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Kleine Patienten müssen im Notfall künftig nach München fahren.

Mit dem kranken Kind nach München

In Dachau gibt es bald keinen kinderärztlichen Notdienst mehr

Der kinderärztliche Notdienst im Landkreis Dachau wird abgeschafft. Das hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayern entschieden. Ab Oktober müssen Eltern mit Kindern und Jugendlichen an Wochenenden und Feiertagen nach München fahren – zum Beispiel in die neue Bereitschaftspraxis amKlinikum Dritter Orden.

Das Kind bekommt plötzlich Fieber, klagt über Ohrenschmerzen oder Scharlach bricht aus – wenn das eigene Kind krank wird, ist das schon schlimm genug und der Alptraum vieler Eltern. Wenn dies an einem Feiertag oder am Wochenende passiert, macht das die Sache noch schlimmer – denn der örtliche Kinderarzt hat geschlossen. Der Gang zu einer Bereitschaftspraxis vom Kindernotdienst ist dann die einzige Option. Doch diesen wird es ab Oktober im Landkreis nicht mehr geben.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern hat beschlossen, den kinderärztlichen Notdienst im Landkreis Dachau ab Oktober einzustellen und mit München zusammenzulegen, wie Regionalleiter Guido Zdrenka erläuert. Den Notdienst habe es im Landkreis Dachau ohnehin nur auf freiwilliger Basis gegeben, und zwar an Wochenenden und Feiertagen von 8 bis 12 und 15 bis 19 Uhr. Ursprünglich sieben Kinderärzte leisteten laut Zdrenka den Notdienst im Landkreis, zuletzt jedoch nur noch fünf, weil zwei Ärzte die Altersgrenze von 62 Jahren erreicht haben. Diese fünf Ärzte teilen sich nun den Bereitschaftsdienst mit der Münchner Gruppe, so Zdrenka, „um die Situation zu entspannen“. Dazu wird am 3. Oktober eine neue kinderärztliche Bereitschaftspraxis im Klinikum Dritter Orden in München eröffnet (siehe Kasten), wie der Kassenärztliche Dienst am Donnerstag mitteilte. Für die Patienten bedeute diese Umstrukturierung „keine große Veränderung“, so Zdrenka. „Viele sind bereits jetzt am Wochenende in die Kinderklinik gefahren.“

Dachau ist der einzige Landkreis in der Umgebung, der so einen Service hat, erklärt der Dachauer Kinderarzt Dr. Nikolaus Hosemann, der 1998 am Ernst-Reuter-Platz eine Praxis übernommen hat. In den 1980er Jahren hatten die sieben Kinderärzte auf eine private und freiwillige Initiative hin den Bereitschaftsdienst auf die Beine gestellt und sich seitdem den Notdienst aufgeteilt. Deshalb seien auch viele Patienten aus Fürstenfeldbruck, Pfaffenhofen oder Freising am Wochenende bei ihm in der Praxis gestanden. Vom eingewachsenen Zeh über Hautausschlag bis zu Asthmaanfällen sei stets alles dabei.

„Im Mai kamen Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern zu uns und haben uns mitgeteilt, dass wir unseren Notdienst nicht mehr machen dürfen“, berichtet Dr. Ramon Rümler, der seine Dachauer Praxis seit zehn Jahren hat und genauso lange schon Notdienst-Schichten übernimmt. Grund sei der Personalmangel für den Notdienst in München. Bedeutet: Die Dachauer Kinderärzte müssen in Zukunft in den Münchner Kliniken ihren Notdienst verrichten. Rümler gibt zu: „Für uns ist das gut, wir haben weniger Dienste und weniger Stunden.“ Ramon Rümler räumt aber ein, dass eine wohnortnahe Versorgung für die Patienten besser ist. „Das scheint von der Politik aber nicht gewollt“, fügt er hinzu.

Der Wegfall der Notdienste wurde auch in sozialen Netzwerken diskutiert und sorgte für große Aufregung. Etliche Eltern finden die Wege zu den Bereitschaftspraxen in München zu weit – vor allem mit einem kranken Kind. Zudem ist die Angst vor langen Wartezeiten und Überfüllung groß. Nikolaus Hosemann erklärt: „Besteht außerhalb der Öffnungszeiten ein Notfall, kann bei der bundesweiten Rufnummer 116117 angerufen werden.“ Hier werde geklärt, ob die Eltern mit dem Kind einen kinderärztlichen Notdienst aufsuchen sollten oder ob ein hausärztlicher Notdienst in Frage kommt. Zudem wird auf die nächstgelegene Klinik mit Bereitschaftspraxis verwiesen. Miriam Kohr/Nikola Obermeier


Vier Bereitschaftspraxen versorgen Patienten

Die vierte kinderärztliche Bereitschaftspraxis in München eröffnet am Donnerstag, 3. Oktober, am Klinikum Dritter Orden, Franz-Schrank-Straße 8 in München-Nymphenburg. Diese soll laut Pressemitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern „den Einzugsbereich des Münchner Westens bis ins Umland von Dachau ab abdecken“. Sie kann während der Öffnungszeiten ohne Voranmeldung aufgesucht werden am Samstag, Sonntag und Feiertag von 9 bis 20 Uhr. Die bereits bestehenden Bereitschaftspraxen für Kinder und Jugendliche in Schwabing und Harlaching bleiben unverändert an den Wochenenden und an Feiertagen von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Die erweiterten Öffnungszeiten der direkt am Münchner Hauptbahnhof gelegenen KVB-Bereitschaftspraxis im Elisenhof bleiben ebenfalls unverändert. Telefonisch ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der bundesweit einheitlichen Telefonnummer 116117 erreichbar. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst ist zu unterscheiden von der notärztlichen Versorgung. Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen sind stets Rettungsdienst und Notarzt – unter der

Rufnummer 112 – zu verständigen.



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