entweder impfen zu lassen oder sich einen gefälschten Impfpass zu besorgen.

Amtsgericht Dachau: Mutter (29) wegen gefälschtem Impfpass verurteilt

Letzteres, so erklärte eine 29-jährige Münchnerin am Donnerstag am Amtsgericht, sei dann für sie das einzig akzeptable Mittel der Wahl gewesen. Man stelle sich das vor: Sie habe als Ungeimpfte nicht mehr in den Apple-Store gehen können, sie habe ihr Kind nicht mehr in den Kindergarten bringen beziehungsweise dort holen dürfen. „Ich wurde überall ausgegrenzt!“

 Es geht nicht darum, ob sie geimpft waren oder nicht. Wir zwingen in Deutschland niemand dazu, sich impfen zu lassen.

Amtsrichter Tobias Richter

Amtsrichter Tobias Bauer wollte dies nicht gelten lassen. „Es geht nicht darum, ob sie geimpft waren oder nicht. Wir zwingen in Deutschland niemand dazu, sich impfen zu lassen.“ Allerdings habe das Ungeimpft-Sein „halt Nachteile, die man in Kauf nehmen muss“. Und die 29-Jährige, die von Berufswegen gelernte Arzthelferin ist, sei eben nicht bereit gewesen, mit diesen Folgen der Impfverweigerung zu leben.

Wissenschaftlich, stellte Bauer klar, sei die Impfverweigerung „völliger Quatsch“. Insbesondere als Arzthelferin habe die junge Frau um die „Wichtigkeit von Impfungen, gerade gegenüber älteren und kranken Menschen“, wissen müssen.

Aus „menschlicher Sicht“, so Bauer weiter, könne er es aber immerhin „ansatzweise nachvollziehen“, dass sich die 29-Jährige „Sorgen gemacht“ habe. Die Mittel, dieser Impfskepsis Ausdruck zu verleihen, seien „allerdings völlig daneben gewesen“.

Aus Angst vor Corona-Impfung: Mutter fälscht Impf-Nachweis

Tatsächlich hat die junge Frau zwei Kinder im Alter von einem Jahr beziehungsweise vier Jahren. Das jüngere stillte sie im vergangenen Dezember. Um dennoch am Münchner Großstadtleben teilhaben zu können, besorgte sie sich einen gelben Impfpass mit gefälschtem Corona-Impfnachweis.

Mit diesem gelben Büchlein fuhr sie schließlich am 23. Dezember 2021 ins In-Center nach Dachau, in die dortige Ost-Apotheke. Dort legte sie ihren angeblichen Impfnachweis vor, um dafür – für ihr Mobiltelefon – das begehrte digitale Impfzertifikat zu erlangen. Dieser Impfnachweis als QR-Code hätte fortan von Restaurant- oder Einzelhandelsmitarbeitern gescannt werden und ihr damit Zutritt in die Lokale und Läden verschaffen können.

Das Problem: Die Mitarbeiter der Apotheken, nicht nur in der Dachauer Ost-Apotheke, waren zu dem Zeitpunkt bereits geschult im Umgang mit den falschen Impfpässen. Insofern ergab ein kurzer Check der im gelben Heftchen genannten Chargennummer des Impfstoffs, dass am 8. November 2021 sowie am 7. Dezember 2021 vieles passiert sein mag, aber sicher nicht, dass die 29-Jährige an diesen Tagen gegen Corona geimpft worden war.

„Aber ich habe den Pass ja gar nicht verwendet“, jammerte die junge Frau – verbunden mit der Bitte, der Richter möge doch bitte von einer Strafe für diese Urkundenfälschung absehen. Doch Bauer blieb hart: Indem sie mit dem falschen Pass versuchte, an den digitalen QR-Code zu kommen, habe sie ein „massiv strafwürdiges Verhalten gezeigt“.

Und auch wenn die Angeklagte nicht die „klassische Impfverweigerin“ sei, müsse er sie aus Gründen der Gleichbehandlung – auf den Schreibtischen deutscher Amtsrichter stapelten sich ungezählte solcher Fälle – bestrafen.

Amtsgericht Dachau: Impfpass-Fälscherin zu Geldstrafe verurteilt

Immerhin fiel die Strafe vergleichsweise milde aus. Statt der von der Staatsanwaltschaft geforderten Geldstrafe in Höhe von 1600 Euro muss die zweifache Mutter, deren Mann bei der Münchner Friedhofsverwaltung arbeitet, nur 975 Euro zahlen. Damit wird das Vergehen der 29-Jährigen auch nicht in ihrem polizeilichen Führungszeugnis auftauchen, wobei Richter Bauer ohnehin überzeugt war: Die Frau sei „keine Kriminelle, sie wird keine weiteren Straftaten begehen“.

Eine noch mildere Strafe sei aber beim besten Willen nicht möglich. Denn: Niemand habe sich damals impfen lassen müssen, man könne bis zum „Sankt-Nimmerleinstag stillen“. Aber grade bei der damals vorherrschenden Delta-Variante des Coronavirus hätte man „bei jemand, der als Arzthelferin vom Fach ist, doch so viel Einsicht erwarten können, dass Infektionskrankheiten gefährlich sind“.

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